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Münchner Sicherheitskonferenz 2025
Russlands Einfluss in Afrika wächst

Autorin/Autor: Hanns Bühler

Russland weitet mit dem Africa Corps und der Wagner-Gruppe seinen Einfluss in Afrika aus. Eine neue Studie der HSS und der GI-TOC zeigt, wie Söldner, Rohstoffgeschäfte und politische Interessen die Region destabilisieren.

 

Im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz veröffentlicht die HSS gemeinsam mit der Global Initiative against Transnational Organized Crime (GI-TOC) die Studie "Söldner und illegale Märkte: Russlands Afrika Corps und das Geschäft mit dem Konflikt".

Im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz veröffentlicht die HSS gemeinsam mit der Global Initiative against Transnational Organized Crime (GI-TOC) die Studie "Söldner und illegale Märkte: Russlands Afrika Corps und das Geschäft mit dem Konflikt".

Unter dem Titel: Söldner und illegale Märkte: Russlands Afrika Corps und das Geschäft mit dem Konflikt veröffentlicht die HSS gemeinsam mit der Global Initiative Against Transnational Organized Crime (GI-TOC) eine neue Studie auf der Münchner Sicherheitskonferenz.  Die Studie wirft einen genauen Blick auf die Entwicklung der Wagner-Gruppe in Afrika nach dem Tod ihres Anführers Yevgeny Prigozhin im August 2023 und der Gründung des Afrika Corps, einer Nachfolgeorganisation durch den russischen Staat. Die Analyse macht deutlich: Während die Wagner-Gruppe anfangs in Afrika noch verdeckt zum Einsatz kam, agiert Russland heute ganz offen mit paramilitärischen Organisationen, wie dem Afrika Corps, auf dem afrikanischen Kontinent. 

Staatlich unterstützte Kampftruppen mit politischem Auftrag

Die Wagner-Gruppe ist mehr als nur eine Söldnertruppe. Anfangs handelte sie im Geheimen für Russland, wurde aber schnell zum sichtbarsten Zeichen russischer Einflussnahme – besonders in der Sahelzone und Zentralafrika. Seit ihrem ersten bekannten Einsatz in Afrika Ende 2017 hat die Wagner-Gruppe ihre Präsenz stark ausgebaut. Tatsächlich handelt es sich dabei um ein Firmenkonglomerat, das wirtschaftliche, politische und militärische Interessen vertritt und als verlängerter Arm des Kremls gilt. Russland nutzt militärische Unterstützung, um autokratische Eliten zu stärken, Zugang zu Rohstoffen zu erhalten und politischen Einfluss auszuweiten. Paramilitärische Organisationen, die im Auftrag des Kremls agieren, sind mittlerweile ein zentraler Bestandteil der russischen Geopolitik. Der Tod von Prigozhin oder die Gründung der Nachfolgeorganisation Afrika Corps haben an dieser Entwicklung nichts geändert.

Der Wagner-Gruppe wird vorgeworfen, ihre Ziele mit allen Mitteln, einschließlich krimineller Machenschaften, zu verfolgen: Dazu gehören Gewalt gegen Zivilisten, Desinformationskampagnen, Wahlmanipulation und der groß angelegte Schmuggel von Gold und Diamanten. Nach dem Aufstand der Wagner-Gruppe in Russland im Juni 2023 wurde ihre Präsenz in der Ukraine, die den Großteil ihrer Operationen ausmachte, reduziert. Große Mengen an Waffen wurden an das russische Verteidigungsministerium übertragen. Experten gehen davon aus, dass die Wagner-Gruppe heute nur noch 5.000 Mitglieder hat - im Vergleich zu rund 50.000 im Jahr 2023. Ihr Fokus liegt nun auf Einsätzen in Weißrussland und Afrika. 

Die Abbildung zeigt die Zahl gewaltsamer Zwischenfälle mit Beteiligung russischer Söldner in Afrika. Die Daten zeigen, dass die Häufigkeit gewalttätiger Vorfälle, an denen die Wagner-Gruppe oder das Afrika Corps beteiligt waren, in der zweiten Hälfte des Jahres 2023 zugenommen hat. Gleichzeitig waren die russischen Söldner in mehr afrikanischen Ländern aktiv.

Die Abbildung zeigt die Zahl gewaltsamer Zwischenfälle mit Beteiligung russischer Söldner in Afrika. Die Daten zeigen, dass die Häufigkeit gewalttätiger Vorfälle, an denen die Wagner-Gruppe oder das Afrika Corps beteiligt waren, in der zweiten Hälfte des Jahres 2023 zugenommen hat. Gleichzeitig waren die russischen Söldner in mehr afrikanischen Ländern aktiv.

