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Gesundheitspolitik
Der Klimawandel beeinflusst unsere Gesundheit!

Autorin/Autor: Silke Franke

Der Klimawandel ist kein abstraktes Thema in der Zukunft: Wir können ihn spüren. Die steigenden Temperaturen wirken sich auf unsere Gesundheit aus. Darauf müssen sich Ärzte und Patienten einstellen. Doch es geht nicht nur um Aktionspläne, um auf Notfälle zu reagieren, sondern auch um Vorsorgemaßnahmen. Es zeigt sich: Ein gesunder Lebensstil und eine gesunde Umwelt wirken sich positiv auf uns selbst aus – und auf das Klima.

Die Klimarisiken sind höher als bislang angenommen, warnt der als „Weltklimarat“ bezeichnete IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) in seinem jüngsten Sachstandsbericht. Schon jetzt wirke sich die Erderwärmung auf Milliarden Menschen aus. Wir müssten daher lernen, als Gesellschaft „klima-resilienter“ zu werden, also uns ein Stück weit anzupassen, so die Botschaft des Berichts. Um uns wappnen zu können, ist es wichtig zu verstehen, welche Veränderungen auf uns zukommen. Bemerkenswert ist, dass der zweite Band des Berichts intensiv auf die Wechselwirkungen von Klima, Ökosystemen und menschlichen Gesellschaften eingeht und verdeutlicht: Es geht um die Gesundheit - von uns und der Erde.

Gesundheitsfolgen des Klimawandels – eine unterschätzte Gefahr

In einer Podiumsdiskussion der Akademie für Politik und Zeitgeschehen erörterte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek zusammen mit Ärzten und Experten verschiedener Fachrichtungen, wie sie die anstehenden Herausforderungen angehen wollen.

„Extremwetterlagen wie Hitzewellen oder Starkregen nehmen auch bei uns in Bayern zu. Invasive Arten können eingeschleppte Krankheiten übertragen. Der Pollenflug intensiviert und verlängert sich - um nur einige der Folgen zu nennen. Der Klimawandel belastet die Gesundheit vieler Menschen in besonderem Maße. Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit müssen wir deshalb ernst nehmen. Wir wollen präventiv agieren und gewappnet sein. Bayern kann bei dem Thema auf exzellente Expertise zurückgreifen – Wissenschaftler, Forschungspartner und einen starken öffentlichen Gesundheitsdienst“, betonte Holetschek.

Hitze

Klimaveränderung in Bayern bedeutet vor allem: es wird wärmer. Von 1951 bis 2019 ist die Jahresmitteltemperatur um 1,9°C gestiegen und es gibt mehr Hitzetage im Sommer. Was passiert dabei?

Um möglichst viel Wärme abzugeben, weiten sich unsere Blutgefäße. Das Herz schlägt stärker und schneller, um die Umverteilung des Blutflusses zur Haut zu gewährleisten. Dadurch sinkt der Blutdruck.

Wir schwitzen, denn durch die Verdunstung kühlt der Körper. Dabei verlieren wir Flüssigkeit und Elektrolyte. Wenn wir zu wenig trinken, führt das zur Dehydration. Bei Überanstrengung kann sich die Hitze im Körper stauen. Das Herz beginnt zu rasen und im schlimmsten Fall kommt es zum Kreislaufversagen. Zeichen für einen Hitzekollaps sind Kopfweh, Schwindel oder Ohnmacht. Besonders gefährdet sind Menschen über 65 Jahre, Säuglinge und Personen, die schwere körperliche Arbeit im Freien verrichten, oder Personen mit chronischen Herz-, Atemwegs- und Nierenerkrankungen.

Daher: Ausreichend trinken und Schatten aufsuchen, Aktivitäten auf kühlere Tageszeiten verlegen.

Allergien

Das milderes Klima und die längere ⁠Vegetationsperiode⁠ begünstigen den Pollenflug und verlängern die Pollensaison. Es breiten sich Pflanzen weiter aus, die Allergien verursachen. Derzeit ist in Deutschland die Birke mit ihren Pollen die Allergie-Pflanze schlechthin. Doch sie reagiert empfindlich auf sommerliche Trockenheit und warme Temperaturen. Stattdessen könnten allergene Pflanzen aus dem Mittelmeerraum bei uns heimisch werden, etwa Zypressen. Auch die Luftqualität spielt eine Rolle, da dies zu einer höheren Pollen-Produktion führen kann. Studien haben außerdem gezeigt, dass die ansteigende CO2 -Konzentration auch die Zusammensetzung von Pollen verändert und deren Aggressivität erhöht. Insgesamt rechnet man für die nächsten Jahrzehnte mit einer verstärkten Pollenbelastung.

