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Transatlantic Cybersecurity Partnership
Im Cyberraum: Krieg ohne Grenzen

Autor: Maximilian Rückert, Andrea Rotter, M.A.

Wie gut sind wir auf die Kriege der Zukunft vorbereitet? Was können einzelne Länder tun? Im HSS-Interview verrät Dr. Reinhard Brandl, MdB, wie es mit dem "Transatlantic Cybersecurity Partnership" weitergehen soll.

Aktueller könnte der Anlass nicht sein: Die zuletzt bekannt gewordene Cyberattacke auf Rechner der Bundesministerien ist noch nicht aufgeklärt. Unbekannt sind Täter und Umfang des Datendiebstahls und das Ausmaß des entstandenen Schadens aus dem eigentlich als „sicher“ geltenden Regierungsnetz. Zudem verhängte die US-amerikanische Regierung Ende letzter Woche Sanktionen gegen Russland aufgrund der mutmaßlichen Einflussnahme auf die Präsidentschaftswahl 2016. Fünf Firmen sowie 19 Einzelpersonen werden wegen ihrer destabilisierenden Cyberaktivitäten während des Wahlkampfs von den Strafmaßnahmen betroffen sein.

Gruppenbild. Sehr dynamisch.

v.l. Woodward Clark Price, US-amerikanische Botschaft, Berlin; Dr. Sarah Lohmann, AICGS; Prof. Dr. Reinhard Meier-Walser, HSS; Andrea Rotter, HSS; Matthias Schulze, SWP; Dr. Reinhard Brandl, MdB Verteidigungsausschuss; Maximilian Rückert, HSS; Dr. Jack Janes, Präsident AICGS; Dr. Dean Cheng, The Heritage Foundation, Washington D.C., USA;

Rückert

INFO:

Die Hanns-Seidel-Stiftung und das American Institute for Contemporary German Studies (AICGS) trafen sich in diesen Zeiten des sicherheitspolitischen Umbruchs in der Bayerischen Vertretung beim Bund in Berlin zu einem weiteren Arbeitstreffen des Anfang des Jahres ins Leben gerufenen transatlantischen Cyberdialogs. Ziel dessen ist es, den Informationsaustausch zwischen Deutschland und Amerika in diesem sensiblen Bereich zu verbessern, gegenseitiges Verständnis zwischen deutschen und US-amerikanischen Entscheidungsträgern/innen sowie staatliche und nichtstaatliche Akteure zu fördern, um letztendlich gemeinsam analysebasierte Lösungsansätze und konkrete Handlungsempfehlungen für Bedrohungen aus dem Cyberraum zu erarbeiten. Im Anschluss wurde über hybride Kriegsführung im Cyberraum diskutiert. Dabei im Fokus: Cyberattacken auf staatliche Institutionen und kritische Infrastrukturen und digitale Propaganda.

Am Rande der Veranstaltung konnten wir Herrn Dr. Reinhard Brandl, MdB, für ein Interview gewinnen, der auch in dieser Legislaturperiode erneut im Verteidigungsausschuss sitzt.

Prodium mit drei Personen. In der Mitte Brandl, der gerade Frau Rotter (rechts neben ihm) etwas erläutert.

"Viele Unternehmen sind sich der Bedrohungen im Cyberraum nicht bewusst und dementsprechend zu wenig vorbereitet." (Dr. Reinhard Brandl, MdB)

Rückert

HSS: Wozu kann die Transatlantic Cybersecurity Partnership der HSS und des AICGS Ihrer Meinung nach einen Beitrag leisten? 

Dr. Brandl: Die Bedrohungen und Herausforderungen im Cyberraum sind nicht an nationale Grenzen gebunden, deshalb gibt es einen hohen Bedarf an internationaler Abstimmung, insbesondere mit den USA. Die USA haben in diesem Bereich ganz klar eine Vorreiterrolle. 

HSS: Als Mitglied des Verteidigungsausschusses haben Sie sicher eine besondere Perspektive – wie gut ist Deutschland auf den grenzenlosen Krieg im Cyberraum vorbereitet?

Dr. Brandl: Unterschiedlich. Was den Bereich der kritischen Infrastrukturen betrifft, haben wir in den letzten Jahren mit dem IT-Sicherheitsgesetz einen wichtigen Fortschritt gemacht. Auch was Verwaltungs- und Regierungsnetze des Bundes betrifft, sind wir auf einem kontinuierlichen Weg der Verbesserung. Der jüngste Angriff zeigt aber, dass wir verwundbar sind. Auch viele Unternehmen, gerade im klein- und mittelständischen Bereich, sind sich oftmals der Bedrohungen im Cyberraum nicht bewusst und dementsprechend zu wenig vorbereitet.

HSS: Sie sprechen den Angriff selbst an, der uns klar vor Augen führt, es besteht noch dringender Handlungsbedarf für die Zukunft.

Dr. Brandl: Handlungsbedarf besteht nicht nur aus diesem einzelnen Vorfall heraus. Der Angriff hat aber das öffentliche Bewusstsein dafür geweckt. Die Sicherheitsbehörden haben prompt und professionell darauf reagiert. Dennoch hoffe ich, dass es ein Weckruf  für alle, auch nicht-staatliche Institutionen, ist, dass wir alle verwundbar sind.

HSS: Ist es also an der Zeit, dass wir uns wehren? Müssen wir als NATO-Mitglied auch über offensive Cyberaktionen nachdenken?

Dr. Brandl: Ich bin der Meinung, dass die Bundeswehr wie in jeder anderen Domäne sowohl defensive als auch offensive Instrumente zur Verfügung haben sollte. Unser Fokus ist aber klar die Abwehr von Cyberattacken und der Schutz unserer Infrastrukturen vor Angriffen. Dennoch muss gesagt werden: Die Bundeswehr muss offensive Möglichkeiten im Cyberraum haben.

Blick von oben in den großen, hohen Saal mit Bayerischen Bildmotiven an der Rückwand, Wappen und allem Pipapo...

Podiumsdiskussion und festlicher Empfang in der Bayerischen Vertretung in Berlin

Rückert

HSS: Was erwarten Sie sich von einem engen deutsch-amerikanischen Wissens- und Know-How-Austausch?

Dr. Brandl: Wir können gerade im Bereich Cyber sehr viel von den Amerikanern lernen. Sie sind uns dabei einige Schritte voraus. Die USA waren allerdings auch vor uns und deutlich stärker als die Bundesrepublik von Cyber- und digitalen Spionageangriffen betroffen und haben sich technologisch früher entwickeln und die notwendigen politischen Schlussfolgerungen eher ziehen können. Natürlich kommen auch viele unserer Cyberinfrastrukturen und IT-Anbieter aus den USA und auch im Bereich der Regierungskooperation mit der Tech-Industrie können wir von Amerika lernen und für eine sicherere Zukunft profitieren.

HSS: Haben Sie herzlichen Dank für das Gespräch!

Kontakt
Leiter: Prof. Dr. Reinhard Meier-Walser
Abteilung II: Akademie für Politik und Zeitgeschehen
Leiter:  Prof. Dr. Reinhard Meier-Walser
Telefon: 089 1258-240
Fax: 089 1258-469
E-Mail: meier-w@hss.de