Im Fokus: Grönland
Strategischer Schlüssel für Europa
Grönland verfügt über erhebliche Vorkommen an Seltenen Erden, die für Hochtechnologieprodukte essenziell sind - einer der Gründe, weshalb der amerikanische Präsident die Insel annektieren möchte.
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Grönland nimmt trotz seines Austritts aus der EG im Jahr 1985 eine zentrale Rolle für den Einfluss der Europäischen Union in der Arktis ein. Während die EU als Ganzes geografisch eher am Rande der Arktis liegt, sichert die völkerrechtliche Souveränität Dänemarks über Grönland Europa den Status eines arktischen Anrainers.
Die wichtigsten Aspekte im Überblick
• Selbstregierung und Unabhängigkeit: Seit 2009 verfügt Grönland über ein umfassendes Selbstregierungsstatut. Es erkennt die Grönländer als eigenes Volk an und räumt ihnen das Recht ein, eigenständig über eine staatliche Trennung von Dänemark zu entscheiden. Kompetenzen wie Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik liegen jedoch vorerst weiterhin in Dänemark.
• Finanzielle Hürden: Die Unabhängigkeit ist eng an die wirtschaftliche Eigenständigkeit gekoppelt. Aktuell machen dänische Finanztransfers (Globalzuschuss) etwa 40 % des grönländischen Haushaltes aus. Um diese zu ersetzen, muss Grönland neue Ressourcen erschließen.
• Wirtschaftliche Basis: Bisher bildet die Fischerei mit 95 % der Exporterlöse das Rückgrat der Wirtschaft. Zukünftiges Potenzial wird vor allem im Tourismus, in der Wasserkraft und im Rohstoffsektor gesehen.
Im Fokus: Geopolitik und Ressourcen
Besonders relevant für die heutige politische Situation sind die strategischen Faktoren, die Grönland zum „einzigen strategischen Aktivposten Europas im arktischen Norden“ machen:
• Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen: Grönland verfügt über erhebliche Vorkommen an Lanthaniden (Seltene Erden), die für Hochtechnologieprodukte essenziell sind. Ein Abbau in Grönland könnte das aktuelle Monopol Chinas nachhaltig infrage stellen und die Versorgung der EU diversifizieren.
• Geopolitische Marginalisierung der EU: In der Arktis-Politik wurde die EU zunehmend an den Rand gedrängt. In der einflussreichen Gruppe der arktischen Küstenstaaten (A5) ist die EU nur indirekt über Dänemark vertreten, während andere EU-Mitglieder wie Schweden und Finnland ausgeschlossen wurden.
• Neue Handelsrouten: Durch den Klimawandel und die Eisschmelze gewinnen die Nordwest-Passage und potenzielle Routen über den Nordpol an Bedeutung. Grönland gilt hier als „Europas Tor in die Arktis“ und könnte zum zentralen Standort für Verkehrsinfrastruktur und Meeresüberwachung werden.
• Sicherheitspolitik: Schon während des Kalten Krieges war Grönland (Stützpunkt Thule) eine zentrale Schaltstelle der NATO-Verteidigung. Diese Bedeutung für die strategische Luftraumüberwachung bleibt auch nach Ende des Kalten Krieges unverzichtbar für die USA und die NATO.
Fazit: Die EU muss Grönland als privilegierten Partner begreifen, um ihre eigenen Interessen hinsichtlich Rohstoffsicherheit, neue Handelswege und Gestaltung der regionalen Zusammenarbeit in der Arktis zu sichern.