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Archivale des Monats Dezember 2024
Nehmet den Weihnachtsfrieden, die fröhliche Festlichkeit und die Freude am Schenken mit ins Neue Jahr! – Eine Weihnachtskarte von Hans Klein

Autorin/Autor: Stefan Obermeier

Weihnachten, das Fest der Liebe, der Hoffnung, des Friedens steht bevor. Diesem Fest widmet das Archiv für Christlich-Soziale Politik das letzte Archivale des Monats im Jahr 2024 – eine Weihnachtskarte aus dem Nachlass von Hans Klein (NL Klein : 1413).

Weihnachtsgrüße vor Social Media

Während in heutigen Zeiten von Social Media die meisten Politiker ihre Weihnachtsgrüße in digitaler Form versenden, war es lange Zeit eine liebgewonnene Tradition, Weihnachtskarten zu verschicken. In zahlreichen Nachlässen des Archivs für Christlich-Soziale Politik lassen sich Karten finden, mit denen Politiker weihnachtliche Botschaften an verschiedene Personenkreise von Parteikollegen über Unterstützer bis hin zu Hilfsbedürftigen richten. Besonders aufwändig gestaltete dabei Hans Klein seine Weihnachtskarten, die dem Archiv für Christlich-Soziale Politik aus der Zeit von 1987 bis 1995 vorliegen. 

Hans Klein auf dem CSU-Parteitag am 20./21.11.1987 in München

Hans Klein auf dem CSU-Parteitag am 20./21.11.1987 in München

Winfried Rabanus; ACSP; ACSP, Rabanus Winfried: 80/22/24

Exkurs: Kurzporträt zu Hans Klein

Hans Klein wurde am 11. Juli 1931 im sudetendeutschen Mährisch Schönberg (Tschechien) geboren und gelangte nach dem Zweiten Weltkrieg als Vertriebener nach Bayern. Nach erfolgreicher Schulausbildung und einem Studium der Volkswirtschaftslehre und Geschichte in England folgten verschiedene journalistische Tätigkeiten, u.a. als Presseattaché an den deutschen Botschaften in Jordanien, Syrien, Irak und Indonesien sowie als Pressechef der Olympischen Spiele 1972 in München. 1976 wurde Hans Klein, zuvor bereits als Redenschreiber und Berater in Nahost-Fragen für Franz Josef Strauß tätig, in den Deutschen Bundestag gewählt, dem er bis zu seinem Tod 1996 angehörte. Hans Klein hatte u.a. das Amt des außenpolitischen Sprechers der CDU/CSU-Bundestagsfraktion (1982-1987), des Bundesministers für wirtschaftliche Zusammenarbeit (1987-1989) und für besondere Aufgaben (1989-1990) sowie des Vizepräsidenten des Deutschen Bundestags (1990-1996) inne. 
(Presseartikel über Hans Klein, in: NL Klein : 1843; Broschüre zum Staatsakt (2.12.1996) anlässlich des Todes von Hans Klein im Plenarsaal des Deutschen Bundestags in Bonn, in: NL Klein : 1841)

Eine Weihnachtskarte aus dem Jahr 1994

Hans Kleins Weihnachtskarten waren stets im DinA5-Format gehalten. Auf der Titelseite wurde mit dem Spruch Nehmet den Weihnachtsfrieden, die fröhliche Festlichkeit und die Freude am Schenken mit ins Neue Jahr! der Friedensgedanke und der feierliche Charakter des Weihnachtsfests aufgegriffen. Die Innenseite der gefalteten Karte bestand aus einer Text- sowie einer Bildhälfte, wie das aus dem Jahr 1994 stammende Archivale des Monats exemplarisch zeigt. 

