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Patient und Arzt entscheiden gemeinsam
Bayern goes SDM

In der medizinischen Welt hat sich in den vergangenen Jahren ein Wandel vollzogen. Statt einer Arzt-Patienten-Beziehung, bei der der Arzt die Entscheidung trifft und der Patient diese akzeptiert, wird immer mehr Wert auf die gemeinsame Entscheidungsfindung gelegt. Patientenzentrierte Themen gewinnen im Gesundheitssystem zunehmend an Relevanz.

Eine Ärztin spricht gerade mit einer Patientin und notiert sich etwas. Sie lächelt.

SDM bedeutet, dass Ärzte und Patienten ihre Expertise in eine Waagschale werfen, um gemeinsam die bestmöglichen Entscheidungen in der Behandlung zu treffen.

nenetus; HSS; Adobestock

Was ist Shared Decision Making (SDM)?

Ziel vom Ansatz Shared Decision Making (SDM) ist es, eine Therapieentscheidung zu treffen, die medizinisch sinnvoll ist und die persönliche Lebenssituation sowie die Bedürfnisse der Betroffenen berücksichtigt. SDM verbessert dadurch u.a. die Versorgungsqualität, das Behandlungsergebnis und nicht zuletzt die Patientenzufriedenheit.

Die Idee hinter SDM ist es, dass Ärzte und Patienten ihre Expertise zusammen in eine Waagschale werfen, um die bestmöglichen Entscheidungen in Bezug auf die Behandlung zu treffen. Der Patient wird aktiv in den Entscheidungsprozess einbezogen und bekommt die relevanten, wissenschaftlich belegten Informationen über alle möglichen Behandlungsoptionen, einschließlich Nutzen und Risiken verständlich vermittelt. In diesem Prozess fungiert der Arzt als Experte für die medizinischen Themen, während der Patient der Experte für seine eigenen Werte, sein Leben ist. Und ganz wichtig: Er kann auch ablehnen, mit zu entscheiden –das wäre ebenfalls eine legitime Entscheidung!

„Die geeignete Therapie ist die, die zu Ihnen passt.“ - Dr. Eckart von Hischhausen

SDM erhöht die Patientenkompetenz sowie die Therapietreue. Über-, Unter- und Fehlversorgung werden verringert und so die Versorgungsqualität und die Patientensicherheit erhöht.

 

Gesundheitsminister Klaus Holetschek betonte:

„Shared Decision Making (SDM) ist ein Meilenstein auf unserem Weg zur patientenzentrierten Versorgung. Das Ziel von SDM ist dabei klar: Ärzte und Patienten kommunizieren und handeln gleichberechtigt auf Augenhöhe. Dies kann bei der medizinischen Versorgung zu weiteren Verbesserungen führen. Deshalb unterstützen wir innovative Forschungsprojekte wie das Leuchtturmprojekt ‚Bayern goes SDM‘ des bayerischen Zentrums für Krebsforschung zusammen mit unseren sechs Universitätskliniken im Freistaat. Denn damit schaffen wir in Bayern modernste medizinische Forschung und bieten den Menschen im Freistaat einen optimalen und flächendeckenden Zugang zu Medizin und Pflege. Bayern ist auch beim SDM auf einem absoluten Spitzenniveau!“
 

Dieser Meinung ist auch Bernhard Seidenath, MdL, Moderator der Veranstaltung als Fachmann, Vorsitzender des Ausschusses für Gesundheit und Pflege sowie gesundheits- und pflegepolitischer Sprecher der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag:

"Der Patient muss im Mittelpunkt stehen! Die Zukunft sehe ich in der patientenzentrierten Behandlung. SDM unterstützt den zielgerichteten Behandlungserfolg, vermeidet unnötige Therapieansätze und wird dadurch zu einem Qualitätssprung in der medizinischen Betreuung führen. Vor diesem Hintergrund ist mir die Förderung des SDM-Ansatzes ein sehr großes Anliegen!"

Die Veranstaltung "Patient und Arzt entscheiden gemeinsam! Bayern goes SDM" fand statt am Dienstag, 25. Juli, von 13 bis 15 Uhr im Konferenzzentrum München.

 

Impressionen von der Veranstaltung

 

 

Ziel vom Ansatz Shared Decision Making (SDM) ist es, eine Therapieentscheidung zu treffen, die medizinisch sinnvoll ist und die persönliche Lebenssituation sowie die Bedürfnisse der Betroffenen berücksichtigt. Darüber wurde auf der Veranstaltung gesprochen.

