Print logo
Zur Hauptnavigation springen Zum Hauptinhalt springen

Bis 2035 in die Top 15 der ölproduzierenden Länder
Neue Ära für Namibia

Autorin/Autor: Dr. Clemens von Doderer

Neben den Grünen-Wasserstoffprojekten macht Namibia seit kurzem auch aufgrund von großen Öl- und Gasfunden vor der Küste von sich Reden. Mehr als 700 Teilnehmer aus dem In- und Ausland, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler, Politiker und Vertreter der Zivilgesellschaft kamen in Windhoek zusammen, um eine nachhaltige, wirtschaftliche Entwicklung dieser Ressourcen im Sinne der lokalen Bevölkerung und im Einklang mit der Natur zu diskutieren. Ziel: Namibia soll das Norwegen Afrikas werden.

Windhoek/ Namibia – Vor über 700 Gästen aus dem In- und Ausland unterstrich die namibische Premierministerin, Saara Kuugongelwa-Amadhila, die Chancen für ihr Land. Namibias Zeit sei gekommen, so die Premierministerin. Die Berichte über die großen Öl- und Gasfunde vor der Küste des Landes haben das Namibia-Büro der Hanns-Seidel-Stiftung (HSS) dazu veranlasst, zusammen mit der Economic Association of Namibia (EAN) und dem Namibia Investment Promotion and Development Board (NIPDB) im August 2023 eine nationale Konferenz unter dem Thema ‘Namibia National Oil and Gas Conference: Leveraging the Recent Oil Discoveries for Inclusive Development’, in Windhoek, Namibia zu organisieren.

Kuugongelwa-Amadhila steht hinter dem Podium und hält eine Rede.

R.H. Saara Kuugongelwa-Amadhila, Premierministerin der Republik Namibia

EAN

Plötzlich reich

Die Öl- und Gasfunde der vergangenen 18 Monate im sogenannten Orange Basin, etwa 200-300 km westlich der Hafenstadt Lüderitz, bedeuten eine große Chance für das bevölkerungsarme Land mit nur 2,6 Millionen Einwohnern im Südwesten Afrikas. Wenigstens 11 Milliarden Barrel Öl und 2.2 Billionen Kubikmeter Gas werden in einer Tiefe von etwa 3000 Meter erwartet. Die Auswirkungen auf die Wirtschaft des Schwellenlandes wären enorm. Bis 2040 könnte die Wirtschaftskraft Namibias von derzeit 13 Milliarden US-Dollar auf 37 Milliarden US-Dollar anwachsen, so die Einschätzung lokaler Ökonomen. Bis 2043 könnte das Bruttoinlandsprodukt von aktuell knapp 13 Milliarden US-Dollar auf gigantische 240 Milliarden steigen, sagte Premierministerin Saara Kuugongelwa-Amadhila in ihrer Ansprache.

Auch für den Arbeitsmarkt rechnet die namibische Regierung mit erheblichen Veränderungen. 4200 neue Arbeitsplätze könnten allein durch die Entwicklung und den Bau der benötigten Anlagen entstehen. Der Betrieb soll wenigstens 2,000 Arbeitnehmern ein Einkommen sichern. Die Arbeitsplätze im Zulieferbereich und die, die indirekt entstehen, etwa im Bildungs- und Gesundheitsbereich,  sind in dieser Berechnung noch nicht enthalten. Zwei Drittel der namibischen Bevölkerung gelten als arm und leben von weniger als fünf Euro am Tag. Mit Blick auf die Arbeitslosigkeit, die offiziellen Zahlen zu Folge bei knapp 21 Prozent liegt, und einer Jugendarbeitslosigkeit von etwa 50 Prozent, lösen die Entwicklungen hohe Erwartungen in der Bevölkerung aus.

Clemens von Doderer am Rednerpult, sprechend

"Namibia hat die einmalige Chance, das Norwegen Afrikas zu werden." (Clemens von Doderer, Repräsentant der Hanns-Seidel-Stiftung in Namibia)

EAN

Sozial gerecht und nachhaltig

Nicht nur auf dem afrikanischen Kontinent gilt die namibische Verfassung als eine der Fortschrittlichsten, schreibt sie doch Umweltschutz und nachhaltige Ressourcennutzung zum Vorteil derzeitiger und zukünftiger Generationen verpflichtend vor. „In erster Linie obliegt uns die Pflicht, mit der Entwicklung eines Öl- und Gassektors eine gerechte, wirtschaftliche Entwicklung zu ermöglichen“, so Kuugongelwa-Amadhila. „Oberstes Ziel muss dabei eine transparente Umsetzung sein, die frei von Korruption und anderen unethischen Praktiken sein muss, und die Namibias unberührte Umwelt in keiner Weise gefährdet.“ Es bestand auch grundsätzliche Einigkeit der Teilnehmenden darüber, dass die Welt weg von fossilen Brennstoffe und zu einer kohlenstofffreien Zukunft kommen müsse.

