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Unser Abfall – eine Reportage
„Ach, die eine Kippe“

Autorin/Autor: Silke Franke

Achtlos weggeworfene Zigarettenkippen belasten die Umwelt. Denn im Zigarettenfilter sammeln sich zahlreiche giftige Stoffe an, die im Boden und v.a. bei Wasserkontakt herausgelöst werden. So gelangen Konzentrationen letztendlich auch in Gewässer und schädigen dort Fische und Wasserorganismen.

Achtlos auf den Boden fallen gelassene Kippen an einer Bushaltestelle

Achtlos auf den Boden fallen gelassene Kippen an einer Bushaltestelle

Ärgerliche Achtlosigkeit

Ich muss zugeben, dass mir das schon seit längerem aufgefallen ist: Überall, wo die Leute auf den Bus oder Zug warten, vertreiben sie sich die Zeit mit Rauchen. Der abgebrannte Stummel landet dann auf dem Boden. „Ach, die eine Kippe“, wird sich der Einzelne als Ausrede denken, aber ich sehe allein auf einem Quadratmeter über ein Dutzend davon. An den Bahnhöfen selbst gilt gerade deswegen seit längerem ein generelles Rauchverbot. Nicht aber unter freiem Himmel am Vorplatz. Hier gibt es nur wenige Sitzmöglichkeiten und noch seltener Abfalleimer. Ein bisschen also auch ein selbstgemachtes Problem. Trotzdem finde ich es unglaublich ärgerlich, dass Raucher die Zigarettenstummel einfach achtlos fallen lassen. Sie landen auf den Boden, werden zwischen den Pflastersteinen in die Erde getreten oder über die Gullys in die Kanalisation geschwemmt. Aber stimmt das, was der hagere Mann neben mir gesagt hat, dass die Kippen pures Gift für die Umwelt sind?

Giftige Substanzen– bereits eine Kippe tödlich

Wieder daheim fällt mir das Infoblatt ein, das unsere örtliche „Verwertungs- und Abfallentsorgungsgesellschaft“ regelmäßig an alle Haushalte verteilt. Meistens hebe ich es auf, denn da sind immer wieder Hinweise enthalten, wie was zu entsorgen ist („Klarsichthüllen gehören nicht in den Gelben Sack? – Oh“), was mit dem Abfall passiert und Tipps, wie man Müll vermeiden kann. Tatsächlich finde ich den gesuchten Artikel: „Achtlos weggeworfene Zigarettenkippen: Kleine Giftbomben“. Der Bericht bestätigt, denn es heißt auch dort „Für Fische ist bereits eine Kippe pro Liter Wasser tödlich“. Ich erfahre, dass das an Stoffen liegt, die durch den Verbrennungsprozess beim Rauchen entstehen und sich im Zigarettenfilter ansammeln. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind das nicht nur Teer und das Nervengift Nikotin, sondern auch andere giftige Substanzen wie Arsen, Blei, Cadmium, Chrom, Kupfer, Formaldehyd, Benzol, polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe. Diese Stoffe werden in der Umwelt aus dem Zigarettenstummel herausgelöst und gelangen in den Boden und ins Wasser. Bei Nikotin z.B. geschieht das relativ schnell, wie eine Studie der TU Berlin ergab: Liegt eine Kippe in einer Wasserpfütze, ist im Wasser anschließend eine Konzentration von 2,5 mg Nikotin pro Liter nachweisbar, die Hälfte davon bereits innerhalb der ersten 27 Minuten. Die Wissenschaftler kommen aufgrund ihrer Versuchsreihe zum Schluss, dass eine einzige Kippe etwa 1000 l Wasser mit umweltrelevanten Nikotinmengen belasten kann. Und Nikotin ist nur eines der etwa 7.000 Stoffe, die im Zigarettenfilter nach dem Rauchen vorkommen können.

Zweit Drittel landen in der Natur

Der Anteil der Raucher an der erwachsenen Bevölkerung ist in den letzten Jahren in Deutschland tendenziell zwar rückläufig, doch laut Statistischem Bundesamt wurden bei uns im Jahr 2022 immer noch 65,8 Milliarden Zigaretten konsumiert (ermittelt aus dem „Netto-Bezug“). Durchschnittliche rund 180 Millionen Zigaretten pro Tag.

Zigarettenkippen sind weltweit das am häufigsten weggeworfene Abfallprodukt. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa zwei Drittel der gerauchten Zigaretten in der Natur landen. Weltweit pro Jahr wohl zwischen 340 und 680 Millionen Kilogramm Zigarettenkippen (WHO, S. 24).

Die Kippen sind auch eine Gefahr für Tiere, die die Zigaretten fressen und anschließend an Vergiftungserscheinungen leiden. Es kommt auch immer wieder vor, dass Kleinkinder Zigaretten in den Mund nehmen und dann Vergiftungssymptome zeigen. Glimmt der weggeworfene Stummel gar noch, kann diese immer noch ein Feuer entfachen. Brennende Zigaretten gelten als eine der Hauptursachen für Waldbrände.

In fünf Minuten geraucht, die Umwelt noch jahrelang belastet

Auch der Filter selbst ist ein Problem, denn er besteht nicht nur aus dem Holzgrundstoff Cellulose. Die wird vielmehr mit dem Kleber Triacetin verbunden. Das so entstandene Celluloseacetat ist ein Kunststoff, der in der Natur nicht abgebaut werden kann. Bis sich dieser zersetzt, können leicht 10 bis 15 Jahre vergehen - und dann bleibt immer noch das Problem mit dem Mikroplastik in der Umwelt. Seit Juli 2021 muss auf Zigarettenschachteln daher ein Piktogramm mit dem Aufdruck „Filter enthält Kunststoffe“ aufgebracht sein (Artikel 7 der Einweg-Kunststoff-Richtlinie der Europäischen Union).

Denn: Zigarettenstummel gehören nicht in die Umwelt - auch nicht in Gullys oder Blumentöpfe - sondern in die Restmülltonne. Angesichts der in den Zigaretten enthaltenen Giftstoffe sollte jeder bereit sein, ein paar Meter mehr zu gehen, um sie im nächsten Abfalleimer zu entsorgen, oder? Für unterwegs bieten sich Mini-Aschenbecher für die Tasche an. Auch eine Möglichkeit: Auf Zigaretten mit Filter verzichten - oder ganz mit dem Rauchen aufhören.

Mach mit: Die Welt räumt auf - „World Cleanup Day“ 16. September 2023 – oder andere „Ramadama-Aktionen“, die Ehrenamtliche vor Ort organisieren.

Weitere Informationen zu dem Thema

Weltgesundheitsorganisation – WHO, 2017: Tobacco and its environmental impact: An Overview.

Infopapier des Deutschen Krebsforschungszentrums „Zigarettenkippen – Gift für die Umwelt

TU Berlin-Studie im Journal of Hydrology, 2014: Littered cigarette butts as a source of  nicotine in urban waters

NABU - Naturschutzbund Deutschland e.V.
https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/aktionen-und-projekte/meere-ohne-plastik/29901.html

Erbenschwanger Verwertungs- und Abfallentsorgungs-Gesellschaft EVA info 21/2021

Kontakt

Leiterin: Silke Franke
Umwelt und Energie, Städte, Ländlicher Raum
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