Archivale des Monats Oktober 2024
Die CDU/CSU-Opposition wollte Helmut Schmidts sozialliberale Regierung Im Bundestag möglichst bald ablösen. Deshalb erhob der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Vorsitzende der CDU, Helmut Kohl, Anspruch auf die Kanzlerkandidatur der Union.
Der Parteivorsitzende der CSU, Franz Josef Strauß, der Karl Carstens als Kanzlerkandidaten favorisierte, äußerte sehr zum Missvergnügen der Schwesterpartei erhebliche Zweifel an der Eignung Kohls zum Kanzler, verweigerte ihm deshalb die Anerkennung und brachte sich darüber hinaus selbst als Kanzlerkandidat ins Gespräch.
Zum Anspruch des CSU-Vorsitzenden auf die Kanzlerkandidatur 1976 (Karikatur von Herbert Kolfhaus 5.10.1974)
Herbert Kolfhaus; ACSP; HSS, ACSP, NL Kolfhaus Herbert 1974 : 10/8/1
1975 veröffentlichte der Spiegel eine Rede, aus der hervorging, dass Strauß auf einer Klausurtagung der CSU-Landesgruppe in Sonthofen am 19.November 1974 die Meinung vertrat, die Opposition solle für die damaligen wirtschaftlichen Probleme keine Vorschläge einbringen, dadurch würden die politischen Fehlleistungen der SPD-Regierung mit Schockwirkung hervortreten und die Union könne im Wahljahr als Retter auftreten. Das sorgte für eine Polarisierung der Öffentlichkeit und brachte die CDU/CSU-Fraktion dazu, Helmut Kohl als Kanzlerkandidaten der Union aufzustellen.
1976 erzielte die CDU/CSU mit Kohl als Spitzenkandidat das bis dahin zweitbeste Ergebnis bei Bundestagswahlen, konnte aber die sozialliberale Regierung Schmidt nicht ablösen. Kohl gab sein Amt als Ministerpräsident auf und übernahm als Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion die Rolle des Oppositionsführers im Deutschen Bundestag.
1979 wurde schließlich Strauß der Kanzlerkandidat der Union, nachdem er sich in einer Abstimmung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion gegen den niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht durchgesetzt hatte. Bis zur Bundestagswahl am 5. Oktober 1980 folgte ein harter, polarisierender Wahlkampf. Die Union blieb stärkste Kraft, erzielte mit 44,5 Prozent der abgegebenen Stimmen allerdings ihr bis dahin schlechtestes Wahlergebnis. Obwohl CSU und CDU weiterhin die stärkste Fraktion im Bundestag bildeten, konnte Strauß die Kanzlerschaft Helmut Schmidts nicht beenden.
Erst zwei Jahre später kam es zum lange angestrebten Regierungswechsel. Nach dem Bruch der sozialliberalen Koalition wurde Helmut Kohl am 1. Oktober 1982 durch ein konstruktives Misstrauensvotum gegen Helmut Schmidt von CDU/CSU und FDP zum Bundeskanzler gewählt.
Der Zeichner
Herbert Kolfhaus (1916 – 1987) hat von 1948 bis zu seinem Tod politische Karikaturen gezeichnet in denen er das komplexe Weltgeschehen in leicht verständlichen Bildern kritisch, aber niveauvoll, mit Humor und Achtung der Personen darstellte. Seine konservative Einstellung und die Nähe zu Franz Josef Strauß machten ihn zum Hauskarikaturisten des Bayernkuriers.
Mehr Informationen über Herbert Kolfhaus und seine Karikaturensammlung im Bestand des ACSP.
Beitrag von Sebastian Lemke, Mitarbeiter im Archiv für Christlich-Soziale Politik