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Internationaler Tag der Demokratie
Demokratie bleibt eine gemeinsame Aufgabe

Autorin/Autor: Juliane Gröger

Demokratie lebt von der gemeinsamen Anerkennung ihrer grundlegenden Werte, Bürgerinnen und Bürger die Verantwortung übernehmen und die Gesellschaft aktiv mitgestalten. Der Internationale Tag der Demokratie am 15. September erinnert daran, dass diese Voraussetzungen nicht selbstverständlich sind, sondern immer wieder gestärkt werden müssen. Die Hanns-Seidel Stiftung setzt deshalb auf politische Bildung, die Orientierung bietet, politische Zusammenhänge verständlich vermittelt, die eigenständige Urteilsbildung fördert und zur Mitgestaltung ermutigt.

Menschen diskutieren an einem Tisch miteinander.

Politische Bildung stärkt demokratischen Austausch.

© Adobe Stock / NN AI

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat am 8. November 2007 mit der Resolution 62/7 den 15. September zum Internationalen Tag der Demokratie erklärt. Der Tag lädt dazu ein, den Zustand der Demokratie zu prüfen und ihre Weiterentwicklung zu fördern. Er richtet sich dabei nicht allein an Regierungen, sondern auch an engagierte Bürgerinnen und Bürger, die Verantwortung übernehmen. 

Demokratie ist kein einheitliches Modell, dass sich unabhängig von historischen Erfahrungen überall identisch verwirklichen lässt. Demokratische Ordnungen beruhen jedoch auf Maßstäben: freie politische Willensbildung, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und wirksame Beteiligung.

Die UN-Botschaft zum diesjährigen Internationalen Tag der Demokratie 2026 unterstreicht die Bedeutung von Dialog und gesellschaftlicher Mitwirkung. Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven sollen Gehör finden und ihre Erfahrungen einbringen können. Hier setzt politische Bildung an: Sie verbindet demokratisches Grundlagenwissen mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen, schafft Orientierung und stärkt die Fähigkeit, eigene Positionen zu entwickeln und im Austausch mit anderen zu überprüfen. Politische Bildung ermutigt, Verantwortung zu übernehmen und das Gemeinwesen mitzugestalten. Ihr Auftrag reicht dabei über die Vermittlung staatlicher Strukturen hinaus. Demokratie ist dabei nicht nur als eine Staatsform zu sehen, sondern auch politische Kultur, die auf Beteiligung, gemeinsamen Werten und Verantwortung für das Gemeinwesen beruht.

Demokratie lebt von Regeln und vom Widerspruch

Das Grundgesetz verbindet Volkssouveränität mit Menschenwürde, Grundrechten und rechtsstaatlicher Machtbegrenzung. Freie Wahlen, Gewaltenteilung, unabhängige Gerichte und politische Opposition gehören zusammen. Eine Mehrheit darf deshalb nicht beliebig über die Rechte anderer verfügen. Demokratie legitimiert staatliche Macht und begrenzt sie zugleich. 

Politische Mündigkeit muss dabei immer wieder neu entstehen. Politische Bildung hilft, Tatsachenbehauptungen und Werturteile zu unterscheiden, , Interessen zu erkennen, Argumente abzuwägen und Handlungsmöglichkeiten zu erschließen. Diese ist dabei dauerhafte gesellschaftliche Aufgabe und wichtiger Bestandteil lebensbegleitenden Lernens. Demokratie lebt davon, dass sich gesellschaftliche Debatten, politische Rahmenbedingungen und Formen öffentlicher Kommunikation kontinuierlich verändern. Deswegen vermittelt politische Bildung nicht nur Wissen über Institutionen, Entscheidungsprozesse und politische Grundlagen, sondern stärkt auch die Kritikfähigkeit, Medienkompetenz, Dialogbereitschaft sowie die Fähigkeit zum Perspektivwechsel. Zugleich schafft sie Orientierung in einer zunehmend komplexen Welt und unterstützt die Menschen dabei, Desinformation, Vereinfachungen, populistische Deutungsmuster und alle Formen von Extremismus kritisch zu hinterfragen. Damit leistet politische Bildung einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Teilhabe und Festigung eines gemeinsamen demokratischen Werteverständnisses und damit zur Stärkung der Demokratie.