Betroffen Personen können sich eine Pollenflug-App auf ihr Smartphone laden, die ihnen sagt, wann die Belastung besonders hoch ist, z.B. ePin Bayern

Nicht nur bisher gebietsfremde Pflanzen wandern nach Deutschland ein, auch Tiere und Viren. Ärzte müssen daher zum Beispiel von Mücken übertragene Erreger künftig verstärkt „auf dem Schirm“ haben.

Naturkatastrophen - Traumata

Starkregen und Sturzfluten können ebenso im Zusammenhang mit dem Klimawandel gesehen werden. Menschen verlieren dabei z.T. ihr Hab und Gut oder gar Angehörige und müssen diese Traumata bewältigen. Außerdem gibt es Menschen, v.a. Jugendliche, die regelrecht Zukunftsängste haben. Corona Pandemie, Klimawandel und Kriege bereiten ihnen Sorgen. Dies gilt es ernst zu nehmen und ihnen aufzuzeigen, wie sie damit umgehen können.

Literaturtipps:

Folgendes Buch beschreibt umfassendend, wie Klima und Gesundheit zusammenhängen:
C. Traidl-Hoffmann, C. Schulz, M. Herrmann, B. Simon (Hrsg.): Planetary Health. Klima, Umwelt und Gesundheit im Anthropozän. Berlin, 2021

Und hier hat das Landesamt für Umwelt "Klima-Steckbriefe" für die Bayerischen Bezirke erstellt, die die Folgen des Klimawandels auf die Wasserwirtschaft, die menschliche Gesundheit, den Tourismus, die Land- und Forstwirtschaft sowie auf den Städtebau und das Bauwesen zusammenfassen:  Link auf die LfU-Website

Gesundheitsschutz durch Forschung, Aufklärung und Vernetzung

Der Minister sieht in dem Thema daher eine Querschnittsaufgabe und räumt ihr einen zentralen Stellenwert ein. Auf seine Initiative hin wurde die interdisziplinäre Landesarbeitsgemeinschaft „Gesundheitsschutz im Klimawandel“ (LAGiK) gegründet. In ihr arbeiten Vertreter von Verbänden, Organisationen, öffentlichen Institutionen, Kommunen, Ärzten, Pflegenden und der Wissenschaft zusammen. Durch die Vernetzung, betont der Minister, können Ressourcen effizienter genutzt werden, Wissen wird ausgetauscht und es können geeignete Strukturen aufgebaut werden, um die Menschen in Bayern so gut wie möglich vor den gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels zu schützen.

Auf kommunaler Ebene gibt es mit den Gesundheitsregionen (siehe Infobox unten) ebenfalls Plattformen für Vernetzung und Wissenstransfer. In einem Modellprojekt der Stadt Straubing wird ein passgenaues, kommunales Hitzeschutzkonzept erstellt, d.h. Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor hitzebedingten Gesundheitsgefahren entwickelt.  Auch im Bereich Architektur und Städtebau sind Anpassungsmaßnahmen notwendig, denn gerade in Städten entstehen so genannte Hitzeinseln, da sich der Asphalt und die Hausfassaden regelrecht aufheizen. Hier helfen mehr Grün- und Wasserflächen sowie Frischluftschneisen. All dies zeigt: Klima und Gesundheit gehören zusammen und sind ein Querschnittsthema, in das sich alle einbringen müssen.

Weiterführende Informationen finden Sie hier:

ePIN  - elektronische Polleninformationsnetzwerk

https://epin.lgl.bayern.de/pollenflug-aktuell

Von allen allergischen Erkrankungen stellen durch Pollen verursachte Allergien den größten Anteil dar. In Bayern sind mittlerweile bis zu 30 % der Bevölkerung betroffen. Je besser die Informationslage über den aktuellen Pollenflug ist, umso besser können Betroffene rechtzeitig reagieren.

