Interview mit Innenminister Joachim Herrmann
"Führen in herausfordernden Zeiten"
Staatsminister Joachim Herrmann, MdL
©Bayerisches Innenministerium
Die Ainringer Ostertage 2024 stellen das Thema „Führen in heraufordernden Zeiten“ in den Mittelpunkt. Inwiefern muss sich Führung im allgemeinen und speziell im Sicherheits- und Polizeibereich an die sich schnell ändernden gesellschaftlichen Umstände anpassen und was sind die Risiken, wenn sie es nicht tut?
Wir durchleben schwierige Zeiten, global wie auch bei uns in Deutschland. Zudem wird die Gesellschaft in unserem Land immer vielfältiger und unterliegt einem immer schnelleren Wandel. Die Dynamik und Komplexität dieser Veränderungen, oftmals verbunden mit zunehmender Unsicherheit und Mehrdeutigkeit, begründen einen besonderen Anspruch an Führung.
In diesem Spannungsfeld zielt Führung immer mehr darauf ab, in vertrauensvoller gegenseitiger Beratung und Unterstützung gemeinsam mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den gesetzlichen Auftrag unserer Bayerischen Polizei zu erfüllen. Maßgeblich ist vor allem ein gemeinsames Wertefundament, das auf unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung beruhen und die Richtschnur für die Einstellung und das Verhalten aller Kolleginnen und Kollegen bilden muss. Die Auseinandersetzung mit und das alltägliche „Befüllen mit Leben“ von freiheitlich-demokratischen, ethischen und moralischen Wertvorstellungen müssen in diesem Sinne ganzheitlich verstanden werden. Führungskräfte nehmen hierbei eine Schlüsselposition ein, denn sie geben Orientierung und sind Vorbild.
Die demographische Entwicklung in Deutschland holt auch die Polizei ein. Immer weniger junge Menschen strömen auf den Arbeitsmarkt. Wie gelingt es der Bayerischen Polizei, weiterhin ein attraktiver Arbeitgeber zu sein und welche Rolle kann dabei ein sich wandelndes Führungsverständnis spielen?
Der hohe Konkurrenzdruck auf dem Arbeitsmarkt und die veränderte Erwartungshaltung der jungen Generation hinsichtlich ihrer beruflichen Tätigkeit stellt die Bayerische Polizei bereits bei der Gewinnung von Bewerberinnen und Bewerbern für die Besetzung neuer Stellen als auch für den Nachersatz von Personalabgängen vor große Herausforderungen.
Dies erfordert daher nicht nur eine an die Bedürfnisse der Zielgruppen stets angepasste Nachwuchswerbung, sondern auch eine Personalführung, die den Anforderungen der verschiedenen Generationen gleichermaßen gerecht wird. Speziell mit Blick auf die jungen Menschen ist es daher umso wichtiger, Aspekte wie etwa eine starke Mitarbeiterbindung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Work-Life-Balance oder gute Personalentwicklungs- und Karrieremöglichkeiten bestmöglich mit den Organisationszielen in Einklang zu bringen. Ein modernes Führungsverständnis, das sich bewusst diesen Herausforderungen annimmt, nimmt in diesem Kontext eine maßgebliche Rolle ein.
Auch in diesem Jahr beteiligt sich die HSS mit Teilnehmern aus 14 Ländern an den Ainringer Ostertagen. Warum ist das weltweite Engagement der HSS im Bereich der bürgernahen Polizei essentiell für die Aufrechterhaltung des Rechtsstaates und damit eine Bedingung für eine freiheitliche, demokratische Gesellschaft?
Ein wesentlicher Garant für eine erfolgreiche Polizeiarbeit in Deutschland und darüber hinaus in allen Ländern dieser Welt ist die Bürgernähe der Polizei. Bürgernahe Polizei bedeutet, dass die Polizei ihre Maßnahmen, die sie trifft, zu erklären versucht. Bürgernahe Polizei bedeutet aber auch, dass die Bürgerinnen und Bürger ihrer Polizei ihre Meinung sagen dürfen. Dies ist für die Polizei nicht immer angenehm, aber auch eine riesige Chance: Sie kann Irrtümer der Bürgerinnen und Bürger über die Polizeiarbeit korrigieren. Oder sie kann aus Irrtümern ihrer Arbeit lernen, um Fehlentwicklungen korrigieren oder sich an neue Gegebenheiten anpassen zu können.
Das weltweite Engagement der Hanns-Seidel-Stiftung in diesem Bereich, etwa durch die Organisation von Seminaren, Workshops und Hospitationen bei Polizeibehörden in zahlreichen Ländern, trägt daher nicht unerheblich zur Erhaltung des Rechtsstaates und der Meinungsfreiheit einer Gesellschaft bei.
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