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Das Ende des Zweiten Weltkriegs als Geburt eines vereinten Europas
Der Tag, an dem Europas Zukunft begann

Autorin/Autor: Markus Ferber, MdEP

Der 8. Mai 1945 war mehr als das Ende des Zweiten Weltkriegs – er war der Beginn einer einzigartigen Friedensidee: dem geeinten Europa. Wie CSU und CDU diesen Wandel mitprägten und warum die Vision von Franz Josef Strauß heute wieder hochaktuell ist, zeigt dieser Beitrag.

Der 8. Mai 1945 markiert nicht nur das Ende eines Krieges, der Millionen von Menschenleben gefordert und unermessliches Leid über Europa gebracht hatte. Dieses Datum steht auch für den Beginn eines tiefgreifenden Wandels: den Prozess der europäischen Einigung. Diese Entwicklung schuf eine bis dahin beispiellose Epoche des Friedens, der politischen Stabilität und wirtschaftlichen Prosperität. Maßgeblich für Deutschlands Rückkehr in die europäische Gemeinschaft und den Weg zu einem geeinten Europa war der klare Kurs der christlich-demokratischen Parteien CDU und CSU, die sich von Beginn an als proeuropäische Kräfte verstanden.

Europa als Friedensidee

Führende CSU-Politiker wie der erste Parteivorsitzende Josef Müller ("Ochsensepp") waren selbst von den Nationalsozialisten verfolgt worden oder wurden, wie Franz Josef Strauß, durch die Gräuel des Krieges tief geprägt. Ihnen war bewusst, dass eine Wiederholung der verheerenden Konflikte des 20. Jahrhunderts nur durch eine grundlegende Neugestaltung der politischen und wirtschaftlichen Beziehungen mit den europäischen Nachbarn verhindert werden konnte.

Deshalb legte die CSU bereits in ihrem ersten Grundsatzprogramm von 1946 ein klares Bekenntnis zu einer "europäischen Konföderation" ab. Auch suchten die Unionsparteien früh den Schulterschluss mit christlich-demokratischen Parteien in anderen Ländern. Beim zweiten Treffen der konservativen Parteien innerhalb der "Nouvelles Équipes Internationales" betonte der spätere Bundeskanzler Konrad Adenauer: „Die Lösung des deutschen Problems ist aufs Engste verknüpft mit dem Neuaufbau Europas.“

Grundsatzprogramm 1946

„Im Rahmen der Völkerfamilie ist Europa eine übernationale Lebensgemeinschaft. Wir treten ein für die Schaffung einer europäischen Konföderation zur gemeinsamen Wahrung und Weiterführung der christlich-abendländischen Kultur! Wir erstreben die wirksame Befriedung Europas als Beitrag zum dauerhaften Frieden der Welt […] Kein Land Europas kann für sich allein bestehen: Wir treten ein für die Schaffung einer europäischen Wirtschafts- und Währungsunion!“ 

Robert Schumann, der französische Außenminister, bei der Unterzeichnung des Schuman-Plans im Salon de l'Horloge in Paris.

Imago / TT

Vom Wirtschaftsraum zur politischen Union

Ein entscheidender Meilenstein auf diesem Weg war die Gründung des Europarats im Jahr 1949, der als Plattform für Zusammenarbeit und den Schutz der Menschenrechte dient. Der eigentliche Durchbruch kam jedoch ein Jahr später mit dem Schuman-Plan: Der französische Außenminister Robert Schuman schlug vor, die Kohle- und Stahlproduktion Frankreichs und Deutschlands unter eine gemeinsame Behörde zu stellen. Dies führte 1951 zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS), an der neben Deutschland und Frankreich auch Italien, Belgien, die Niederlande und Luxemburg beteiligt waren. Der erste konkrete Schritt zur wirtschaftlichen und politischen Integration Europas war getan.

Der Erfolg der EGKS mündete 1957 in die Römischen Verträge und die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), die den Binnenmarkt vorbereitete. CSU-Politiker Franz Josef Strauß setzte in dieser Phase wichtige europapolitische Impulse und war ein entschiedener Befürworter einer engen wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Zusammenarbeit sowie einer gemeinsamen Verteidigungspolitik.

Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich aus diesen Anfängen die Europäische Union (EU), die mit dem Vertrag von Maastricht 1992 eine politische Dimension erhielt. Eine treibende Kraft hinter diesem Schritt war neben Bundeskanzler Helmut Kohl auch der Bundesfinanzminister und Vorsitzende der CSU, Theo Waigel, der die finanzpolitischen Rahmenbedingungen für die Einführung des Euro maßgeblich mitgestaltete.

Europa heute: Erbe und Herausforderungen

Die letzten Jahre haben gezeigt, dass die europäische Einigung kein linearer Prozess ist. Herausforderungen wie die Eurokrise, die Flüchtlingskrise und der Ukraine-Krieg machen deutlich, dass Europa sich ständig neu ausrichten und weiterentwickeln muss. Besonders im Bereich der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik sind neue Weichenstellungen erforderlich. Die schleichende Abkehr der USA von Europa, die derzeit mit der zweiten Amtszeit Donald Trumps ihren bisherigen Höhepunkt erreicht hat, verdeutlicht die Notwendigkeit einer eigenständigen europäischen Verteidigungspolitik. Franz Josef Strauß formulierte bereits vor 60 Jahren eine Vision, die heute aktueller denn je ist: 

„Die Vereinigten Staaten von Europa […] müssen in der Lage sein, sich selbst zu schützen, um eine gleichberechtigte Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika zu verwirklichen.“ 

Es liegt nun an uns, das Erbe der Nachkriegsgeneration zu bewahren und fortzuführen, indem wir zu einer echten Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik finden.

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