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KI-Start-up „Clera“
„Das HSS-Stipendium war für mich eine Horizonterweiterung“

Autorin/Autor: Anne Wildermann, M.A.

Sebastian Scott und Alexander Farr haben es geschafft: Die zwei ehemaligen HSS-Stipendiaten haben das KI-Start-up „Clera“ gegründet und leben mittlerweile ihren beruflichen Traum von der Selbständigkeit im Silicon Valley in den USA. Ohne die finanzielle Unterstützung, das Netzwerk und auch die inhaltliche Förderung der Stiftung hätten die zwei jungen Männer nicht zum Studieren nach New York und Cambridge gehen können. Im November 2025 dann der Paukenschlag: Insgesamt drei Millionen US-Dollar sammelten sie an Investorengelder ein. Ein Porträt über eine richtige Erfolgsstory.

Das Clera-Gründer-Team mit ambitionierten Zielen (von links nach rechts): Alexander Farr, Sebastian Scott und Daniel Wintermeyer

© Clera Labs inc.

„Wir wollen auf dem Arbeitsmarkt diesen Uber-Moment erreichen“, sagt Sebastian Scott selbstbewusst – ohne einen Anflug von Arroganz. Was der 29-jährige Gründer des KI-Start-ups „Clera“ damit meint: Je geringer die Hürden beim Jobwechsel sind, desto eher ist man auch bereit, neue berufliche Wege einzuschlagen, neue Karriereziele zu erreichen. „Wer Angst hat, beruflich die nächsten Schritte zu machen, der wird nicht so schnell seinen Job oder den Arbeitgeber wechseln“, da ist sich Scott sicher. Und „Clera“ soll dabei helfen. Es ist eine Art individueller Headhunter nur in technischer Form, der potenzielle Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammenbringt. Aber auch gezielt auf die Suche nach neuen, frischen Talenten geht, die Unternehmen brauchen und sich wünschen.

 

Ohne das HSS-Stipendium hätte Sebastian Scott nicht an der renommierten Columbia Universität in New York sein Auslandssemester machen können.

© Clera Labs inc.

Auslandssemester in New York

Geboren in Singapur, aufgewachsen in Gräfelfing im Landkreis München, hat Scott BWL im Bachelor an der LMU in München studiert und seinen Master an der TU München gemacht und absolvierte ein Auslandssemester an der amerikanischen Columbia Universität in New York. Letzteres war auch nur möglich, weil er ein Stipendium der Hanns-Seidel-Stiftung hatte. „Des Weiteren hat mir die Förderung auch die Möglichkeit gegeben, Zugang zu einer konzentrierten Gruppe von Menschen zu bekommen, die mich dazu gebracht hat, noch ambitionierter zu denken.“

Die Vision: „Jeder, der den Job wechseln will oder neue Mitarbeiter sucht, soll sofort an uns, an Clera denken“

Selbes gilt für Scotts Mitgründer Alexander Farr. Der 27-jährige, gebürtige Berliner (Stadtteil Zehlendorf) konnte aufgrund der Förderung ins englische Cambridge gehen. 

Auch Alexander Farr ist ehemaliger HSS-Stipendiat. Er sagt: „Ohne das HSS-Stipendium hätte ich keine spannende, ideologische Ausbildung gehabt und auch meinen smarten Mitgründer Sebastian nie kennengelernt.“

© Clera Labs inc.

„Ohne das HSS-Stipendium hätte ich keine spannende, ideologische Ausbildung gehabt und auch meinen smarten Mitgründer Sebastian nie kennengelernt“, sagt Farr und lächelt etwas müde in die Video-Kamera, denn in San Francisco ist es mittlerweile nach Mitternacht. Die zwei leben mit ihrem dritten Mitgründer, der ebenfalls 27-jährige Daniel Wintermeyer aus dem Hessischen Eppstein, studierter Betriebswirt, seit April 2026 in Kalifornien. Besser gesagt im Silicon Valley, mit einem Gründervisum für fünf Jahre, und wollen dort „Clera“ aufbauen. Ihre Vision: „Jeder, der den Job wechseln will oder neue Mitarbeiter sucht, soll sofort an uns, an Clera denken“, sagt Scott. Und die Chancen, der Player bei der Berufsvermittlung schlechthin zu werden, stehen gar nicht so schlecht. Denn bereits im November 2025 haben die drei Jungs, die mittlerweile ein zehnköpfiges Team beschäftigen, drei Millionen US-Dollar an Investorengelder eingesammelt (Fundraising). Darunter sind Risikokapitalgeber (Venture Captials) aus München und Berlin wie Philipp Klöckner, Patrick Andrae (Gründer von Home to Go), Jakob Bodenmüller (Gründer von Wemolo) und Jens Nörtershäuser (Gründer von Kranus Health). Auf amerikanischer Seite sind es unter anderem OpenAI (das Produkt ChatGPT stammt von diesem Unternehmen) und ehemalige Führungsmitglieder von der Online-Businessplattform LinkedIn, Sequoia und sogar vom Tech-Riesen Apple. Mittlerweile hilft „Clera“ mehr als 600 Unternehmen dabei, geeignetes Personal oder umgekehrt zu finden. In Deutschland sind das Firmen wie Langdock, Zauber und Superchat, in den USA Casca und Dub sowie Forschungslabore (Research Labs).
Vor dem Umzug in die Staaten haben Scott und Farr drei Jahre in Berlin gelebt, wo sie auch Wintermeyer kennen gelernt haben, der im April 2025 zu „Clera“ dazugestoßen ist.