© ACLED

Das Africa Corps: alter Wein in neuen Schläuchen

Nach dem Tod des Wagner-Chefs  Yevgeny Prigozhin dachten viele, dass die Gruppe in Afrika nicht mehr aktiv sei. „Doch der russische stellvertretende Verteidigungsminister, Yunus-Bek Yevkurov, begleitet von ranghohen Militärs, begann sofort mit einer Reise durch die Partnerländer der Wagner-Gruppe in Afrika, um die Kontrolle des russischen Staates über abtrünnige Söldner zu bekräftigen und die Kontinuität der Operationen sicherzustellen“, erklärt Julia Stanyard, Analystin der Global Initiative against Transnational Crime und Hauptautorin der Studie. Ende 2023 wurde ein Kontingent von Truppen unter dem Banner des Africa Corps nach Burkina Faso entsandt, was den ersten Einsatz dieser neuen, von Russland unterstützten Militäreinheit darstellt.

Das Africa Corps ist derzeit in Burkina Faso und Niger aktiv und soll in weitere afrikanische Länder expandieren. Gleichzeitig setzt die Wagner-Gruppe ihre Einsätze in Mali und der Zentralafrikanischen Republik fort. Berichten zufolge sind auch russische „Militärausbilder“ in Äquatorialguinea angekommen. Im Dezember 2024 hat die EU den russischen Geheimdienstbeamten Andrey Averyanov wegen dessen Führungsrolle im Africa Corps mit Sanktionen belegt.

Abb. 1: Die Aktivitäten der Wagner-Gruppe und des Afrika Corps in der Sahelzone seit dem Tod von Yevgeny Prigozhin im August 2023. Die Operationen der Wagner-Gruppe in Mali erlitten 2024 schwere Verluste nach einem großen Angriff auf Tinzouaten im Norden Malis und einem Angriff durch JNIM (Jama’at Nusrat ul-Islam wa al-Muslimin, eine Koalition von al-Qaeda nahestehenden Gruppen) in der Segou-Region. Auch der Bamako Flughafen, wo die Wagner-Gruppe einen Luftwaffenstützpunkt hat, wurde im September 2024 von der JNIM angegriffen. Russlands Afrika Corps erweiterte 2024 seine Präsenz in Afrika durch die Ankunft von „Militärausbildern“ in Niger, Burkina Faso und Äquatorialguinea. Gleichzeitig dienten bisher Luftwaffenstützpunkte in Libyen sowie der Hafen in Tobruk als Transitpunkte für Truppen und Ausstattung für die Söldneroperationen Russlands in Afrika. Mit dem Sturz des Assad-Regimes wurden diese Versorgungslinien unterbrochen.

Abb. 1: Die Aktivitäten der Wagner-Gruppe und des Afrika Corps in der Sahelzone seit dem Tod von Yevgeny Prigozhin im August 2023. Die Operationen der Wagner-Gruppe in Mali erlitten 2024 schwere Verluste nach einem großen Angriff auf Tinzouaten im Norden Malis und einem Angriff durch JNIM (Jama’at Nusrat ul-Islam wa al-Muslimin, eine Koalition von al-Qaeda nahestehenden Gruppen) in der Segou-Region. Auch der Bamako Flughafen, wo die Wagner-Gruppe einen Luftwaffenstützpunkt hat, wurde im September 2024 von der JNIM angegriffen. Russlands Afrika Corps erweiterte 2024 seine Präsenz in Afrika durch die Ankunft von „Militärausbildern“ in Niger, Burkina Faso und Äquatorialguinea. Gleichzeitig dienten bisher Luftwaffenstützpunkte in Libyen sowie der Hafen in Tobruk als Transitpunkte für Truppen und Ausstattung für die Söldneroperationen Russlands in Afrika. Mit dem Sturz des Assad-Regimes wurden diese Versorgungslinien unterbrochen.

© ACLED

Ausweitung des politischen Einflusses Russlands in der Sahelzone

Auch wenn Russland Afrika wirtschaftlich und entwicklungspolitisch wenig bieten kann, hat es durch die Ausbreitung des Africa Corps und der Wagner-Gruppe seinen Einfluss vergrößert. Mali, Burkina Faso und Niger haben ihren Austritt aus der Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (ECOWAS) angekündigt und eine neue dreiteilige Allianz der Sahel-Staaten (AES) gegründet. Alle drei AES-Mitgliedsstaaten haben Sicherheitsunterstützung vom Africa Corps/Wagner-Gruppe angefordert. Währenddessen scheinen russische Rohstoffunternehmen ihre Aktivitäten zu intensivieren. In Niger zog die Militärjunta Mitte 2024 Lizenzen für zwei Uranminen von einem kanadischen und einem französischen Unternehmen zurück. Gleichzeitig rief Nigers Bergbauminister Russland auf, in die Uran- und andere Rohstoffindustrien des Landes zu investieren.

Die Expansion mit dem Africa Corps und die Fortsetzung der Wagner-Operationen könnten sich langfristig als kostspielig für den Frieden und die Sicherheit in Afrika erweisen. Russlands Expansion in der Sahelregion hat von einem tief verwurzelten Misstrauen gegenüber westlicher Sicherheitsunterstützung profitiert, die vor allem daran gescheitert ist, extremistische islamistische Bewegungen einzudämmen. Das brutale Vorgehen der russischen Söldner hat jedoch zu erhöhten zivilen Opfern geführt, während die Sicherheitslage in der Sahel-Region unverändert bleibt. Russische Söldner bieten daher ebenfalls keine glaubwürdige Alternative, wie Daten zeigen (siehe Abbildung 1). Stattdessen sichern sie bisher vor allem das Überleben autokratischer Regime. 

