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Badprodukte aus Sand - Sandhelden GmbH & Co. KG
Der Niederländer Laurens Faure wuchs im Norden Deutschlands auf und studierte International Business an der Universität Maastricht. 2014 gründete er die Sandhelden GmbH & Co. KG. Als CEO des Unternehmens ist es sein Ziel, die klassische Produktion von Objekten im Kunst-, Design- und Architekturbereich mit dem natürlichen Rohstoff Sand zu revolutionieren.
Sandhelden GmbH & Co. KG
Kreativität und Umweltschutz: Das bayerische Start-up Sandhelden GmbH & Co. KG mit Sitz in Kirchheim bei München fertigt innovative Design-Produkte aus dem nachhaltigen Werkstoff Sand. Hierfür wird eine moderne 3D-Drucktechnologie („Binder Jetting“) zum Einsatz gebracht. Bei den Produkten handelt es sich in erster Linie um Einrichtungsgegenstände für das Bad. Hier können Sie sich näher informieren.
HSS: Herr Faure, Waschbecken und Badewannen aus Sand mit 3D-Druck – wie kommt man auf eine solche Idee?
Laurens Faure: Die Geschäftsidee basiert auf einer innovativen Badkollektion, die sich vor allem hinsichtlich des Designs von anderen Anbietern auf dem Markt unterscheiden sollte. Der Prozess, einen geeigneten Hersteller dafür zu finden, hat sich als schwierig dargestellt. Vor allem durch die produktionstechnische Umsetzung wie auch die hohen Kosten mussten klassische Materialien und Verfahren ausgeschlossen werden. Durch intensive Recherche nach alternativen Materialen und Herstellungsverfahren kamen wir mit 3D-Sanddruck in Kontakt. So entstand die Idee, Badprodukte aus Sand zu fertigen.
HSS: Was macht Ihr Herstellungsverfahren, das auf der sog. „Binder Jetting“-Technologie basiert, so einzigartig?
Laurens Faure: Das Besondere an unserem Herstellungsverfahren ist vor allem das natürliche Material und die hohe Flexibilität. Unsere Produkte bestehen zu mehr als 90 Prozent aus Quarzsand, der regional abgebaut wird. Dieses Material hat viele positive Eigenschaften und wird vorwiegend mit positiven Aspekten assoziiert (im Gegensatz zu kunststoffbasierten Materialien). Außerdem ist die Sandhelden GmbH & Co. KG das einzige Unternehmen auf dem Sanitärmarkt, das Waschbecken und Badewannen aus Sand anbietet.
Gleichzeitig können wir mit dem 3D-Druckverfahren unseren Kunden eine hohe Flexibilität bei individuellen Möglichkeiten anbieten. Alle unsere Produkte können in Form, Farbe und Design angepasst werden. Darüber hinaus können spezielle Designs unabhängig von Stückzahlen angeboten werden.
HSS: Was tun Sie, wenn bei Ihnen der Sand knapp wird? Sand ist zwar ein natürlicher Rohstoff, jedoch auch eine endliche Ressource.
Laurens Faure: Bei unserem niedrigen Bedarf an Quarzsand haben wir kurz- und mittelfristig keine Probleme, die Nachfrage zu decken. Zum einen wird der nicht „verdruckte“ Quarzsand in unserem Herstellungsprozess wiederverwendet. Zum anderen arbeiten wir an einer Lösung, wie unsere Produkte nach Ende ihres Lebens wieder in den Herstellungszyklus integriert werden können. Schon jetzt beschäftigen wir uns mit möglichen Alternativen, wie z. B. recyceltem Kunststoff aus den Weltmeeren.
Ein Mitarbeitender bearbeitet ein 3D-gedrucktes Design-Objekt aus Sand nach.
Sandhelden GmbH & Co. KG
HSS: Hat der Rohstoff Sand noch andere Vorteile, abgesehen von seiner Nachhaltigkeit?
Laurens Faure: Vor allem die thermischen Eigenschaften von Sand sind ideal für die Verwendung im Badbereich. Wärme wird lange gespeichert; das ist vor allem für Badewannen ideal. Außerdem wird mit dem Material ein positives und angenehmes Gefühl assoziiert.
HSS: Sandabbau kann Land- bzw. Habitatverlust oder Verlust natürlicher Bodenfunktionen zur Folge haben. Woher beziehen Sie Ihren Sand, um nicht zu diesen negativen Umweltauswirkungen beizutragen?