Ziel vom Ansatz Shared Decision Making (SDM) ist es, eine Therapieentscheidung zu treffen, die medizinisch sinnvoll ist und die persönliche Lebenssituation sowie die Bedürfnisse der Betroffenen berücksichtigt. Darüber wurde auf der Veranstaltung gesprochen.

Bayern goes SDM: Implementierung im Bayerisches Zentrum für Krebsforschung (BZKF)

Dieses Netzwerk von allen sechs bayerischen Universitätsklinika schafft Strukturen, die Patientinnen und Patienten aktiv in die Behandlungsentscheidung einbeziehen.

Mit der Implementierung von SDM wird Bayern als erstes Bundesland systematisch Patientinnen und Patienten als auch Ärztinnen und Ärzte unterstützen, gemeinsam zu entscheiden, welche Behandlung bei einer Krebserkrankung jeweils am besten geeignet ist. Federführend ist dabei das Bayerische Zentrum für Krebsforschung.

Seit Oktober 2022 werden an den bayerischen Universitätskliniken die Weichen für das Einführen von gemeinsamer Entscheidungsfindung in der Onkologie gestellt. Die Anschubfinanzierung für den Strukturaufbau kam vom Gesundheitsausschuss der CSU. Gemeinsam mit der SHARE TO CARE GmbH wurde im Bayerischen Zentrum für Krebsforschung die Projektgruppe SDM gegründet. Ziel ist der patientenzentrierte Strukturaufbau in Bayern, um auch wissenschaftliche Projekte zum Thema SDM zu ermöglichen.

Prof. Dr. Claus Belka, Direktor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am LMU Klinikum und Sprecher der BZKF-Projektgruppe SDM:

„Lebenssituationen und Präferenzen von Patientinnen und Patienten werden im klinischen Alltag noch immer zu wenig berücksichtigt. Wenn sich Patientinnen und Patienten in der Klinik vorstellen, setzen Ärztinnen und Ärzte oft voraus, dass diese Gespräche bereits beim niedergelassenen Kollegen stattgefunden haben. Das ist jedoch oft nicht der Fall. Mit einer ersten Anschubfinanzierung vom Gesundheitsausschuss der CSU, konnten wir den Einsatz von SDM in Bayern systematisch voranbringen. In Zusammenarbeit mit der SHARE TO CARE GmbH, dem Universitätsklinikums Augsburg und dem LMU Klinikum München und den regionalen und überregionalen Selbsthilfegruppen prostatakrebs-muenchen.de/, prostatakrebs-bps.de und hausderkrebsselbsthilfe.de/, sind bereits zwei Entscheidungshilfen für die Behandlung von Prostatakrebs entstanden.“

Systematisch wird SDM bisher nur an wenigen Versorgungsstandorten in Deutschland eingesetzt. Das möchte das BZKF mit der neu gegründeten Projektgruppe SDM in Bayern ändern.

Was sind Online-Entscheidungshilfen?

In den letzten Monaten sind in Bayern zwei Entscheidungshilfen zum Thema „Früher Prostatakrebs“ entstanden. Entscheidungshilfen zeigen auf Basis der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse die Vor- und Nachteile der Behandlungsmöglichkeiten auf. Insbesondere für wichtige Therapieentscheidungen können diese für Patienten und ihre Angehörigen eine wertvolle und ausgewogene Informationsquelle sein. Bei der Entstehung spielen Patienten eine herausragende Rolle: Sie stellen in den entstandenen Entscheidungshilfen die für sie wichtigen Fragen an die Experten, die diese beantworten, und „wir haben auch das letzte Wort,“ so Klaus Mestekemper.

Er hat als Patient an einer der beiden Entscheidungshilfen zum Thema mitgewirkt. Seit seiner Diagnose ist er Mitglied der Prostataselbsthilfegruppe München 1 und weiß, dass eine Entscheidungshilfe erst veröffentlicht wird, wenn die beteiligten Ärzte und Pflegekräfte sie freigeben und Patienten diese abschließend im sogenannten User-Testing für gut befunden haben. 

