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Gastkommentar von Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw
Fünf Jahre Brexit – Zeit sich wieder anzunähern

Autorin/Autor: Bertram Brossardt

Vor fünf Jahren ist das Vereinigte Königreich aus dem EU-Binnenmarkt und der Zollunion ausgetreten. Bis heute bleibt der Handel schwierig. Es wird Zeit für eine Stärkung der Wirtschaftsbeziehungen – vor allem mit Blick auf die schwierige geopolitische Gemengelage.

Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V., plädiert für eine Intensivierung der Zusammenarbeit.

Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V., plädiert für eine Intensivierung der Zusammenarbeit.

Stefan Obermeier/vbw

Der Brexit beschäftigt die bayerische Wirtschaft bis zum heutigen Tag. Unsere Unternehmen sind immer noch tagtäglich mit den erschwerten wirtschaftlichen Bedingungen durch Handelshemmnisse im Außenhandel mit dem Vereinigten Königreich konfrontiert. Gerade in diesen Zeiten brauchen wir aber starke Partner für mehr Freihandel und wirtschaftliche Kooperation. Vor allem mit Blick auf die protektionistische Wirtschaftspolitik des neu gewählten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump, und dessen Androhung von Strafzöllen steht für die bayerische Wirtschaft viel auf dem Spiel. Fakt ist: Wir benötigen dringend mehr alternative Absatzmärkte. Das Vereinigte Königreich ist hier ein attraktiver Partner für die bayerische Industrie. Vor dem Austritt aus dem Binnenmarkt und der Zollunion war das Land der fünfwichtigste Handelspartner für Bayern. Fünf Jahre nach dem Brexit wird es daher Zeit, die Beziehungen zu Großbritannien wieder zu intensivieren und zu stärken.

Bilaterale Vereinbarungen dringend notwendig

Dazu braucht es vor allem den Abschluss von weiteren ergänzenden bilateralen Vereinbarungen. Das im Jahr 2021 in Kraft getretene Handels- und Kooperationsabkommen zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich war ein wichtiger Schritt, um die schlimmsten Konsequenzen für den gegenseitigen Handel zu verhindern. Gleichzeitig stellen Sondervorschriften im Dienstleistungshandel, der hohe bürokratische Aufwand bei der Mobilität für Arbeitssuchende sowie der aufwändige Nachweis der Erfüllung von Ursprungsregeln unsere Unternehmen weiterhin vor große Probleme im Handel mit dem Königreich. Die Verlängerung der CE-Kennzeichnung für die meisten Waren auf unbestimmte Zeit ist hier ein positives Signal. Ebenso erfreulich war die Einigung zwischen der Europäischen Union und der britischen Regierung über den sofortigen Wiedereintritt in das Forschungsrahmenprogramm Horizon Europe. Davon brauchen wir eindeutig mehr: Ein ‚Mutual Recognition Agreement‘ für sämtliche Sektoren, ein Ende des Flickenteppichs an Regelungen im Dienstleistungshandel sowie eine Senkung der Hürden bei der gegenseitigen Anerkennung von Qualifikationen. Nur so schaffen wir Planungssicherheit für unsere Unternehmen und die Basis für einen erfolgreichen und langfristigen wirtschaftlichen Austausch, von dem beide Seite profitieren. 

Am 31. Januar 2025 jährt sich der Brexit zum fünften Mal. Der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union hatte weitreichende Folgen.

Am 31. Januar 2025 jährt sich der Brexit zum fünften Mal. Der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union hatte weitreichende Folgen.

Marius Faust; Adobe Stock

Potentiale nutzen

Mit einem Handelsvolumen von rund 16 Milliarden Euro war das Vereinigte Königreich im Jahr 2024 nur noch der zehntwichtigste Handelspartner Bayerns. Seit dem Brexit nahm die wirtschaftliche Bedeutung des Vereinigten Königreichs für die bayerische Wirtschaft ab. Zwischen 2019 und 2024 ist das Handelsvolumen mit dem Vereinigten Königreich nominal um fast zehn Prozent zurückgegangen, während der gesamte Außenhandel Bayerns im selben Zeitraum um 21,5 Prozent gewachsen ist. Trotzdem wurden 2024 bayerische Produkte im Wert von 11,7 Milliarden Euro dorthin exportiert, immerhin 5,2 Prozent aller bayerischen Exporte. 

Das Vereinigte Königreich bleibt damit weiterhin ein wichtiger Absatzmarkt für den Freistaat und bietet zudem viel zuletzt ungenutztes Potenzial. Vor allem mit Blick auf die unberechenbare geopolitische Gemengelage sowie auf die steigenden weltweiten Handelshemmnisse gilt es, unsere Wirtschaftsbeziehungen mit dem Königreich wieder zu stärken. In diesen herausfordernden Zeiten braucht es nicht nur eine starke Europäische Union, sondern insgesamt ein starkes Europa. So schaffen wir es, unsere Exportwirtschaft weiter zu diversifizieren und krisenfest zu machen. 

Gastkommentar von Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V.

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