Laurens Faure: Wir beziehen unseren Quarzsand aus etablierten und regionalen Quellen in Bayern. Dadurch halten wir die Lieferwege so kurz wie möglich. Grundsätzlich sind wir weitgehend unabhängig von der genauen Zusammensetzung und Herkunft des Sandes. Einzig die richtige Korngröße muss eingehalten werden, damit der Sand im 3D-Druck verarbeitet werden kann.
HSS: Ihr Unternehmen will in Zukunft auch mit recyceltem Kunststoff aus den Meeren drucken. Sind noch andere Materialien oder Produkte in Planung?
Laurens Faure: Aktuell liegt unser Fokus ausschließlich auf Sand und auf der Einführung von recyceltem Kunststoff in unser Materialportfolio. Langfristig sollen noch weitere Materialien hinzukommen, die noch nicht spruchreif sind. Zusätzlich bieten wir neben eigenen Sanitärprodukten unser Herstellungsverfahren als Dienstleistung an. In diesem Bereich fertigen wir Objekte im Kunst-, Design- und Architekturbereich, unter anderem Skulpturen, Möbel oder sogar Fassaden.
Holzkisten für den Transport der 3D-gedruckten Design-Objekte.
Sandhelden GmbH & Co. KG
HSS: Nicht jeder wird sich ein Designer-Waschbecken leisten können. Wie schaffen Sie es, in diesem Marktsegment wettbewerbsfähig zu bleiben?
Laurens Faure: Im Vergleich zu herkömmlichen Produkten auf dem Markt sind wir sicherlich im oberen Preissegment zu finden. Mit den individuellen Möglichkeiten und unserem natürlichen Material haben wir eine einzigartige Kombination, die eine relativ hohe Nachfrage bei Kunden weckt. Genau für diese Kunden bieten wir ein faires Angebot an.
HSS: Ihr Unternehmen war zunächst in Lübeck ansässig. Jetzt ist Ihr Unternehmenssitz in Kirchheim bei München. Welche Vorteile hat der Umzug nach Bayern gebracht?
Laurens Faure: Zunächst sind wir 2017 von Lübeck nach Gersthofen (Kreis Augsburg) gezogen, bevor es im Mai 2023 nach Kirchheim bei München ging. Der Großteil unserer Produktionspartner und Lieferanten ist in Bayern ansässig. Als kleines Unternehmen war es uns damals wichtig, direkt vor Ort zu sein, um so auch eine starke Präsenz zeigen zu können. Zusätzlich gilt Bayern (und vor allem Augsburg) als wichtiges Technologie-Cluster für den 3D-Druck. Daher fiel uns die Entscheidung leicht, von Schleswig-Holstein nach Bayern zu ziehen.
HSS: Ihr Unternehmen fördert mit der „Sandhelden Academy“ auch die Ideen junger Talente. Was erhoffen Sie sich dadurch allgemein und für die Zukunft?
Laurens Faure: Von unserer langjährigen Arbeit mit Künstlern und Designern wissen wir genau, wie schwer der Einstieg gerade für junge Absolventen in den Markt ist. Daher bieten wir ihnen mit der „Sandhelden Academy“ im Studium oder in den ersten Berufsjahren die Möglichkeit, eigene Arbeiten für einen sehr fairen Preis aus Sand herzustellen. So erfahren sie, wie ihre Ideen und Designs als Endprodukt aussehen, anstatt nur digital auf dem Computer. Langfristig erhoffen wir uns dadurch natürlich auch, dass diese Beziehungen im späteren Berufsleben fortbestehen.
Vielen Dank für das Gespäch!
Begriffe
Habitat – So wird der Lebensraum von Tieren bzw. Pflanzen bezeichnet.
Quarzsand – Hierbei handelt es sich um Sand, der zum größten Teil aus Körnern des Minerals Quarz besteht.
Binder Jetting – Bei diesem Fertigungsverfahren werden Werkstücke mittels 3D-Daten schichtweise aufgebaut.
Stakeholder – Teilhaber bzw. Interessensvertreter, d. h. Personen, die an einem Prozess oder Projekt beteiligt sind bzw. berechtigtes Interesse an dessen Verlauf oder Ergebnis haben.
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