 

Der dritte im Bunde: Daniel Wintermeyer hat BWL studiert und kennt Alexander und Sebastian seit deren gemeinsamer Zeit in Berlin. Der Eppsteiner (Hessen) gehört seit April 2025 zu „Clera“.

© Clera Labs inc.

KI-Agent selbst gebaut

Für Scott war die Stipendien-Förderung „eine Horizonterweiterung“, wie er im Video-Call sagt. „Ich bin mit intelligenten Leuten zusammengekommen, konnte mich austauschen und andere Gründer kennenlernen. Es war definitiv wegweisend für mich“, betont er. Belegen zu können, dass man an der New Yorker Columbia Universität studiert habe, was einem Gütesiegel gleichkomme, sei unfassbar wertvoll.

„Clera“ ist nur auf Jobs in der Tech-Start-up-Branche spezialisiert

Aber wie genau funktioniert „Clera“? Ganz einfach: Es ist ein KI-Agent, der von den Gründern zwar selbst gebaut wurde, aber auf sogenannten Large-Language-Modellen (LLMs) basiert, die von Google, OpenAI oder Anthropic stammen. LLMs sind KI-Systeme, die die menschliche Sprache verarbeiten, verstehen und sogar selbst erzeugen können. Trainiert werden sie mit gigantischen Textmengen und Deep-Learning-Techniken. 

Und in diese bestehenden KI-Systeme von Google und Co. wird „Clera“ integriert. Der KI-Headhunter soll für potenzielle Bewerber dann die passende Tätigkeit, aber auch den ebenso passenden Arbeitgeber finden. Es werden in den drei Bewerbungsschritten, die der KI-Agent begleitet, über Gehaltsvorstellungen, inhaltliche Tätigkeiten, Verantwortungsgebiete und vieles Weitere rund um den Posten gesprochen. 

Wichtig: „Clera“ ist nur auf Jobs in der Tech-Start-up-Branche spezialisiert wie für Informatiker, Mathematiker, Vertriebler oder Produktmanager. Der Grund: Die Nachfrage in diesem Arbeitsbereich sei laut Scott und Farr „sehr groß“ – vor allem in den USA. Kein Wunder, denn wenn die Nachfrage nach spezialisiertem Personal hoch ist und es schwer ist, wirklich gute und passende Leute zu finden, können künftige Mitarbeiter ordentlich an der Gehaltsschraube nach oben drehen.
Ein Beispiel zeigt, wie gut Mitarbeiter in den USA im Tech-Start-up-Bereich verdienen und wie „Clera“ sich finanziert: Zwischen 150.000 US-Dollar Brutto-Jahresgehalt (knapp 130.000 Euro) und 200.000 US-Dollar Brutto-Jahresgehalt (knapp 175.000 Euro) zahlen Tech-Start-ups ihren Mitarbeitern. 20 bis 30 Prozent von diesem Jahresgehaltsbereich erhält ein menschlicher Headhunter oder eine Headhunter-Agentur bei erfolgreicher Vermittlung des potenziellen Arbeitnehmers an den neuen Arbeitgeber. „Wir nehmen nur 15 Prozent“, sagt Scott. Und ergänzt: „Wir wollen künftig sogar noch preiswerter werden, weil die Technologie deutlich günstiger ist als ein menschlicher Recruiter, der nur begrenzte Ressourcen hat.“ Eine davon ist: Zeit. „Clera“ ist 24 Stunden, sieben Tage die Woche für Bewerber und Unternehmen erreichbar. 

„Der Markt ist sehr groß, es ist Platz für alle da“

Angst vor der amerikanischen Konkurrenz haben die Gründer nicht. Im Gegenteil. Sie sind der Auffassung, dass die großen Recruiting-Agenturen sich technisch weiterentwickeln werden – und andere eben nicht. „Der Markt ist sehr groß, es ist Platz für alle da“, sagt Farr entspannt. 

Diesen „Think-big-Gedanken“, der in den USA normal ist und in Deutschland immer noch als befremdlich und despektierlich als „Größenwahn“ bezeichnet wird, haben auch Farr, Scott und Wintermeyer. Sie wollen bald auch zu dieser Gruppe von „700-Milliarden-US-Dollar-Unternehmen“ gehören. „Aber da haben wir noch viel vor“, sagt Farr in einem abgeklärt-zielstrebigen Ton.

Ganz neu ist die „Spielwiese“ Start-up für die drei nicht. Farr hat zwei Jahre auf Investorenseite und dann als Chief of Staff (Leiter der Geschäftsstelle) für Superchat gearbeitet, sich um die Finanzen und um das interne Recruiting gekümmert, Scott hat bis vor zwei Jahren noch die Nachhilfeplattformen „Naklar.io“, „Goodgrade“ und das KI-Start-up „Blona“ für insgesamt acht Jahre betrieben und Wintermeyer war ebenfalls Gründer. Von ihm stammt „Colossio“. Eine Lösung, mit der man professionelle Turniere digitaler Spiele aller Art erstellen und managen kann. Er und Scott haben sich dann in Berlin näher und besser kennenlernt. 

Während andere Gründer-Teams witzige, ungewöhnliche oder anekdotenreiche Geschichten zur Namensgebung des eigenen Unternehmens erzählen können, war für die drei Deutschen wichtig, dass es ein kurzer und im englischen Sprachraum funktionierender Name ist. „Aber auf alle Fälle wollten wir, dass er positiv besetzt ist, der Vertrauen ausstrahlt“, erinnert sich Scott. 

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Redakteurin: Anne Wildermann, M.A.
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