Tag der Archive
Das Bildarchiv von Karl J. Dersch: Mit Franz Josef Strauß durchs verbotene Albanien
v.li.: Industriemanager Karl J. Dersch und Max Josef Strauß, sprachen mit Christian Petrzik, Leiter des Archivs für Christlich-Soziale Politik, über die gemeinsamen Reisen mit Franz Josef Strauß.
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5.000 Fotografien, persönliche Erinnerungen und eine abenteuerliche Reise durch das abgeschottete Albanien des Jahres 1984: Beim „Tag der Archive“ in der Hanns-Seidel-Stiftung stand ein außergewöhnlicher Bestand des Archivs für Christlich-Soziale Politik im Mittelpunkt. Gemeinsam mit Karl J. Dersch und Max Josef Strauß wurde ein Stück Zeitgeschichte lebendig, das politische Begegnungen ebenso dokumentiert wie persönliche Momente im Umfeld von Franz Josef Strauß.
Anlass des Abends war das Bildarchiv von Karl J. Dersch, 91, das dem Archiv für Christlich-Soziale Politik später überlassen werden soll. Karl J. Dersch, u.a. ehemaliger Direktor der Daimler-Benz Niederlassung München, später Vorstandsmitglied der Deutschen Aerospace AG (DASA) sowie Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie und des europäischen Branchenverbands, begleitete den ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß über viele Jahre auch privat auf Reisen.
Im Mittelpunkt des Abends stand besonders eine Reise im Jahr 1984, an die sich Karl J. Dersch gemeinsam mit Max Josef Strauß (Bild), 67, dem ältesten Sohn des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden, erinnerte.
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Geländewagen waren seine Leidenschaft
Im Mittelpunkt des Abends stand besonders eine Reise im Jahr 1984, an die sich Karl J. Dersch gemeinsam mit Max Josef Strauß, 67, dem ältesten Sohn des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden, erinnerte. Seit 1979 unternahmen Strauß und Dersch gemeinsame Geländewagenfahrten. Dersch stellte als damaliger Chef der Münchner Mercedes-Niederlassung die passenden Fahrzeuge bereit, Strauß wiederum galt als leidenschaftlicher Anhänger von Geländewagen – und als Freund ungewöhnlicher Routen.
Wie groß seine Leidenschaft für Abkürzungen war zeigte sich bei einer Tour durch Südfrankreich, wo er unbedingt eine Abkürzung zu einem Flugplatz aus dem Ersten Weltkrieg nehmen wollte. Auf der Karte war jedoch nur eine gestrichelte Linie eingezeichnet: „Franz Josef, das ist keine Straße, das ist ein Steig!“, warnte Dersch. „Schmarrn, wir fahren da rauf!“, erwiderte sein Freund. Der Weg endete schließlich an einem Zaun und ging nur als Fußsteig weiter. Strauß regte sich über die „falsche“ Landkarte auf und trug Dersch auf, er solle sich beim Verlag beschweren. . .
Auf die Frage, welche drei Eigenschaften er an Franz Josef Strauß besonders schätzte, nannte Karl J. Dersch dessen bayerische Direktheit, seine Zuverlässigkeit und seine bedingungslose Treue.
