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CLEANTECH für Bayern
Mobil mit Wasserstoff - KEYOU GmbH

Autor: Maria Geyer

Wie kann zukünftig CO2 eingespart werden? Neben innovativen Technologien spielt auch CO2-frei erzeugter, grüner Wasserstoff eine besondere Rolle. Dieser kann vielfältig und flexibel eingesetzt werden, etwa für die Mobilität, für saubere Motoren. Thomas Korn, Geschäftsführer und einer der Gründer der KEYOU GmbH, beschreibt, wie Motoren mit Wasserstoff betrieben werden.

Thomas Korn studierte an der FH in München Ingenieurwesen mit dem Schwerpunkt „Technische Physik“. Ende der 90er startete er seine Berufslaufbahn als Entwicklungsingenieur in der F&E-Abteilung bei BMW und beschäftigte sich dort überwiegend mit den Themen alternative Antriebe und alternative Kraftstoffe. In dieser Zeit war er maßgeblich an der Entwicklung zweier Generationen von Wasserstoff-Fahrzeugen beteiligt. Ab 2001 verantwortete er für BMW die Forschungsabteilung für Brennstoffzellentechnologie, ehe er 2006 für BMW nach Kalifornien ging und dort als Projektmanager das H2-Fahrzeug- und Tankstellenprogramm für BMW-Nordamerika leitete. Anschließend wechselte er zur Firma Alset als Vice-President für den Bereich Technologie und Innovation und sammelte dort seine erste Start-up-Erfahrung. 2015 gründete Thomas Korn schließlich mit Markus Schneider und Alvaro Sousa das Start-up KEYOU. Als CEO verwirklicht er dort seinen Traum von der Entwicklung nachhaltiger und sauberer Wasserstoffmotoren.

Thomas Korn studierte an der FH in München Ingenieurwesen mit dem Schwerpunkt „Technische Physik“. Ende der 90er startete er seine Berufslaufbahn als Entwicklungsingenieur in der F&E-Abteilung bei BMW und beschäftigte sich dort überwiegend mit den Themen alternative Antriebe und alternative Kraftstoffe. In dieser Zeit war er maßgeblich an der Entwicklung zweier Generationen von Wasserstoff-Fahrzeugen beteiligt. Ab 2001 verantwortete er für BMW die Forschungsabteilung für Brennstoffzellentechnologie, ehe er 2006 für BMW nach Kalifornien ging und dort als Projektmanager das H2-Fahrzeug- und Tankstellenprogramm für BMW-Nordamerika leitete. Anschließend wechselte er zur Firma Alset als Vice-President für den Bereich Technologie und Innovation und sammelte dort seine erste Start-up-Erfahrung. 2015 gründete Thomas Korn schließlich mit Markus Schneider und Alvaro Sousa das Start-up KEYOU. Als CEO verwirklicht er dort seinen Traum von der Entwicklung nachhaltiger und sauberer Wasserstoffmotoren.

KEYOU GmbH

Die KEYOU GmbH mit Sitz in München entwickelt Technologien, mit denen konventionelle Verbrennungsmotoren in emissionsfreie Wasserstoffmotoren umgewandelt werden können. Das Unternehmen will so für saubere Mobilität sorgen. Hier erfahren Sie mehr.

HSS: Herr Korn, Ihr Unternehmen wandelt Motoren in emissionsfreie Wasserstoffmotoren um. Wieso sind Sie führend in dieser Technologie?

Thomas Korn: Wir Gründer können auf rund 20 Jahre Erfahrung in der Entwicklung von Wasserstofftechnologien und Wasserstoffmotoren blicken. Prägend war sicherlich die Zeit um die Jahrtausendwende bei BMW, als wir intensive Erfahrungen bei der Entwicklung von drei Generationen des 7er-BMW mit Wasserstoffmotor sammeln konnten. Nachdem sich der politische Fokus Mitte der 2000er Jahre weg vom Wasserstoff hin zu Elektromobilität veränderte, haben wir drei Gründer die Entwicklung von Wasserstoffmotoren bei einem Start-up in Österreich, in dem ein Rennsportfahrzeug für Wasserstoff weiterentwickelt wurde, fortgesetzt. Zu diesem Zeitpunkt hat sich die Automobilindustrie schon nicht mehr mit der Technologie auseinandergesetzt. 2015 haben wir mit KEYOU schließlich unser eigenes Unternehmen gegründet. Seitdem treiben wir die Entwicklung von Wasserstoffmotoren mit der „KEYOU inside“-Technologie voran. Mit den Ergebnissen unseres ersten Diesel-Nutzfahrzeug-Wasserstoffmotors erkennen seit 2018 zunehmend mehr Fahrzeug- und Motorhersteller das Potenzial des Wasserstoffverbrennungsmotors. In der Vergangenheit haben wir einige von ihnen bei der Entwicklung von Wasserstoffmotoren unterstützt, machen dies auch heute noch selektiv, wenngleich unser Endkunde mittlerweile der Flottenbetreiber selbst ist. Und hier sind wir derzeit weltweit die Ersten, die Endkunden einen LKW mit CO2-freiem Wasserstoffmotor anbieten können. Erst vor Kurzem haben wir dafür den Grundstein gelegt – Anfang Mai, kurz vor der Messe „Transport Logistic“, haben wir für unseren Prototyp-LKW die Straßenzulassung vom TÜV erhalten. Ende 2023 sollen die ersten von uns umgerüsteten CO2-freien LKW ausgeliefert werden.