Weihnachtskarte von Hans Klein aus dem Jahr 1994 – Innenseite

ACSP; ACSP, NL Klein : 1413

Zu Beginn seiner Ausführungen nimmt Hans Klein auf das Superwahljahr 1994 Bezug, in dem die deutschen Bürgerinnen und Bürger zu einer Europa-, Bundes- und – im Falle Bayerns – Landtagswahl aufgerufen waren. Der Satz Die Hektik des politischen Lebens, der wirtschaftlichen Zwänge, der persönlichen Pflichten bewirkt eher das Gegenteil von Besinnlichkeit erscheint dabei zeitlos und ist auch auf unsere Gegenwart übertragbar. Oftmals greift Hans Klein in seinen Weihnachtstexten Bibelzitate auf, bringt gesellschaftliche und politische Herausforderungen zur Sprache und schlägt im Zuge dessen Brücken zwischen religiösen Botschaften und Problemen der jeweiligen Zeit. 1994 befasst er sich hingegen mit einem Weihnachtsgedicht, das für ihn das Sehnsuchtsgefühl nach vergangener Kinderseligkeit übermittelt. Erst am Ende seines Textes beantwortet er die zunächst offen gelassene Frage nach dem Autor des Gedichts: Es stammt vom eher für humoristische als für weihnachtliche Texte bekannten Joachim Ringelnatz. 

Rechterhand ziert eine mit dem Wunsch Friede auf Erden verbundene, biedermeierliche Zeichnung des Malers Ludwig Richter aus dem Jahre 1855 die Karte. Die Darstellung handelt vom Turmblasen, dessen Wurzeln auf den mittelalterlichen Türmer zurückgehen. Neben seiner eigentlichen Aufgabe, Gefahren wie Brände oder nahende feindliche Truppen zu erkennen und seine Mitmenschen durch Hornsignale zu warnen, oblag es ihm auch, regelmäßig Musikstücke aufzuführen. Die Turmmusik wurde trotz einer immer geringeren Verbreitung des Berufs des Türmers nach dem Mittelalter weiterentwickelt. Passend zu dieser Abbildung widmeten sich v.a. im 19. Jahrhundert protestantische Künstler verstärkt dieser Musikrichtung, die bis heute speziell in der Advents- und Weihnachtszeit noch vielerorts zu hören ist. 

Telefonkarte von Hans Klein zur Bundestagswahl 1994

Telefonkarte von Hans Klein zur Bundestagswahl 1994

ACSP; ACSP, NL Klein : 1413

Die Innenseite der Karte enthielt teilweise ein farbiges Einlegeblatt. Für die textliche Gestaltung des Einlegeblatts wurden zwei Versionen ausgearbeitet. So wendet sich Hans Klein zunächst folgendermaßen an Personen, die ihn im Jahr 1994 unterstützten: Dank für alle Hilfe 1994, für moralische Unterstützung und vielfältige Mitwirkung im Bundestagswahlkampf. Dank für Freundschaft und Zuwendung in schwierigen Tagen. Herzlichst Hans Klein. (NL Klein : 1413)
Die zweite Botschaft ist mit den Zeilen Mit Komplimenten und Grüßen aus München in herzlicher Verbundenheit überreicht von Hans Klein, Vizepräsident des Deutschen Bundestags (NL Klein : 1413) indessen etwas allgemeiner gehalten. 

Auf der Rückseite des Einlegblattes war mit einem Presseartikel aus dem Deutschland-Magazin eine Replik an das Superwahljahr 1994 abgedruckt. In diesem wird von der damals innovativen Wahlkampf-Idee von Hans Klein berichtet, zusammen mit Münchner CSU-Bundestagskollegen Telefonkarten als Werbemedium einzusetzen. 

Insgesamt ließ Hans Klein laut den uns überlieferten Unterlagen 750 Exemplare dieser Weihnachtskarte drucken, wobei 300 Karten mit einem Einlegeblatt ausgestattet waren. Hiervon wurden wiederum 200 Karten mit der ersten und 100 Karten mit der zweiten Textversion versehen. (Lieferschein/Notizen, in: NL Klein : 1413) 
Bei den restlichen Weihnachtskarten ist von einer Versendung ohne Einlegeblatt auszugehen. Eine Adressliste mit weiterführenden Hinweisen auf die Empfänger der Weihnachtskarte liegt nicht vor. 

Kontakt

Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Stefan Obermeier
Archiv für Christlich-Soziale Politik (ACSP), Politisch-historische Fachbibliothek
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
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