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Albanien statt Griechenland: Eine aufregende Fahrt über den Balkan
Nach dem Tod von Marianne Strauß, der Ehefrau des ehemaligen Ministerpräsidenten, am 22. Juni 1984 waren sich Karl J. Dersch und Max Josef Strauß einig, dass eine Fahrt nach Südfrankreich in das bisherige Feriendomizil der Familie Strauß unmöglich sei. Die schmerzliche Erinnerung an seine verstorbene Frau wäre für den Vater unerträglich gewesen. Dersch machte den Vorschlag, eine andere Route zu wählen: durch Jugoslawien nach Griechenland. Da Albanien unter dem kommunistischen Diktator Enver Hoxha damals unpassierbar war, wollte man einen Umweg über den Ohridsee fahren. Strauß meinte aber, man sollte doch versuchen eine Einreiseerlaubnis zu bekommen. Dr. Wolfgang Piller, damals Amtschef der Bayerischen Staatskanzlei, erreichte die Genehmigung über den albanischen Botschafter in Wien. Einen Botschafter in Deutschland hatte Albanien 1984 noch nicht. Diese private Urlaubseise entwickelte sich jedoch am albanischen Grenzübergang zu einem Staatsbesuch: „Wir sahen aus wie Räuber“, erinnerte sich Karl J. Dersch. „In kurzen Hosen, verschwitzt, die Geländewagen sternhagelvoll Dreck, innen wie außen.“ An der Grenze warteten schwarze Limousinen, der stellvertretende albanische Außenminister und seine Begleiter. Strauß wurde zum ersten hochrangigen westlichen Politiker, der das abgeschottete Albanien besuchte. Ursprünglich war lediglich die Durchreise geplant, doch die Albaner bestanden darauf, dass Strauß und seine Gefährten „die Vorzüge des Landes“ kennenlernen sollten. Im Regierungsgästehaus wurden sie herzlich empfangen., erinnert sich Max Josef Strauß.
Der Aufenthalt in Albanien dauerte schließlich drei Tage. Den Schlusspunkt der geplanten Reise sollte am Geburtstag von Franz Josef Strauß, den 6. September, ein Aufenthalt im Haus des Filmproduzenten Luggi Waldleitner im italienischen Terracina bilden. Durch den verlängerten Aufenthalt unter Zeitdruck geraten, sah sich die Reisegruppe gezwungen, den direkten und kürzesten Weg durch Griechenland zu nehmen, um die reservierte Fähre in Igoumenitsa noch rechtzeitig zu erreichen. Zwischen dem kommunistischen Albanien und dem NATO-Land Griechenland bestanden jedoch keine diplomatischen Beziehungen. Von der letzten albanischen Stadt bis zur Grenze seien es, so hieß es von albanischer Seite, nur etwa 20 Kilometer. Allerdings sei der Weg von albanischen Pionieren vermint worden; man werde die Minen räumen und die Grenze öffnen. „Karl, ich fahr lieber im zweiten Wagen mit, man kann ja nie wissen, sicher ist sicher. Wennst in die Luft gesprengt wirst, kriegst a Staatsbegräbnis“, sagte Strauß vor der heiklen Passage zu seinem Freund. Die Grenze erreichten die beiden schließlich ohne Zwischenfälle. An einem eisernen Grenztor hing eine Kette und ein Vorhängeschloss. Weil es keinen Schlüssel mehr gab, schnitten die albanischen Grenzbeamten die Kette mit einem Bolzenschneider auf. Hinter der Grenze warteten bereits Griechen mit einem orthodoxen Priester, die Strauß und seine Mitreisenden segnete, als wären sie direkt aus der Hölle gekommen.
Die Verbundenheit der beiden Freunde
Auf die Frage, welche drei Eigenschaften er an Franz Josef Strauß besonders schätzte, nannte Karl J. Dersch dessen bayerische Direktheit, seine Zuverlässigkeit und seine bedingungslose Treue. In seinen Erinnerungen und Schilderungen wird die enge Verbundenheit, ja Freundschaft, zwischen Dersch und Franz Josef Strauß deutlich. Von niemandem, sagt Dersch, habe er mehr gelernt als von Strauß. Vor allem ein Satz, den Strauß immer wieder geprägt habe, sei ihm zum Leitmotiv geworden: „Die kürzeste Verbindung zwischen A und B ist die Gerade. Du gewinnst nicht jeden Popularitätswettbewerb, aber unterm Strich rechnet es sich.“
Der Industriemanager Karl J. Dersch (links) begleitete den früheren bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß oft auf seinen Reisen, wie hier in Albanien. Im Rahmen des Tags der Archive der Hanns-Seidel-Stiftung gewährt Karl J. Dersch Einblick in sein Bildarchiv.
© ACSP, NL Strauß Slg Kray Fotoalben 17-6
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