In aktuell acht Landkreisen in Bayern (Altötting, Feucht, Garmisch-Partenkirchen, Hof, Marktheidenfeld, Mindelheim, München, Viechtach) befinden sich elektronische Pollenmonitore. Sie ermöglichen eine Echtzeit-Pollenflugvorhersage. Dank dieser Informationen können Allergiker ihre Medikamenteneinnahme und Exposition gegenüber Pollen gezielt steuern.

APOLLO Studie

https://epin.lgl.bayern.de/static-assets/lgl-flyer-apollo.pdf

Die Daten der Pollenmonitore werden dazu verwendet, mögliche Zusammenhänge zwischen der Pollenkonzentration in der Luft, den physischen Beschwerden und Beeinträchtigungen der Lebensqualität von Pollenallergikern/innen genauer zu untersuchen. Dazu führen Betroffene, die sich an der Studie beteiligen, über einen Zeitraum von etwa zwei Monaten auf ihrem Smartphone ein persönliches Pollenlogbuch. Die gewonnenen Erkenntnisse spielen für die Entwicklung von Präventionskonzepten für Pollenallergiker/innen eine große Rolle.

Stechmückenmonitoring

www.lgl.bayern.de/forschung/forschung_gesundheit/fp_moskito.htm.

Erste Funde von invasiven Stechmücken gibt es in Bayern bereits – aber bisher nur Zufallsfunde. Ein systematisches Mückenmonitoring soll zielgerichtete Vorsorge und gegebenenfalls Bekämpfung erlauben. Im Rahmen des gemeinsamen Projekts des bayerischen Umwelt- und des Bayerischen Gesundheitsministeriums wird hierzu eine Machbarkeitsstudie erstellt.

Weitere Verbundprojekte hier: https://www.vkg.bayern.de/

Hitzeaktionspläne

https://www.lgl.bayern.de/gesundheit/umweltbezogener_gesundheitsschutz/klimawandel_gesundheit/hitzeaktionsplaene/index.htm

Hintergrundinformationen und weiterführende Materialien für Kommunen zur Entwicklung einer eigenen Hitzeanpassungsstrategie. Sie beinhalten z.B. im Vorfeld definierte Kommunikationswege zur Hitzewarnung, Konzepte für Hitzeschutzmaßnahmen für Risikogruppen oder auch städteplanerische Maßnahmen.

Gesundheitsregionenplus

https://www.freistaat.bayern/dokumente/leistung/973520974745

Gesundheitsregionplus sind Netzwerke aus Vertretern der Kommunalpolitik und allen, die vor Ort bei der gesundheitlichen Versorgung und Prävention eine wesentliche Rolle spielen. Dazu zählen vor allem Ärzte, Kliniken, Apotheker, Therapeuten, der Rettungsdienst, Krankenkassen und das Gesundheitsamt. Der Freistaat Bayern unterstützt derzeit 60 „Gesundheitsregionenplus“ durch Beratung und Fördermittel. Die fachliche Leitstelle ist im Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit verortet. 

Zentrum für Klimaresilienz (Universität Augsburg)

https://www.uni-augsburg.de/de/campusleben/neuigkeiten/2022/07/22/7035/

Ziel der Forschung des Zentrums für Klimaresilienz (ZfK) ist es, wissenschaftliche Grundlagen zu erarbeiten und ganzheitliche Strategien auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene zu entwickeln.

Im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege sollen Forscher z.B. praxisbezogene Indikatoren entwickeln, mit denen die Nachhaltigkeit von Gesundheitseinrichtungen gemessen, bewertet und weiter verbessert werden kann (Green HospitalPLUS Initiative). Hier werden die Klima- und Umweltauswirkungen von Krankenhäusern untersucht und Vorschläge gemacht, wie der Krankenhausbetrieb nachhaltiger ausgerichtet werden kann.

LAGiK

https://www.lgl.bayern.de/gesundheit/umweltbezogener_gesundheitsschutz/klimawandel_gesundheit/lagik/index.htm

2021 gegründet, verfolgt die Landesarbeitsgemeinschaft Gesundheitsschutz im Klimawandel (LAGiK) folgende Ziele:

  • Vernetzung
  • Präventionskonzepte
  • Informationsmaterialien
  • Kommunikationsstrategien
  • Forschungskooperationen

Die Podiumsdiskussion wurde aufgezeichnet. Sie können sich den Mitschnitt (leicht gekürzt) hier ansehen.

Eindrücke aus der Veranstaltung

Kontakt

Leiterin: Silke Franke
Umwelt und Energie, Städte, Ländlicher Raum
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