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Europas Mobilität der Zukunft
„Der internationale Systemwettbewerb gelingt durch mehr Datenkompetenz!“

Autorin/Autor: Prof. Dr. Diane Robers

Die Ansprüche an Klimaneutralität sind hoch, wesentliche Stakeholder sind willig – warum ist es so schwierig, innovative, kundenorientierte und schließlich auch profitable Mobilitätskonzepte für den europäischen Binnenmarkt zu entwickeln?

Alle Beteiligten am zweiten Expertenworkshop zu Europas Mobilität der Zukunft Ende Mai in Brüssel sind sich einig: Das rahmensetzende System ist hochkomplex und die Idee in Europa aus vorhandenen Kompetenzen der multimodalen Verkehrsträger neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, möglicherweise zu ambitioniert. Denn Mobility as a Service (also die Mobilitätsleistung als Dienstleistung für den Kunden) basiert darauf, dass entsprechende Infrastruktur- und Transportdienstleistungen ineinander greifen. Dazu wären vielfältigste Abstimmungen im föderalen, nationalen und europäischen Kontext nötig – etwa um einen Europäischen Mobilitätsdatenraum zu schaffen oder die einzelnen (föderalen) Mobilitätsgesetze miteinander in Einklang zu bringen.

Markus Ferber, MdEP, Vorsitzender der Hanns-Seidel-Stiftung

Markus Ferber, MdEP, Vorsitzender der Hanns-Seidel-Stiftung

©HSS

Silogrenzen überwinden

Auch gelingt es derzeit nicht, Silogrenzen zwischen ÖP(N)V, Automobil-, Fluganbietern u.a. grenzüberschreitend zu überwinden, und wenn, dann bisher nur im kleineren Maßstab auf kommunaler Ebene. Das Hauptthema bei „MaaS“ sind Daten, Datenverfügbarkeit, Datenschutz, Echtzeitdaten. Derzeit besteht kein Anreiz Daten zu teilen, noch gibt es ein multimodales „Ticketing“ und damit sind lokale Modelle nicht marktorientiert skalierbar.

Wie es aber dennoch gelingen kann, in Europa plattformbasierte Kooperationen mit industriebasierten Daten zu entwickeln, zeigt das Beispiel Catena-X: Damit Partner Daten teilen, ist ein Mehrwert für sie nötig. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn es gemeinsame Geschäftsprozesse (wie Lieferketten) gibt, die bespielt werden. Der Mehrwert durch Datenaustausch hat Auswirkungen auf die gesamte (internationale) Wertschöpfungskette (bspw. Zulieferer, Hersteller) aber auch auf das jeweils beteiligte Haus, weil durch Lerneffekte entsprechende eigene Prozess-Effizienzen gehoben werden können.

Prof. Dr. Diane Robers, Leiterin der Akademie für Politik und Zeitgeschehen der Hanns-Seidel-Stiftung

Prof. Dr. Diane Robers, Leiterin der Akademie für Politik und Zeitgeschehen der Hanns-Seidel-Stiftung

©HSS

Konkrete Maßnahmen

Überdies wird Daten zu halten, immer billiger werden. Wie kann nun europäische Politik unterstützen, einen Innovationspush zu erzeugen? Durch eine Ermöglichungskultur. Regulierungen sind für Marktakteure dann sinnvoll, wenn sie Chancen eröffnen. Momentan sind legislative Initiativen wie die „Open Data Directive“ und der „Data Act“ in Verhandlung. Auch ein europäisches MaaS Framework wird in diesem Jahr noch erwartet. Folgende Thesen aus dem Expertenkreis gilt es weiter zu diskutieren:

  1. Zu frühe Regulierung. Es wird reguliert, ohne zu wissen, ob wir nicht eine Chance für Europa damit vertun.
  2. Regulation kann auch Märkte töten, denn dann wandern Märkte ab.
  3. Nicht nur vorwettbewerblich, sondern auch den Praxistransfer fördern.
  4. Ein gemeinsamer Datenraum ist nur notwendige Voraussetzung. Daten müssen anwendungsbezogen und lösungsorientiert ausgetauscht werden.

Fazit: Öffentliche Hand und private Anbieter müssen besser zusammenspielen. Dies erfordert ein noch besseres Verständnis der Akteure aus Politik und Wirtschaft für eine europäische Ermöglichungskultur. Die Zeit läuft.

Kontakt

: Prof. Dr. Diane Robers
Leiterin der Akademie für Politik und Zeitgeschehen
Prof. Dr. Diane Robers
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