Eine Grundlage dabei bildet der Beutelsbacher Konsens. Er geht auf eine Tagung von 1976 zurück und wurde 1977 dokumentiert. Dabei ist wichtig: Der Beutelsbacher Konsens verpflichtet politische Bildung nicht zu Neutralität. Vielmehr setzt er Grenzen dort, wo Bildungsarbeit zur einseitigen Beeinflussung oder Indoktrination wird. Politische Bildung darf Positionen benennen, Werte vermitteln und gesellschaftliche Entwicklungen kritisch einordnen. Sie muss den Teilnehmerinnen und Teilnehmern jedoch ermöglichen, unterschiedliche Argumente nachzuvollziehen und zu einem eigenständigen Urteil zu gelangen. 

Im Kern beruht der Beutelsbacher Konsens dabei auf drei Grundsätzen: - 

  • Überwältigungsverbot: Teilnehmer dürfen nicht im Sinne einer bestimmten politischen Auffassung „überwältigt“ oder zu einer vorgegebenen Meinung gedrängt werden. Ziel politischer Bildung ist es vielmehr, die Fähigkeit zu fördern, Informationen und Argumente selbstständig zu prüfen, abzuwägen und zu einer eigenen Position zu gelangen.
  • Kontroversitätsgebot: Was in Politik, Wissenschaft und Gesellschaft kontrovers diskutiert wird, muss auch in der politischen Bildung als kontrovers erkennbar sein.  Unterschiedliche Positionen und Interessen sollen dargestellt und zur Diskussion gestellt werden. Kontroversität bedeutet dabei nicht, jeder beliebigen Position den gleichen Stellenwert einzuräumen, sondern relevanten gesellschaftliche und fachliche Auseinandersetzungen angemessen abzubilden.
  • Teilnehmerorientierung: Politische Bildung knüpft an der Lebenswirklichkeit der Menschen an. Sie soll dazu befähigen politische Situationen zu analysieren und Möglichkeiten gesellschaftlicher und politischer Mitgestaltung wahrzunehmen. Politisches Vorwissen ist dabei kein Ausschlusskriterium. Verständliche Sprache, eine offene Gesprächskultur und die Anerkennung unterschiedlicher Erfahrungen und Perspektiven gehören deshalb zu den grundlegenden Voraussetzungen. 

Der Beutelsbacher Konsens verlangt somit keine wertneutrale politische Bildung. Vielmehr wird ein Rahmen geschaffen, innerhalb dessen politische Fragen offen, kontrovers und urteilsorientiert behandelt werden können. Politische Bildung darf Haltung zeigen, muss aber zugleich die Freiheit des eigenen Urteils respektieren und fördern.

Beteiligung stärkt demokratische Widerstandsfähigkeit

Die Idee der wehrhaften Demokratie gehört zu den Lehren aus dem Scheitern der Weimarer Republik. Die freiheitliche Ordnung soll sich gegen Bestrebungen schützen können, die ihre Freiheiten nutzen, um sie selbst zu beseitigen. Solche Schutzmaßnahmen müssen rechtsstaatlich bleiben. Unbequeme Kritik und politische Opposition sind nicht mit Verfassungsfeindlichkeit gleichzusetzen. Demokratieschutz darf nicht jene Freiheit aushöhlen, die er bewahren soll. 

Gesellschaftliche Widerstandsfähigkeit reicht über eine staatliche Abwehr hinaus. Sie zeigt sich auch darin, ob Menschen Desinformation und Manipulation erkennen, mit Unsicherheiten umgehen und Konflikte friedlich austragen können. Gerade bei allen Formen von Extremismus, Radikalisierung, gezielter Einflussahme von außen oder bewussten Falschinformationen ist deshalb auch die Gesellschaft gefragt. Politische Bildung kann Orientierung geben, ohne staatliche Schutzaufgaben zu ersetzen. 

Demokratische Beteiligung findet nicht nur bei Wahlen statt.  Sie zeigt sich auch in Vereinen, Initiativen, Parteien und kommunalen Vertretungen statt. Dort können Menschen lernen, ihre Anliegen einzubringen sowie unterschiedliche Interessen auszuhandeln. Beteiligung ist jedoch nicht automatisch demokratisch. Entscheidend bleiben gleiche Rechte, Gewaltfreiheit und demokratische Verfahren. Denn politische Mobilisierung kann sich auch gegen diese Grundlagen richten.

Besonders konkret wird Demokratie vor Ort. Bei Entscheidungen über öffentliche Einrichtungen, Bauvorhaben, Infrastrukturmaßnahmen oder dem Einsatz begrenzter finanzieller Mittel. Demokratie wird hier erfahrbar, da sie den Alltag der Menschen unmittelbar betrifft.. Bildungsarbeit kann an solchen Beispielen anknüpfen. Aus einem Anliegen wird ein politischer Entscheidungsprozess und es wird deutlich, dass politische Entscheidungen häufig unterschiedliche Interessen berücksichtigen und Prioritäten setzen müssen. So wird Demokratie nicht nur theoretisch erklärt, sondern als etwas sichtbar, das vor Ort gestaltet und mitgetragen werden kann. 

Offene Debatten brauchen Freiheit und Fakten

Demokratische Öffentlichkeit lebt vom Widerspruch. Unterschiedliche Wertvorstellungen lassen sich nicht durch einen Faktencheck auflösen. Überprüfbare Tatsachenbehauptungen werden dadurch jedoch nicht beliebig. Die OECD betont, dass Maßnahmen gegen Desinformation eine vielfältige Informationslandschaft stärken und zugleich die freie Meinungsäußerung schützen müssen. Die Antwort auf Manipulation darf nicht in der pauschalen Kontrolle unerwünschter Ansichten bestehen. 

Irrtum, bewusste Täuschung und Verschwörungsglaube sind sorgfältig zu unterscheiden. Problematisch werden Erzählungen insbesondere dann, wenn sie Gegenbelege grundsätzlich abwehren oder gesellschaftliche Gruppen zu vermeintlich verborgenen Schuldigen erklären. Begründete Machtkritik ist davon abzugrenzen. Wer Sorgen und Kritik ernst nimmt, bestätigt deshalb nicht unbelegte Behauptungen oder übernimmt diese.

Politische Bildung soll auch hier Menschen dazu befähigen, Quellen zu prüfen und eigene Urteile zu revidieren. Dazu gehört auch, Widerspruch auszuhalten, ohne das Gegenüber herabzusetzen. Demokratische Selbstkorrektur braucht unabhängigen Journalismus, eine offene Wissenschaft und eine Öffentlichkeit, die zwischen sachlichen Argumenten und persönlichen Angriffen unterscheidet. 

Politische Bildung stärkt demokratische Beteiligung 

Der Internationale Tag der Demokratie erinnert an diese Verantwortung. Er lädt dazu ein, den Blick auf die Voraussetzungen einer lebendigen Demokratie zu richten. Dazu gehören verlässliche Institutionen ebenso wie eine offene politische Auseinandersetzung sowie die Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger sich zu informieren und einzubringen.  Für die Hanns-Seidel Stiftung bedeutet das politische Zusammenhänge verständlich zu vermitteln, Urteilsbildung zu fördern und Räume für offenen Austausch zu schaffen. Zugleich möchte sie Menschen dazu ermutigen, Verantwortung zu übernehmen und ihre Möglichkeiten zur demokratischen Mitgestaltung aktiv zu nutzen.

Kontakt

Leiterin: Juliane Gröger
Politische Grundlagen, Demokratie, Extremismus
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