„Was ist das Geheimnis einer guten Ehe?“ fragte Alexander Dobrindt, MdB, zu Beginn seiner Rede. Mit Ehe meinte der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag das Verhältnis zwischen CSU und CDU - und die Antwort gab er gleich selbst: „Wir kommen gut miteinander aus, sind Familienmenschen und streiten selten.“
75 Jahre CSU im Bundestag
Bayerns Stimme in Berlin
CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt, MdB, zitierte in seiner Rede den ehemaligen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß. Dieser hatte die Landesgruppe als „verschworene Gemeinschaft mit eigener Farbe, eigenem Gewicht und eigener Qualität“ bezeichnet
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Verschworene Gemeinschaft
Diese Ehe „zum Wohle Bayerns, Deutschlands und Europas“ begann am 1. September 1949 und hält seit nunmehr 75 Jahren. Ein willkommener Anlass für die Hanns-Seidel-Stiftung zu einem feierlichen Festakt ins Münchner Konferenzzentrum einzuladen. Neben Dobrindt waren viele prominente Gäste dabei, darunter die ehemaligen CSU-Landesgruppenvorsitzenden Dr. Theo Waigel und Dr. Peter Ramsauer, MdB, sowie u.a. die Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär, CSU-Generalsekretär Martin Huber, MdL, Landtagsabgeordnete und stellvertretende CSU-Generalsekretärin Tanja Schorer-Dremel, MdL, und Mitglied der HSS, Dr. h.c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern sowie zahlreiche aktuelle und ehemalige Abgeordnete aus Landtag, Bundestag und Europaparlament, ehemalige Partei- und Stiftungsvorsitzende und Landräte.
In seiner Rede zitierte Alexander Dobrindt den früheren bayerischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß, der die CSU-Landesgruppe als „verschworene Gemeinschaft mit eigener Farbe, eigenem Gewicht und eigener Qualität“ bezeichnete. Diese Gruppe stehe sowohl für Eigenständigkeit als auch für eine enge Zusammenarbeit mit der CDU auf Augenhöhe. Auch innerhalb der CSU sei die Landesgruppe stets auf ihre Eigenständigkeit bedacht gewesen. Dr. Theo Waigel verstand sie gar als eine Institution, über die die CSU ihrem bundespolitischen Anspruch gerecht wird.
Der Bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Dr. Markus Söder, MdL, hielt die Festrede
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Der Bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Dr. Markus Söder, MdL, hielt die Festrede. Er freute sich über die Einladung zum „Familientreffen“ und gratulierte der CSU-Landesgruppe als „vielleicht exklusivsten Club in der CSU“, dessen Aufgabe es sei, die Interessen Bayerns in Berlin zu vertreten. Er betonte die Bedeutung dieser Gruppe als „Speerspitze Bayerns“ in der Bundespolitik, besonders in Zeiten, in denen Bayern auf Bundesebene oft nicht ausreichend berücksichtigt werde. Er lobte die „herausragende Leistung“ der Gründungsväter der CSU, die den „Mut hatten die Demokratie zu planen“ und die CSU-Landesgruppe nach dem Zweiten Weltkrieg in einer politisch und wirtschaftlich schwierigen Zeit gegründet haben. Er gestand ein, dass die Rolle des Landesgruppenvorsitzenden nicht immer ganz einfach sei. Denn dieser sei einerseits Befehlsempfänger aus Berlin, andererseits Ankläger aus München und müsse dabei stets die Interessen Bayerns im Blick haben.
Gastgeber und Vorsitzender der Hanns-Seidel-Stiftung Markus Ferber, MdEP, betonte die Rolle der CSU-Landesgruppe als „Hüterin des Föderalismus“, die sich für bayerische Interessen stark mache, dabei aber das Bundesinteresse nicht aus den Augen verliere.
Die Herausforderungen meistern
Über „Regierungshandeln und Oppositionsarbeit“ sprach Prof. Dr. Diane Robers, Leiterin der Akademie für Politik und Zeitgeschehen, mit den beiden ehemaligen Landesgruppenchefs Dr. Theo Waigel und Dr. Peter Ramsauer, MdB. Waigel, ehemaliger CSU-Vorsitzender (1988 bis 1999), führte die Landesgruppe von 1982 bis 1998 an und kannte nach eigenem Bekunden alle Vorsitzenden der CSU-Landesgruppe. In bester Erzähllaune erinnerte sich Waigel an entscheidende politische Momente wie den Kreuther Trennungsbeschluss im Jahr 1976, aber auch von den politisch anspruchsvollen Jahren vor der Deutschen Einheit und dem Euro. Auch Dr. Peter Ramsauer, MdB, erinnerte sich an die „schwierigen“ Oppositionsjahre zwischen 1998 und 2005 und bezeichnete die Zeit der Großen Koalition von 2005 bis 2009, in die die globale Finanzkrise und die umstrittenen Auslandseinsätze der Bundeswehr fielen, als „große politische Herausforderung“.
Susanne Hornberger (Mitte), Leiterin der Kommunikation der HSS, sprach mit Thorsten Frei, MdB, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion (rechts) und dem Parlamentarischen Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe Alexander Hoffmann, MdB, über die gemeinsame Arbeit in der CDU/CSU-Fraktion
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Schließlich tauschten sich der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Thorsten Frei, MdB, und der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe Alexander Hoffmann, MdB, mit der HSS-Kommunikationschefin Susanne Hornberger über die gemeinsame Arbeit in der CDU/CSU-Fraktion aus. Für Hoffmann ist das Verhältnis zwischen CDU und CSU „von Vernunft diktiert“, das umso besser funktioniere, wenn es auch menschlich harmoniere. „Es ist von Vorteil, wenn man im gleichen Schritt geht“, bekräftigte der Parlamentarier. Die gemeinsame Verantwortung für Deutschland lasse uns effektiv zusammenarbeiten, resümierte der Abgeordnete - trotz mancher Differenzen wie in der Migrationspolitik.
Auf die Frage, welche Baustellen CSU und CDU angehen werden, wenn sie nach der Bundestagswahl 2025 die Regierung stellen, sind sich die beiden Parteien - aller Meinungsverschiedenheiten zum Trotz - einig: Migration, Wirtschaft („Leistung muss sich lohnen“) und Überregulierung des Staates.
Gemeinsam schnitten Alexander Dobrindt, Dr. Markus Söder, MdL, und Gastgeber Markus Ferber, MdEP, die Jubiläums-Torte an - das erste Tortenstück erhielt der Ehrenvorsitzende Dr. Theo Waigel.
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