Sölder des Afrika Corps kommen mit militärischer Ausrüstung im Januar 2023 in Burkina Faso an.

Sölder des Afrika Corps kommen mit militärischer Ausrüstung im Januar 2023 in Burkina Faso an.

© Foto: African Initiative

MSC-Veranstaltung "Rebranding the Wagner Group: Russia‘s Expanding Mercenary and Military Presence in Africa“

Im Rahmen der Diskussionsrunde "Rebranding the Wagner Group: Russia‘s Expanding Mercenary and Military Presence in Africa“ wurde ein Forschungspapier der Global Initiative Against Transnational Crime (GI-TOC) vorgestellt, das die Präsenz russischer Söldner in Afrika und deren Auswirkungen auf die Sicherheit des Kontinents analysiert. Die Vorstellung des Papiers und die Diskussion mit den Expertinnen und Experten der MSC stellte die neuesten Entwicklungen rund um das Africa Corps und die Wagner-Gruppe in einen breiteren Kontext. Es wurde die Frage diskutiert, wie afrikanische Staaten auf die Ausweitung des russischen Einflusses in der Sahel Region reagieren und welche Maßnahmen die internationale Staatengemeinschaft ergreifen kann, um das russische Söldnertum zurückzudrängen.


 „Die Ergebnisse der Studie unterstreichen einmal mehr, dass wir neue Wege der Zusammenarbeit mit den Ländern in der Sahelzone finden müssen, während wir gleichzeitig unsere Sanktionen gegen Wagner und das Afrika Corps kontinuierlich aktualisieren sollten. Die russischen Söldner spielen eine destruktive Rolle für den Frieden und die Sicherheit in Afrika. Während wir eine Neuausrichtung des russischen Staates im Umgang mit privaten Militärunternehmen beobachten, bleiben die Ziele der Wagner-Gruppe und des Afrika Corps unverändert: den Einfluss Russlands erhöhen, die Sanktionen umgehen und westliche Werte sowie Interessen untergraben.“

Markus Ferber, MdEP, Vorsitzender der Hanns-Seidel-Stiftung

 

 “Die Beschreibung des russischen Vorgehens als hybrider Krieg ist eine Untertreibung. Es geht darum, politische und geopolitische Ziele in den Zielländern zu erreichen unter Einsatz aller zur Verfügung stehender Mittel, seien diese legal oder illegal. Desinformationskampagnen, transaktionale Geschäfte mit Rohstoffen, gezielte Mordanschläge und Angriffe auf die Infrastruktur gehören dazu. Es lässt sich als ‘geocriminality’ beschreiben.”

Prof. Mark Galeotti, Senior Fellow Royal United Service Institute, Council on Geostrategy, Senior Analyst beim Global Initiative Against Transnational Organized Crime (GI-TOC)

 

“Nach dem Tod von Yevgeny Prigozhin, dem berüchtigten ehemaligen Anführer der Wagner-Gruppe, ist eine staatlich unterstützte Organisation namens Africa Corps als Nachfolger von Wagner aufgetaucht, die den militärischen Einfluss Russlands auf mehrere afrikanische Länder ausweitet. Gleichzeitig hat Wagner seine Präsenz in Afrika durch militärische und wirtschaftliche Operationen in Mali und der Zentralafrikanischen Republik aufrechterhalten. Rechnet man noch die politischen Kampagnen und wirtschaftlichen Verflechtungen hinzu, kommt man auf viele weitere afrikanische Länder, wo Russland strategische Interessen mit privaten Militärunternehmen durchsetzt. Die beiden Organisationen sind Teil eines sich ausweitenden russischen militärisch-wirtschaftlichen Konstrukts.”

 Julia Stanyard, Senior Analyst, Global Initiative Against Transnational Organized Crime (GI-TOC)

 

“Das russische Engagement in Afrika steht vor großen Herausforderungen. Nach dem Sturz von Assad in Syrien sind die Versorgungsrouten unterbrochen. Die Sicherheit in der Region verschlechtert sich weiter, was zu Enttäuschung bei der Bevölkerung über das brutale Vorgehen der russischen Söldner führen könnte. Russland hat nicht viel anzubieten und wird die enormen Herausforderungen, die sich aus dem Klimawandel, der Bevölkerungsexplosion und dem geringen Wachstum in vielen Teilen Afrikas ergeben, nicht lösen können. Umso wichtiger ist es, dass die Europäische Union auch in Ländern aktiv bleibt, die von Autokraten beherrscht werden - gerade jetzt, wenn sich USAID (die US-amerikanische Behörde für internationale Entwicklungshilfe, Anmk. der Redaktion) zurückzieht.”

Dr. Jakkie Cilliers, Vorsitzender des Institute for Security Studies

Kontakt

Projektleiter: Hanns Bühler
Südafrika
Projektleiter