Interdisziplinärer Brückenschlag im Kloster Banz
"Kriegschaos und Friedensordnungen"
Wie kann das Chaos des Krieges abgewendet und die Ordnung im Frieden bewahrt werden? Darüber haben 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam mit hochkarätigen Experten im Kloster Banz diskutiert. Das Ziel war, im interdisziplinären Dialog zwischen Geschichts- und Politikwissenschaften in einer historischen Analyse strukturelle Voraussetzungen für Friedensschlüsse zu identifizieren und zu diskutieren, inwieweit diese auch für die Konflikte unserer Zeit von Bedeutung sein könnten.
Spannende Diskussionen im Kloster Banz: Was können wir aus historischen Friedensschlüssen lernen für die Konflike von heute?
©HSS
Westfälischer Friede: eine Blaupause für heute?
"Ein gelungenes Experiment", sagte Prof. Christoph Kampmann, vom Lehrstuhl Frühe Neuzeit an der Philipps-Universität Marburg über die Tagung "Kriegschaos und Friedensordnungen. Was wir aus der Geschichte lernen können".
Er machte zunächst anhand von drei Beispielen die Entstehung von Konflikten und Friedenslösungen in der Frühen Neuzeit deutlich. Er schilderte die Entwicklungen, die zu Kriegen führten und die Rahmenbedingungen für die Friedensschlüsse von London (1518), den Westfälischen Frieden (1648) sowie den Frieden von Utrecht (1713). Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer war besonders interessant, welch immense logistische Herausforderungen mit solchen Friedensschlüssen verbunden waren. Heftig diskutiert wurde die Frage, ob gerade der westfälische Friede als Vorbild für ein Ende der Kämpfe in der Ukraine taugt. Christoph Kampmann blieb hier skeptisch: „Ich warne vor einer leichtfertigen Übertragung historischer Verhandlungen als eine Blaupause für heute“, so der Historiker.
Neuausrichtung Deutschlands notwendig
Den Brückenschlag zur Gegenwart nahm im zweiten Teil der Tagung Prof. Ulrich Schlie, Direktor des Centers for Advanced Security, Strategic and Integration Studies (CASSIS) und Inhaber der Henry-Kissinger-Professur für Sicherheits- und Strategieforschung an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn auf. Der Historiker und Politologe, lange Jahre Leiter des Planungsstabes im Bundesverteidigungsministerium, lenkte die Aufmerksamkeit zunächst auf Friedensschlüsse im 20. Jahrhundert. Von den Pariser Vorortverträgen des Jahres 1919 zur Konferenz von Potsdam (1945) und der Charta von Paris des Jahres 1990 – immer wieder wurden aktuelle Parallelen aber auch Unterschiede zur Situation in der Ukraine und anderen Konfliktregionen der Gegenwart ausgelotet. In einer gemeinsamen Gruppenanalyse kam man zum Schluss, dass die grundsätzliche, globale Machtverschiebung im Vergleich zu weiten Teilen des 20. und frühen 21. Jahrhunderts eine strategische Neuausrichtung Deutschlands und Europas in Zukunft notwendig mache.
Abschließend berichtete die ehemalige Luftwaffenattachée an der US-amerikanischen Botschaft in Berlin, Commander Jill Long, von ihren persönlichen Kampferfahrungen in militärischen Einsätzen, sprach jedoch auch eindringlich über die Notwendigkeit einer stärkeren ganzheitlichen strategischen Ausrichtung moderner Friedensbewahrungsanstrengungen. Sie betonte neben den traditionell linearen Problemlösungsansätze seien systematischere Strategien nötig, um in einer komplexer werdenden Welt stabilen Frieden zu schaffen. (Die nebenstehende Abbildung zeigt diesen Ansatz in grafischer Form.)
Es war ein Parforceritt durch die Geschichte, der nicht oberflächlich geriet, sondern durch den interdisziplinären Ansatz zahlreiche Gelegenheiten für fruchtbare Diskussionen bot. Dr. Martin Barth, der Generalsekretär der Görres-Gesellschaft dankte der Hanns-Seidel-Stiftung und Dr. Michael Hahn für die gemeinsame Organisation dieser fulminanten Tagung: „Gerne greift die Görres-Gesellschaft den Gedanken auf, auch im kommenden Jahr wieder eine gemeinsame Tagung an diesem herrlichen Ort durchzuführen!“
Autoren: Dr. Martin Barth, Dr. Michael Hahn, HSS
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