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Ein Nachruf
In memoriam Sylke Tempel

Ersteller: Dr. Claudia Schlembach

Vor gut einer Woche hat der Orkan "Xavier" die Politikwissenschaftlerin Sylke Tempel unvermittelt und viel zu früh aus dem Leben gerissen. Tempel war Chefredakteurin der Zeitschrift "Internationale Politik" und geschätzter Kooperationspartner der Hanns-Seidel-Stiftung.

Sylke Tempel - viel zu früh aus dem Leben gerissen

Sylke Tempel - viel zu früh aus dem Leben gerissen

©Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V.

Sylke Tempel war eine geschätzte Kooperationspartnerin der Hanns-Seidel-Stiftung. Mit 54 Jahren wurde sie durch einen tragischen Unfall aus dem Leben gerissen. Sie war sowohl für die Akademie für Politik und Zeitgeschehen als auch für das Institut für Internationale Zusammenarbeit als Moderatorin oder Vortragende auf dem Podium. Die HSS schätzte ihre fundierte Fachkenntnis, ihre sehr eigene Art zu moderieren, ihre Offenheit, ihren Humor und ihre Zugewandtheit den Menschen gegenüber.

Sylke Tempel war ein Profi auf der Bühne: Fachlich kompetent, rhetorisch geschult, Kontroversen nicht abgeneigt, ohne je die Ebene des Anstands zu verlassen. Was sie für die Hanns-Seidel-Stiftung zu einer wertvollen Partnerin machte, ging über diese Professionalität hinaus. Es war vor allem ihr klares Bekenntnis zum Wertekanon des Grundgesetzes, zur Demokratie als Staatsform, zu dieser „schwachen starken Ordnung“, die permanent herausgefordert wird. Aber - und ihre Überzeugung wirkte ansteckend: Es war für sie auch das System, für das sich der Einsatz lohnte. Weil, und hier wurde ihr neo-realistischer Ansatz des Verständnisses der Prozesse internationaler und nationaler Politik deutlich, der Mensch nicht perfekt ist, auch dann nicht, wenn ihn beste Absichten leiten. Er macht Fehler und deshalb braucht es ein System, das Kontrolle vorsieht und Korrektur erlaubt. Die Prinzipien der Demokratie waren ihre Meilensteine.

Sie hat nicht erwartet, dass andere ihre Überzeugungen übernehmen, aber sie hat immer klar erklärt, warum sie für die westlichen Werte steht. Ihr Engagement für Israel stand auch auf den Beinen einer katholischen Fränkin. Von ihren Überzeugungen rückte sie auch nicht ab, als spätestens mit der Wahl Donald Trumps klar wurde, dass die westlichen Werte drohten, an manchen Stellen zu erodieren. Im Gegenteil: Demokratie bedeutet Arbeit. Das war ihre Überzeugung und das hat sie vorgelebt.

In dieser Konsequenz war sie eine überzeugte europäische Transatlantikerin. Ihr wissenschaftlicher Fokus war das Dreieck: Europa - Israel - USA. Bereits als Studentin der Politikwissenschaft und der Judaistik hatte sie den Nahostkonflikt zu ihrem Thema gemacht. Sie nahm an einem Forschungsprojekt des Historikers und Nahost-Experten, Prof. Dr. Michael Wolffsohn, teil, das genau diese Verbindung zwischen den drei Entitäten zum Inhalt hatte. Sie forschte in Israel und den USA und promovierte dann auch bei Prof. Wolfssohn.

2008 übernahm sie die Chefredaktion der Zeitschrift „Internationale Politik“, dem Fachorgan der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, bei der sie im Vorstand saß und die sie zu einer renommierten Plattform entwickelte. Ihr Engagement in vielen Einrichtungen, unter anderem als Vorsitzende des deutschen Netzwerks von Women in International Security, WIIS.de, trug dazu bei, dass ihr internationales Netzwerk immer größer wurde. Dass daraus auch Freundschaften entstanden, ist keinesfalls selbstverständlich und ganz deutlich ihrer beeindruckenden Persönlichkeit zu verdanken.

In ihrer Funktion als WIIS.de-Vorsitzende hat sie in der Nachfolge von Constanze Stelzenmüller die Kooperationsveranstaltung von Hanns-Seidel-Stiftung, Bayerischer Staatskanzlei und WIIS.de, das „Women`s Breakfast“, eine Seitenveranstaltung der Münchner Sicherheitskonferenz, mitgestaltet und moderiert. Dort waren unter anderem Hillary Clinton, Federica Mogherini, Madeleine Albright zu Gast bei der HSS. Sylke Tempel moderierte diese hochkarätigen Veranstaltungen absolut souverän. In den Vorbereitungen wurde immer deutlich, dass es ihr um Inhalte und Austausch ging, viel weniger um den Glanz der Rahmenbedingungen.

All das war es, warum die HSS sie so wertvoll erachtete. Auch und gerade, weil andere politische Richtungen gerne auf ihre Expertise zurückgegriffen haben. Für Sylke Tempel gab es in dieser Hinsicht keinen Spagat, weil sie ihren Werten folgte. Was sie nicht mochte war Tratsch über andere Leute, Chaos statt klarer Zielvorgabe, eine mangelnde Wertschätzung gegenüber anderen Menschen hat sie nie akzeptiert. Die Menschen um sie herum haben das gespürt. Die vielen Wertschätzungen nach ihrem bedauerlichen Tod haben das auf eindrucksvolle Weise gezeigt. Sie war eben ein ganz besonderer Mensch. Sie hat uns gezeigt, welche Anker ein Mensch setzen kann, wenn er ehrliche Werte hat und lebt und wenn er sachliche, fachlich fundierte Auseinandersetzung anzieht. Man vermisst Menschen, die veränderungsfähig sind, aber ihre Wurzeln kennen und die das Rückgrat haben, für ihre Überzeugungen einzustehen. Die HSS und viele mehr werden sie vermissen.

Kontakt
Leiterin: Dr. Claudia Schlembach
Referat II/3: Wirtschaft und Finanzen
Leiterin:  Dr. Claudia Schlembach
Telefon: 089 1258-309
Fax: 089 1258-469
E-Mail: schlembach@hss.de