HSS: Welche Arten von Motoren können von Ihnen in Wasserstoffmotoren umgewandelt werden?

Thomas Korn: Mit unserer „KEYOU inside“-Technologie können alle konventionellen Benzin- und Dieselmotoren in den Hubraumklassen 4L-30L ein Upgrade zu Zero-CO2-Wasserstoffmotoren erfahren. Im Grunde kann man jeden Benzin- oder Dieselmotor zu einem CO2-freien Wasserstoffmotor umrüsten, egal ob dieser Motor auf der Straße, auf der Schiene oder im maritimen Bereich eingesetzt wird. Wir selbst konzentrieren uns derzeit auf den klassischen Nutzfahrzeugsektor und hier speziell auf den Bereich zwischen 18 t und 40 t. Im erweiterten Sinne gehören dazu auch Off-Road-Maschinen und -Fahrzeuge, die üblicherweise eine Lebensdauer von rund 10-30 Jahren haben, also beispielsweise Bau- und Landmaschinen oder Minenfahrzeuge.

HSS: Welche Vorteile hat eine solche Motorumwandlung für den Verbraucher?

Thomas Korn: Durch die Umrüstung seiner Bestandsfahrzeuge und Maschinen kann ein Betreiber seine Flotte rasch kosteneffizient dekarbonisieren. Der große Vorteil der Umrüstung für den Verbraucher bzw. Flottenbetreiber liegt darin, dass wir Bestandsfahrzeuge fit für die Zukunft machen – Stichwort „Second Life“ eines Fahrzeugs – und er modernste CO2-freie Technologie ohne Risiko bekommt. Unseren Kunden bieten wir die Umrüstung im Rahmen eines „pay per use“-Modells an. Dies hat den Vorteil, dass hohe Anfangsinvestitionen entfallen, d. h. Kunden zahlen nur die gefahrenen Kilometer und lernen die neue Technik im Rahmen eines Mietmodells schrittweise kennen. Um Service und Wartung sowie Versicherung muss man sich ebenso wenig kümmern wie um den Kraftstoff, da dies alles in der monatlichen Kilometerpauschale (rechnerisch) enthalten ist. Das Endprodukt und dessen Gesamtnutzen bewegen sich dann sehr nah an dem, was der Kunde bereits gewohnt ist: kurze Betankungszeiten, ein sehr robuster und alltagstauglicher Motor, entsprechende Reichweiten und eine hohe Kosteneffizienz. Unser neues Motto heißt deswegen auch „As always. But green“.

KEYOU LKW mit H2-Motor im Münchner Umland – 

Nach Thomas Korn kann „CleanTech“ zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen: „Im besten Fall bringt CleanTech wirtschaftliches Wachstum mit sozialer Gerechtigkeit und Umweltschutz in Einklang. Saubere Technologien bieten Möglichkeiten für grüne Arbeitsplätze, fördern Innovationen und schaffen neue Märkte für umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen – und damit neue wirtschaftliche Chancen. CleanTech drückt das aus, was auch wir wollen: eine lebenswerte Umwelt für zukünftige Generationen schaffen! Wir setzen dabei auf den Kraftstoff und Energieträger der Zukunft – Wasserstoff.“

KEYOU LKW mit H2-Motor im Münchner Umland – Nach Thomas Korn kann „CleanTech“ zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen: „Im besten Fall bringt CleanTech wirtschaftliches Wachstum mit sozialer Gerechtigkeit und Umweltschutz in Einklang. Saubere Technologien bieten Möglichkeiten für grüne Arbeitsplätze, fördern Innovationen und schaffen neue Märkte für umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen – und damit neue wirtschaftliche Chancen. CleanTech drückt das aus, was auch wir wollen: eine lebenswerte Umwelt für zukünftige Generationen schaffen! Wir setzen dabei auf den Kraftstoff und Energieträger der Zukunft – Wasserstoff.“

KEYOU GmbH

HSS: Ist die Umwandlung eines Motors zeit- bzw. kostenaufwendig?

Thomas Korn: Zunächst muss das Umrüstsystem auf einen Motor angepasst werden. Dieser Entwicklungsprozess dauert mit entsprechender Qualitätsabsicherung heute ca. 2 Jahre. Nachdem das System angepasst wurde, kann die Motor-Umrüstung in wenigen Stunden erfolgen. Aufwendiger ist die Fahrzeugumrüstung, bei der die Dieseltanks durch Wasserstofftanks ersetzt werden. Hier planen wir in Abhängigkeit der aufgebauten Logistik derzeit wenige Tage ein.
Die Umrüstkosten sind stückzahlabhängig, deshalb ist es sinnvoll, für die Anpassung des „KEYOU inside“-Systems Motoren auszuwählen, die vielfach auf dem Markt verkauft werden. Eines aber kann man klar konstatieren: Die Umrüstung ist in Summe für den Flottenbetreiber deutlich kostengünstiger als vergleichbare andere alternative Antriebstechnologien wie Batterie oder Brennstoffzelle.

HSS: Ab 2035 dürfen in der EU nur noch Neuwagen mit Verbrennungsmotor zugelassen werden, die beim Fahren emissionsfrei sind. Wie sehen Sie diese Entscheidung mit Blick auf Ihre Technologie?

Thomas Korn: In der CO2-Gesetzgebung für Nutzfahrzeuge der EU, die 2019 implementiert wurde, ist der Wasserstoffverbrennungsmotor als Zero-CO2-Technologie berücksichtigt und wird somit gleichwertig zu batterieelektrischen Fahrzeugen angesehen und behandelt. Fahrzeuge mit Wasserstoffverbrennungsmotor können also auch nach 2035 noch problemlos gefahren werden. Wir begrüßen die Regelung der EU, die erkannt hat, dass der Verbrennungsmotor mit Wasserstoff eine ideale Technologie ist, um schnell kosteneffiziente und leistungsstarke CO2-freie Fahrzeuge herzustellen und umzurüsten. Wir benötigen rasch hohe Fahrzeugstückzahlen, damit eine Wasserstofftankstelleninfrastruktur aufgebaut werden kann. Die EU hat über den Europäischen Innovationsrat ebenfalls in KEYOU investiert und unterstützt unsere Entwicklungen auch finanziell.

HSS: Mit seiner Wasserstoffstrategie will Bayern innovative Wasserstofftechnologien fördern. Inwieweit profitieren Sie davon?

Thomas Korn: Wir wurden bereits 2021 vom bayerischen Wirtschaftsministerium bei der Entwicklung eines wasserstoff- und elektroangetriebenen Stadtbusses mit einer Förderung unterstützt. Vor Kurzem haben wir dafür sogar den Innovationspreis einer anerkannten Fachzeitschrift erhalten. Die Förderung hat uns natürlich sehr geholfen. Wir hoffen, dass zukünftig auch Diesel-LKW- und Busbetreiber mit einer Förderung für die Umrüstung zum CO2-freien Wasserstoffmotor unterstützt werden. Leider ist dies zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht der Fall. Hier muss aus unserer Sicht auf Bundes- bzw. Landesebene noch einiges passieren. Denn es kann nicht sein, dass eine Zero-CO2-Technologie, die zweifelsohne zur Dekarbonisierung im Verkehrssektor ihren Beitrag leistet, auf Entwicklungsseite gefördert wird, jedoch nicht auf Endkundenseite. Hier fordern wir eine gewisse Fairness von politischer Seite und damit letztendlich eine Gleichstellung aller Zero-CO2-definierten Technologien. Schließlich wollen wir alle vermeiden, dass Flottenbetreiber über 2040 hinaus noch größtenteils mit Dieselmotoren fahren.

HSS: Mit welchen weiteren Innovationen von Ihrem Unternehmen können wir in Zukunft rechnen?

Thomas Korn: Wir arbeiten ständig an Verbesserungen bei der Umrüstung der Motoren, erforschen weitere Entwicklungsfelder und haben extra dafür eine eigenständige Innovationsabteilung im Unternehmen. Auch in der Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen entstehen innovative Ideen. So sind wir beispielsweise eine Partnerschaft mit einem Start-up eingegangen (water stuff & sun GmbH), mit dem wir eine Wasserstoffspeichertechnologie entwickeln, die sog. „Wasserstoffbatterie“. Von dieser Technologie kann letztendlich die gesamte Wasserstoffmobilität profitieren. Übrigens: Das Unternehmen ist ebenfalls in Bayern beheimatet, in der Nähe von München, in Unterschleißheim.

Vielen Dank für das Interview!

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