Die von den drei Organisationen initiierte Konferenz richtete sich nicht nur an Vertreter der Wirtschaft in Namibia oder an wichtige Akteure der internationalen Öl- und Gas-Industrie, sondern auch an Vertreter des öffentlichen Sektors und insbesondere der Zivilgesellschaft. Letztere sind von entscheidender Bedeutung, um sicherzustellen, dass Umwelt- und Sozialstandards durch- und umgesetzt werden. In diesem Sinne wurden auf der Konferenz Themen rund um Investitionsmöglichkeiten, Finanzierung, Wertschöpfungsketten und Infrastruktur, aber eben auch zur Schaffung von Arbeitsplätzen, mehr Bildung, bessere wirtschaftliche Beteiligung der Bevölkerung, insbesondere der lokalen Gemeinschaften sowie Umwelt- und Klimaschutzbelange erörtert.

Im Rahmen der Konferenz wurden positive wie negative Beispiele auf dem afrikanischen Kontinent und der ganzen Welt beleuchtet. Eine Reihe von Sprechern kam aus dem benachbarten Angola, aber auch aus Nigeria und Uganda. In der Vergangenheit haben gerade Angola und Nigeria mit Blick auf soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz nicht gerade positiv von sich reden gemacht. Man habe aus Fehlern in der Vergangenheit gelernt und Schritte für Reformen eingeleitet. Die Regierungen würden sich zusammen mit den Energieunternehmen, für eine gerechtere Verteilung, bessere soziale Standards und für Umwelt- und Klimaschutz einsetzen.

Mehr Informationen finden Sie hier.

v.l.n.r. Dr. Clemens von Doderer, Repräsentant der Hanns-Seidel-Stiftung in Namibia; Kandali Iyambo, Executive: MSB, NAMPOWER, Republic of Namibia; Jide Jadesimi, Executive Director, LADOL, Federal Republic of Nigeria; Andrew Kanime, Chief Executive Officer, Namibia Ports Authority (NamPort), Republic of Namibia; Eng. Dr. Michael Nkambo Mugerwa, General Manager, UNOC Refinery, Republic of Uganda

v.l.n.r. Dr. Clemens von Doderer, Repräsentant der Hanns-Seidel-Stiftung in Namibia; Kandali Iyambo, Executive: MSB, NAMPOWER, Republic of Namibia; Jide Jadesimi, Executive Director, LADOL, Federal Republic of Nigeria; Andrew Kanime, Chief Executive Officer, Namibia Ports Authority (NamPort), Republic of Namibia; Eng. Dr. Michael Nkambo Mugerwa, General Manager, UNOC Refinery, Republic of Uganda

Das Norwegen Afrikas

Besondere Aufmerksamkeit erhielten die Beispiele Norwegen und Guyana, das sich in der jüngeren Vergangenheit auf den Weg gemacht hat, ebenfalls ein Energieland zu werden. Wie Dr. Stian Nordengen Christensen, der stellvertretende Botschafter Norwegens der Botschaft in Pretoria, unterstrich, gilt es bei der Entwicklung eines Öl- und Gassektors eine Reihe von Grundregeln zu beachten. Zum einen brauche es einen politischen Konsens und einen ganzheitlichen Ansatz, was die Langzeitvision angeht. Zum anderen müsse man eine zu starke Abhängigkeit von nur einem Sektor vermeiden und eine diversifizierte Wirtschaft sicherstellen. Grundlage dafür sei ein robuster Gesetzes- und Rechtsrahmen, der insbesondere vor Korruption und Misswirtschaft schützt. Zudem müsse gezielt in Bildung und die Entwicklung des eigenen Arbeitsmarktes investiert werden. Aber auch die Verantwortung für den Schutz der Umwelt und des Klimas dürfe nicht vernachlässigt werden.

Mit insgesamt 52 Sprechern und Moderatoren, 700 Teilnehmern aus mehr als 25 Ländern stellte die Konferenz für Namibia einen Meilenstein für eine nachhaltige Entwicklung des Öl- und Gassektors dar. Auch der namibische Energieminister, Tom Alweendo, zeigte sich beeindruckt. „Die Konferenz ist eine ideale Plattform um sich zum Thema sinnvoll auszutauschen und Ideen mitteilen zu können“, so der Minister.

Die Erkenntnisse und Analysen der Konferenz werden in einem Bericht zusammengefasst und der namibischen Regierung übermittelt. Sie werden als wichtige Resolutionen Teil des strategischen Fahrplans sowohl für den öffentlichen als auch für den privaten Sektor und dazu beitragen, dass das Land am besten im Sinne der nachhaltigen Entwicklung von diesem neuen Sektor profitieren kann.

Kontakt

Projektleitung: Dr. Clemens von Doderer
Extern
Projektleitung
: Dr. Susanne Luther
Leiterin
Institut für Internationale Zusammenarbeit
Telefon: 
Fax: 
E-Mail: