Den richtigen Ton treffen
Erkennen des eigenen Grundtons
Isabel Küfer
Vor Publikum stehen und die Stimme versagt. Die Hände bewegen sich unkoordiniert, das Gewicht schwankt merklich von einem Fuß zum anderen. Die Gesichter des Publikums sehen fragend zur Bühne und der lästige Sprachfehler oder eine unpassende Dialektik lassen die Nervosität in unermesslich steigen. Da bleibt schon Mal die Luft weg.
Das Sprechen vor Publikum ist für viele Studenten eine große Herausforderung. Sprechtrainer Uwe Schürmann und Winfried Bürzle, Chef vom Dienst bei Bayern 1, haben den Stipendiaten viele nützliche Kniffe mit auf den Weg gegeben. Um die Studenten und ihre Sprechweise einschätzen zu können, bat Uwe Schürmann zum dreiminütigen Kurzvortrag zu Beginn. Anschließend erfolgte eine Analyse, die aufzeigen sollte, an welchen Makeln die Studenten an den nächsten beiden Tagen arbeiten sollten.
Stipendiatin vor die Kamera
Isabel Küfer
Die Grundlage für einen gelungenen Vortrag ist die Tonlage. Wichtig für das Sprechen in einer angenehmen, tiefen Lage, ist das Erkennen des eigenen Grundtons. Vorher sollte jedoch die richtige Atmung erlernt werden. „Die meisten atmen heute in den Brustkorb. Um den Grundton zu treffen, sollte aber in den Bauch geatmet werden“, erklärt Uwe Schürmann. Einfach die Handfläche auf den Bauch legen und atmen. Wenn sich die Hand hebt und senkt, stimmt die Atmung. Anschließend folgen ein paar Übungen, die dabei helfen sollen ökonomisch mit dem Atem umzugehen, damit nicht mitten im Satz die Luft ausgeht. Jetzt zurück zum Grundton. „Stellen Sie sich vor, dass sie am Sonntagnachmittag in ihrem Ohrensessel sitzen, und ganz genüsslich seufzen“, sagt Winfried Bürzle, der selbst eine Schauspielausbildung gemacht hat und seit vielen Jahren für TV, Hörfunk und als Rhetoriktrainer arbeitet. Für die meisten ist der Ton ungewohnt tief. Anschließend wird der Ton geübt in dem zusammen Na, Ne, Ni, No, Nu, Nä, Nö, Nü, Neu, Nei, Nau intoniert wird.
Im weiteren Verlauf des Trainings wurden die Stipendiaten vor die Kamera gebeten. Einmal wird ein Vortrag zu einem beliebigen Thema aufgenommen, ein anderes Mal die Ankündigung eines Stars auf einem Event. Anschließend wurde das Video analysiert. „Wichtig ist, dass sie einfach und bildhaft Sprechen. Jeder Satz soll nur eine Botschaft enthalten. Glauben Sie mir, noch kein Zuhörer hat sich darüber beschwert, wenn ein Vortrag in einfachen Worten gehalten wurde“, erklärt Bürzle. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Körpersprache. Grundlage ist ein fester Stand. Die Füße stehen eine Fußbreite voneinander entfernt und zeigen leicht nach außen. Die Arme im 90-Grad-Winkel halten und die Hände ineinander legen. Schon ist eine präsente und souveräne Ausgangsstellung geschaffen. Die Gestik sollte langsam geschehen. Außerdem sollten die Gesten eindeutig sein und dem Text nicht wiedersprechen.
Phonetische Übungen mit Uwe Schürmann
Isabel Küfer
Im anderen Raum feilte Uwe Schürmann derweil an der Phonetik der Stipendiaten. Die Probleme waren vielseitig. Entweder setzt beim Reden Schnappatmung ein, beim S wird die stimmlose mit der stimmhaften Variante verwechselt, die Tonhöhe ist zu hoch oder schwankt, oder eine Dialektik nimmt überhand. Für all diese Fehler weiß Schürmann Rat. Geübt wird mit Texten oder freier Rede.
Die Grundlagen für einen souveränen Auftritt wurden gelegt. Doch wie bei allem im Leben, macht auch hier Übung den Meister. Deshalb gaben die Trainer auch Tipps, mit denen die Teilnehmer zu Hause weiter an ihrer Sprache feilen können. Die Stipendiaten verließen Kloster Banz gestärkt und mit Vorfreude auf die nächsten Vorträge.
Pascal Weißenberg
Isabel Küfer, M.A.
Leiterin