Print logo
Zur Hauptnavigation springen Zum Hauptinhalt springen

Die Zukunft der Altersvorsorge
Alt werden ohne Angst

Autorin/Autor: Dr. Susanne Schmid

Demografischer Wandel, steigende Lebenserwartung, sinkende Geburtenraten – die gesetzliche Rente steht vor großen Herausforderungen. Rentenexperte Prof. Dr. Martin Werding erklärt im Gespräch mit der HSS, wie eine generationengerechte und demografiefeste Altersvorsorge gelingen kann.

Die Akademie für Politik und Zeitgeschehen der Hanns-Seidel-Stiftung hat gemeinsam mit Fachleuten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft in mehreren Expertenrunden Reformvorschläge für eine demografiefeste, generationen- und leistungsgerechte Altersvorsorge erarbeitet. 
Der renommierte Rentenexperte Prof. Dr. Martin Werding war Vortragender unseres dritten Runden Tisches Altersvorsorge und ist Autor unserer Aktuellen Analysen „Die Zukunft der Altersvorsorge in Deutschland“. Wir haben ihn für Sie zum Thema Alterssicherung interviewt. 

Prof. Dr. Martin Werding

Der Rentenexperte Prof. Dr. Martin Werding referierte bei einer Expertentagung der HSS und ist Autor der Aktuellen Analyse zum Thema Altersvorsorge.

© Sachverständigenrat Wirtschaft

HSS: Sehr geehrter Herr Professor Werding, Sie sind Mitglied des deutschen Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, auch "Wirtschaftsweise" genannt, und Professor für Sozialpolitik und öffentliche Finanzen an der Ruhr-Universität Bochum. Seit Jahrzehnten befassen Sie sich mit der Zukunft der Altersvorsorge.

Meine Frage: Wie kann man die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) demografiefest und generationengerecht aufstellen? 

Prof. Dr. Martin Werding: Die gesetzliche Rente wird im Umlageverfahren finanziert, bei dem die aktive Generation die laufenden Renten bezahlt. Ein solches System ist immer von der Demografie abhängig und gerät bei steigender Lebenserwartung und gesunkenen Geburtenzahlen unter Druck. Um es demografiefest und generationengerecht zu machen, muss die Politik frühzeitig eingreifen und die entstehenden Lasten fair zwischen Alt und Jung teilen, zum Beispiel durch Anhebungen des Rentenalters und gedämpfte Rentenanhebungen, damit die Beitragssätze nicht zu sehr steigen.

HSS: Wir erleben durch die Boomer-Generation eine starke Zunahme von Rentenbeziehern - bei gleichzeitigem Rückgang potenzieller Beitragszahler. Viele fragen sich: Sollten künftig auch Selbständige und Beamte in die GRV einzahlen? 

Prof. Dr. Martin Werding: Die demografische Struktur von Beamten und Selbständigen ist nicht besser als die der gesetzlich Versicherten. Wären diese Gruppen im Rentensystem, gäbe es höhere Beitragseinnahmen und höhere Rentenausgaben, für andere Versicherte bliebe nichts davon hängen. Die Beamtenversorgung ist auf Dauer aber ebenfalls nicht finanzierbar. Bei den fälligen Reformen könnte man darauf achten, dass sie die gleichen Wirkungen haben wie die Rentenreformen. Und manche Selbständige haben gar keine Alterssicherung – das sollte die Politik endlich angehen.

HSS: Um nach Renteneintritt den Lebensstandard halten zu können, sollte die individuelle Altersvorsorge auf einem Mix aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Altersvorsorge basieren. Wie kann man die private und betriebliche Altersvorsorge stärken und ausweiten? Ist ergänzende Kapitaldeckung der Schlüssel zum Erfolg?

Prof. Dr. Martin Werding: So wie ein höheres Rentenalter die passende Reaktion auf eine steigende Lebenserwartung darstellt, ist ergänzende Kapitaldeckung die ursachengerechte Antwort auf den Geburtenrückgang. Sie ist zudem generationengerecht und viel weniger demografieabhängig als umlagefinanzierte Renten. Man sollte daher sowohl die Betriebsrenten stärken als auch die Riester-Renten durch bessere Produkte ersetzen – einfacher, kostengünstiger und renditestärker als bisher. Jeder Versicherte sollte mindestens eine Form der ergänzenden Vorsorge nutzen.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Prof. Dr. Werding.

Kontakt

Leiterin: Dr. Susanne Schmid
Gesellschaftliche Entwicklung, Migration, Integration
Leiterin
Telefon: 
Fax: 
E-Mail: