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Dr. Hanns Seidel als CSU-Vorsitzender und Ministerpräsident
Der Maßvolle

Autorin/Autor: Dr. Christian Petrzik

Dr. Hanns Seidel war ab 1957 Ministerpräsident Bayerns bis zu seinem Rücktritt 1960 – vor ziemlich genau 65 Jahren. Was kaum einer weiß: Vor genau 70 Jahren besiegte er seinen späteren Nachfolger Franz Josef Strauß im Kampf um den CSU-Parteivorsitz.

Hanns Seidel setzte sich besonders für die politische Bildung ein.

NL_Seidel_Hanns_63-1-5; ©HSS; ACSP

Bei der Landtagswahl im Herbst 1954 wurde die Christlich-Soziale Union mit 38 Prozent der Stimmen zur stärksten politischen Kraft in Bayern. Gänzlich unerwartet scheiterten jedoch die Koalitionsverhandlungen. Der Sozialdemokrat Wilhelm Hoegner übernahm als Ministerpräsident die Führung des aus den Parteien FDP, Bayernpartei und GB/BHE (Gesamtdeutscher Block/Bund der Heimatvertriebenen) gebildeten Viererbündnisses. Die CSU wechselte in die Opposition, was grundlegende personelle und organisatorische Veränderungen innerhalb der Partei zur Folge hatte. Auf der Landesversammlung der CSU am 22. Januar 1955 wählten die Delegierten Hanns Seidel zum neuen Parteivorsitzenden und Nachfolger von Dr. Hans Ehard, Ministerpräsident von 1951 bis 1954 und von 1961 bis 1962. Er gewann in einer Kampfabstimmung mit 380 zu 239 Stimmen gegen Franz Josef Strauß, damals Bundesminister für besondere Aufgaben.

Als Ministerpräsident arbeitete Seidel besonders am Wandel Bayerns vom Agrar- zum Industrieland.

Ph_P_Seidel_Hanns_13; ©HSS; ACSP

Nach der Stunde Null

Am 29. Januar 1955 veröffentlichte der „Bayernkurier“ ein Grußwort des neugewählten Vorsitzenden Seidel, in dem er um die Unterstützung durch die Parteimitglieder und CSU-Wähler bat:

 

„[...] Meine Berufung zum Parteivorsitzenden geschah zu einem Zeitpunkt, in dem die zu bewältigenden Aufgaben umfangreich und schwierig sind. Ich werde diese Aufgaben nur meistern können, wenn ich mich auf die Mitarbeit aller unserer Freunde in Stadt und Land stützen kann. Darum möchte ich alle Mitglieder und Anhänger der CSU herzlichst bitten. Im Übrigen habe ich keine Sorge, dass die Partei auch in der Opposition die ihr innewohnende Kraft und Stärke zu beweisen vermag.“

 

Die politische Karriere des promovierten Juristen und ehemaligen Mitglieds der Bayernpartei Hanns Seidel hatte bereits kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs begonnen. Am 11. Oktober 1945 hatte ihn die amerikanische Militärregierung zum Landrat von Aschaffenburg ernannt, im Juni und Dezember 1946 war er zum Mitglied der Verfassungsgebenden Landesversammlung in Bayern und zum Mitglied des Bayerischen Landtags für den Stimmkreis Obernburg (später Obernburg/Miltenberg) gewählt worden. Am 20. September 1947 wurde Seidel Bayerischer Wirtschaftsminister im Kabinett des damaligen Ministerpräsidenten Dr. Hans Ehard und bekleidete dieses Amt bis 1954. 

CSU-Plakat von 1956, in dem für eine Veranstaltung in Memmingen mit dem damaligen Parteivorsitzenden Dr. Hanns Seidel geworben wird. Eineinhalb Jahre später wurde Seidel Ministerpräsident.

Pl S : 6369 (entstanden 1956); ©HSS; ACSP

Auf dem Weg zum Ministerpräsidenten

Nach der Wahl 1954 und dem Wechsel der CSU in die Opposition wurde Seidel zum Sprecher der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag, wodurch er gleichsam die Rolle des Oppositionsführers innehatte. Mit seiner Wahl zum Vorsitzenden der CSU 1955 entschied sich die Partei für einen maßvollen, klugen Politiker, der sich, frei von einem Minister- oder höheren parlamentarischen Amt, ausschließlich der Oppositionsarbeit widmen konnte. Auf der Landesversammlung der CSU in München am 22. Oktober 1955 sprach Seidel über die politische Situation der Christlich Sozialen Union. Dabei sah er die CSU auf dem Weg, „die oppositionelle Stellung der Partei in einen Vorteil zu wandeln, der sich in absehbarer Zeit als ein Nutzen von großem Wert erweisen wird“. 

Der Oppositionsführer war fest entschlossen, mit der CSU wieder die bayerische Regierung zu übernehmen und schloss seine Rede mit dem Versprechen:

 

„Wir werden die Christlich-Soziale Union, als eine politische Gemeinschaft von Christen, zu einer Institution machen, deren Schild unbefleckt und sauber in die Zukunft leuchtet.“

 

Wahlwerbung des CSU-Kreisverbandes Würzburg-Stadt zur Landtagswahl 1958 für Ministerpräsident Dr. Hanns Seidel, auf dem Bild gemeinsam mit dem damaligen Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer (CDU).

KV Würzburg-Stadt Fl 1958 : 1 (Landtagswahl 1958); ©HSS; ACSP

Tatsächlich dauerte es keine zwei Jahre, bis die CSU wieder zur Regierungspartei wurde: Durch den Austritt des GB/BHE und der Bayernpartei zerbrach die Viererkoalition. Die CSU einigte sich mit dem GB/BHE und der FDP auf eine Koalition und am 16. Oktober 1957 wurde Hanns Seidel zum bayerischen Ministerpräsidenten gewählt.

Nach einem Unfall während einer Dienstfahrt 1958 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand allerdings zunehmend, sodass er gezwungen war, am 21. Januar 1960 als Ministerpräsident zurückzutreten. Am 20. Februar 1961 trat er auch als Parteivorsitzender zurück und verstarb kurz darauf, am 5. August 1961, in München. Sein Nachfolger als Parteivorsitzender wurde Franz Josef Strauß, der dieses Amt bis zu seinem Tod 1988 innehaben sollte. 

 

Quellen

ACSP, NL Seidel 8.

Bayernkurier Nr. 5/6. Jahrgang, 29.1.1955.

Literatur

Groß, Hans Ferdinand: Hanns Seidel 1901-1961. Eine politische Biographie, München 1992.

 

 

Kontakt

Leiter: Dr. Christian Petrzik
Archiv für Christlich-Soziale Politik (ACSP), Politisch-historische Fachbibliothek
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