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Mariä Himmelfahrt
Katholiken feiern Mutter Gottes

Autorin/Autor: Thomas Haslböck

Seit dem 5. Jahrhundert begehen die Christen Mariä Himmelfahrt. Bis heute ist das Fest in vielen katholischen Ländern gesetzlicher Feiertag. Doch was wird an diesem Tag eigentlich gefeiert?

Dass Maria, die Mutter des Erlösers, eine gewöhnliche Sterbliche sein sollte, das erschien den frühen Christen absurd. Eine zu große Rolle spielte sie im Heilsplan Gottes, zu eng war sie mit der Erlösung der gesamten Menschheit verbunden. Undenkbar, dass auch sie bis zum Jüngsten Tag auf die Auferstehung warten müsse. Für katholische Christen ist bis heute klar: Maria ist die Ersterlöste. Gott hat sie bereits nach ihrem Tod mit Leib und Seele zu sich in den Himmel aufgenommen. An Maria wird jetzt schon sichtbar, worauf alle Christen hoffen dürfen. Und das feiern sie am 15. August.

Varallo (Italien): Das Fresco von C. Secchi von der Aufnahme Mariens in den Himmel in der Kirche St. Antonio aus dem 20. Jahrhundert.

Varallo (Italien): Das Fresco von C. Secchi von der Aufnahme Mariens in den Himmel in der Kirche St. Antonio aus dem 20. Jahrhundert.

Renáta Sedmáková; HSS; Adobe Stock

Ein Fest des Triumphes

Mariä Himmelfahrt ist ein Fest des Sieges. In der leiblichen Aufnahme der Gottesmutter in den Himmel triumphiert das Leben über den Tod. Dieser triumphale Charakter erklärt auch das konkrete Datum, an dem das Fest gefeiert wird. Am 15. August ließ Kaiser Augustus seine irdischen Siege verherrlichen – ein reichsweiter Feiertag. Für die stärker werdende christliche Gemeinschaft lag es daher nahe, den bereits etablierten Festtag einem noch größeren überirdischen Sieg zu widmen. In unserem Raum erhob die Mainzer Synode das Fest im Jahr 813 zum Feiertag.

Ein Bruch der Tradition entstand erst infolge der Reformation. Der protestantischen Theologie war die Vorstellung von der Himmelfahrt Mariens mehr als suspekt. Seither gilt der 15. August den evangelischen Christen als Sterbetag der Gottesmutter – ein Gedenk-, aber kein Festtag mehr.

In Deutschland ist Mariä Himmelfahrt neben dem Saarland nur noch in den überwiegend katholischen Gemeinden Bayerns ein gesetzlicher Feiertag. Das hängt auch mit dem historisch engen Verhältnis der Bayern zur Gottesmutter zusammen. Schon in der Spätantike war ihr der Vorgängerbau des Freisinger Doms geweiht. Im Mittelalter entstanden bedeutende Marienwallfahrtsorte und -kirchen, so etwa Kloster Ettal, Altötting und die Dome von Augsburg und Eichstätt. Während des Dreißigjährigen Krieges vertraute Kurfürst Maximilian I. sein Land der Obhut der Gottesmutter an. Aus Dank für die Schonung Münchens im Dreißigjährigen Krieg stiftete er die Mariensäule auf dem Marienplatz. Im Jahr 1916 erhob Papst Benedikt XV. die Gottesmutter schließlich zur Schutzpatronin Bayerns – zur Patrona Bavariae.

Vergoldete Marienstatue vor den beiden Türmen der Münchern Frauenkirche.

Aus Dank für die Schonung Münchens im Dreißigjährigen Krieg stiftete Kurfürst Maximilian I. die Mariensäule auf dem Marienplatz.

Andi K; HSS; Adobe Stock

Dogma reagiert auf Totalitarismus

In der katholischen Kirche nahm die Vorstellung der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel eine andere Entwicklung. Sie wurde 1950 von Papst Pius XII. zum Dogma erhoben. Seither ist sie für alle katholischen Christen verbindlicher Glaubensinhalt. Der Verkündigung des Dogmas ging eine Umfrage unter allen Bischöfen voraus. 1.181 Oberhirten befürworteten den Schritt, bloß 22 stimmten dagegen. Dies muss auch vor dem Hintergrund der Schrecken des Totalitarismus gesehen werden. In den vorangegangen 20 Jahren war die Würde des Menschen in den Konzentrationslagern und Gulags mit Füßen getreten worden. Millionenfach wurden dort Geister gebrochen und Körper geschunden. Die Kirche betonte demgegenüber mit dem Verweis auf Maria, dass bei Gott die ganze Person – mit Seele und Leib – fortexistiere. Der tröstliche Gedanke dahinter: Die Person und ihre Würde lassen sich nicht endgültig zerstören.

Prozessionen und Kräutersegnung

So verwundert es nicht, dass sich gerade in Bayern viele Bräuche zum Himmelfahrtsfest erhalten haben. Überall im Land werden prachtvolle Prozessionen abgehalten – besonders bekannt sind die Fatima-Schiffsprozession in Lindau am Bodensee und die riesige Lichterprozession in Maria Vesperbild (Landkreis Günzburg). Wesentlicher Bestandteil der Volksfrömmigkeit ist außerdem die Segnung von Kräuterbuschen. Bezeugt ist dieser Brauch seit dem 14. Jahrhundert. Der Hintergrund: Mit Mariä Himmelfahrt beginnt der sogenannte Frauendreißiger – der Monat also, in dem sich besonders viele heilkräftige Kräuter sammeln lassen. Nach der Weihe erhalten die Buschen einen Ehrenplatz im Herrgottswinkel. Auf den Bauernhöfen werden die Kräuter in der Heiligen Nacht unter das Viehfutter gemischt oder als Räuchermittel für die Ställe verwendet. So wird im Brauchtumsjahr sichtbar, dass die Himmelfahrt Mariens ihren Beginn mit der Geburt ihres Sohnes nimmt.

Zu Mariae Himmelfahrt am Sonntag (15.08.2018) ist im Wallfahrtsort Maria Vesperbild nahe dem schwaebischen Ziemetshausen die Mariengrotte mit einem Blumenteppich aus orangen und gelben Tagetes geschmueckt.

Festlich geschmückte Mariengrotte in Wallfahrtsort Maria Vesperbild: Tausende Wallfahrerinnen und Wallfahrer kommen jedes Jahr am 15. August zum Gottesdienst und zur Lichterprozession durch den Wald.

IMAGO/epd

Am 15. August, dem Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel, werden traditionell im Rahmen einer Messfeier Kräuterbuschen gesegnet.

Am 15. August, dem Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel, werden traditionell im Rahmen einer Messfeier Kräuterbuschen gesegnet.

vetre; HSS; Adobe Stock

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