Umsetzung von SDM in die klinische Praxis

PD Dr. Jens Ulrich Rüffer, Geschäftsführer der SHARE-TO-CARE GmbH engagiert sich seit über 10 Jahren für die systematische Einführung von Shared Decision Making in Deutschland und spricht aus Erfahrung:

„Unser Programm hilft Ärztinnen und Ärzten, die Bedürfnisse ihrer Patientinnen und Patienten besser zu erfassen und so bei gleicher Gesprächsdauer bessere Therapieergebnisse zu erzielen. Das führt zu mehr Sicherheit und Zufriedenheit auf beiden Seiten.“

Das BZKF orientiert sich an dem am SHARE-TO-CARE-Programm, das im Rahmen des Projekts „Making SDM a Reality“ an der Universitätsklinik Schleswig-Holstein in Kiel entwickelt und evaluiert wurde.

Ausschlaggebend dafür ist auch die im Februar 2023 veröffentlichte Empfehlung des Gemeinsamen Bundesausschuss, denn die Empfehlung zeigt, dass die Implementierung von SDM in großen Strukturen erfolgreich möglich ist.

Die Pflege ist auch in der Forschung mit eingebunden

Das SHARE-TO-CARE-Programm bindet die Pflege mit einer ganz eigenen Rolle in den Prozess der gemeinsamen Entscheidungsfindung mit ein. Als Decision Coach werden einzelne Pflegekräfte für eine beratende Begleitung des Entscheidungsprozesses ausgebildet. Sie sitzen an Schlüsselpositionen und stehen Patienten und ihren Angehörigen vor dem entscheidenden Gespräch mit dem Arzt oder der Ärztin beratend zur Seite. Im Projekt „Bayern goes SDM“ ist die Pflege auch wissenschaftlich eingebunden. Die Pflegewissenschaften sind an der Erhebung der Patientenperspektive für die abschließende Auswertung beteiligt, um festzustellen, ob die Einführung auch in Bayern erfolgreich durchgeführt werden konnte.

Zusammengefasst besteht das SHARE-TO-CARE-Programm aus vier Modulen:

1. Ein spezielles Training für Ärztinnen- und Ärzte

2. Die Qualifizierung des Pflegepersonals

3. Die Aktivierung von Patientinnen und Patienten

4. Die Entscheidungshilfen für wichtige Therapieentscheidungen für Patientinnen und Patienten.

SDM am Bayerisches Zentrum für Krebsforschung (BZKF)

Bis Ende Juni 2024 werden im Rahmen des Pilotprojektes „Bayern goes SDM“ in sieben Kliniken und fünf Standorten das SHARE-TO-CARE-Programm eingeführt. Die Medizinische Fakultät der Universität Regensburg übernimmt die Evaluierung im BZKF. Folgende Kliniken sind Teil des Projektes:

 

 

Klinik / Kooperationspartner

Klinikum / Standort

1

Klinik für Strahlentherapie

Universitätsklinikum
Augsburg

2

Klinik für Urologie

Universitätsklinikum
Augsburg

3

Palliativmedizinische Abteilung

Universitätsklinikum
Erlangen

4

Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und
Radioonkologie

LMU Klinikum, München

5

Urologische Klinik und Poliklinik

LMU Klinikum, München

6

Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin / Funktionsbereich Palliativmedizin

Klinikum rechts der Isar,
TU München

7

Interdisziplinäres Zentrum für Palliativmedizin,
Klinik für Strahlentherapie

Universitätsklinikum
Würzburg

Veranstaltungsleiter Konrad Teichert und die Leiterin des IPB, Stefanie von Winning, sowie die Teilnehmer der Veranstaltung: Prof. Dr. med. Claus Belka, Prof. Dr. Dorothea Weckermann, PD Dr. med. Jens Ulrich Rüffer, Klaus Mestekemper. Moderiert wurde die Veranstaltung von Bernhard Seidenath, MdL.

Veranstaltungsleiter Konrad Teichert und die Leiterin des IPB, Stefanie von Winning, sowie die Teilnehmer der Veranstaltung: Prof. Dr. med. Claus Belka, Prof. Dr. Dorothea Weckermann, PD Dr. med. Jens Ulrich Rüffer, Klaus Mestekemper. Moderiert wurde die Veranstaltung von Bernhard Seidenath, MdL.

Autoren:  Konrad Teichert, HSS, Serap Tari

Weitere Informationen und Kontakt:

Serap Tari

Dipl. Biologin, Psychoonkologin (WPO, DKG)
Projektleitung „Bayern goes SDM“

T. 089. 4400 77520

serap.tari(at)med.lmu.de
https://de.linkedin.com/in/serap-tari-08a943255
www.bzkf.de/shared-decision-making

Kontakt

Leiter: Konrad Teichert
Wirtschaft, Finanzen, Arbeit, Soziales
Leiter
Telefon: 
E-Mail: