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Erster Runder Tisch Altersvorsorge
Schwerwiegend bis wohlstandsgefährdend

Autorin/Autor: Dr. Susanne Schmid

Die HSS hat es sich zur Aufgabe gemacht, gemeinsam mit Experten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft Handlungsoptionen für eine demographiefeste und leistungsgerechte Altersvorsorge zu erarbeiten. Der erste Runde Tisch Altersvorsorge widmete sich der Frage, wie man die Basis der Beitragszahler verbreitern kann.

Die Bevölkerungsalterung zeigt sich in Deutschland an der zunehmenden Zahl der Menschen im Rentenalter und an ihrem steigenden Anteil an der Gesamtbevölkerung. Die Verschiebung zwischen den Altersgruppen ist gravierend. So ist laut Statistischem Bundesamt der Anteil der unter 20-Jährigen zwischen 1950 und 2022 von 30 Prozent auf 19 Prozent zurückgegangen. Jeder zweite Einwohner ist heute älter als 45 Jahre und jeder Fünfte älter als 66 Jahre. 1950 war jede hundertste Person 80 Jahre und älter, heute ist es bereits jeder Vierzehnte.

Gruppenbild der genannten Personen

Beim ersten Runden Tisch Altersvorsorge anwesend waren u.a. (v.l.n.r.) Andreas Kolb, Heribert Heinrich, Timo Greger, Michael Jäger, MdB Dr. Volker Ullrich, Prof. Dr. Diane Robers, Walentina Dahms, Dr. Gerhard Hirscher, Julian Wonka und Dr. Susanne Schmid.

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Bevölkerungsalterung und ihre Konsequenzen

Bezugnehmend auf Variante zwei der 15. Koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes werden sich die Altersgruppen auch weiterhin massiv verschieben. Im Jahr 2021 waren rund 19 Prozent der Bevölkerung in Deutschland jünger als 20 Jahre, 62 Prozent im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 66 Jahren und 19 Prozent im Alter von 67 Jahren oder mehr. Bis 2040 dürfte der Anteil der Menschen im Erwerbsalter auf etwa 57 Prozent abnehmen, gleichzeitig wird der Anteil der über 66-Jährigen auf 25 Prozent zunehmen.

Die ökonomischen Konsequenzen einer abnehmenden Erwerbsbevölkerung sind schwerwiegend bis wohlstandsgefährdend. Auch schafft die demographische Alterung große Unwägbarkeiten für die sozialen Sicherungssysteme und die Staatsfinanzen.

Die Zukunft der Altersvorsorge in Deutschland

Gesetzliche, private und betriebliche Altersvorsorge stehen angesichts des demographischen Wandels vor enormen Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund organisierte die Akademie für Politik und Zeitgeschehen im Juli 2023 eine hybride Fachtagung zur „Zukunft der Altersvorsorge in Deutschland“. Die Experten kamen zu dem Schluss, dass man keine der vier Stellschrauben der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV), nämlich Rentenniveau, Beitragssatz, Renteneintrittsalter, Steuerzuschuss bei Reformüberlegungen ausschließen darf. Um nach der Regelaltersgrenze weiterzuarbeiten, benötigt es steuerlicher Anreize. Neben möglicher Rentenreformen wurden auch Steuerentlastungen und eine bessere Ausschöpfung des Erwerbspersonenpotenzials angedacht.

In einem Sitzungsraum wird eine Präsentation gehalten.

Die anwesenden und zugeschalteten Experten erörterten, wie man die Basis der Einzahler in die GRV verbreitern kann. Ziel muss sein, das ungenutzte Arbeitskräftepotenzial zu aktivieren.

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Konsens bestand darüber, dass es zeitnah einer Reform der GRV bedarf, und dass es die private und betriebliche Altersvorsorge weiter zu stärken gilt. Um konkrete Konzepte und Reformvorschläge zu erarbeiten, wurde ein Runder Tisch Altersvorsorge etabliert.

Erster Runder Tisch Altersvorsorge zum Thema „Die Basis verbreitern“

Der erste Runde Tisch widmete sich im Dezember 2023 dem Thema „Die Basis verbreitern“. Dies ist nun besonders dringlich, da die Babyboomer-Jahrgänge in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen. Gleichzeitig schrumpft die Zahl der künftigen Beitragszahlenden. Kamen im Jahr 1962 auf einen Rentenbezieher noch sechs aktiv versicherte Erwerbspersonen, liegt das Verhältnis heute bei eins zu zwei. Im Jahr 2030 dürfte das Verhältnis nur noch 1 zu 1,5 betragen. Dies führt zu einer starken Zunahme der Rentenbezieher bei gleichzeitigem Rückgang der potenziellen Beitragszahler. Wir fragten uns daher im Rahmen der Expertenrunde: Wie kann man die Basis der Beitragszahler verbreitern?

Information

Am 06. Dezember 2023 organisierte die Akademie den ersten hybriden „Runden Tisch Altersvorsorge“ zum Thema „Die Basis verbreitern“.

Die Vortragenden waren:

  • Prof. Dr. Ulrich Walwei, Vizedirektor des IAB (digital zugeschaltet)
  • Dr. Reinhold Thiede, Leiter des Geschäftsbereichs „Forschung und Entwicklung“ der Deutschen Rentenversicherung Bund (digital zugeschaltet)
  • Michael Jäger, Vizepräsident des Bundes der Steuerzahler e.V.

Weitere Experten waren u.a.:

  • Prof. Dr. h.c. Axel Börsch-Supan, Ph.D., Direktor emeritus des Munich Center for the Economics of Aging (MEA) des Max-Planck-Instituts für Sozialrecht und Sozialpolitik, München; TU München (digital zugeschaltet)
  • Dr. Volker Ullrich, MdB, Landesvorsitzender der CSA
  • Stephan Stracke, MdB, Stv. Vorsitzender und sozialpolitischer Sprecher der CSU im Bundestag; Vorsitzender der CSU-Rentenkommission (digital zugeschaltet)
  • Christian Doleschal, MdEP, Vorsitzender der CSU-Rentenkommission, Landesvorsitzender der Jungen Union (digital zugeschaltet)
  • Walentina Dahms, MIT-Bundesvorstandsmitglied, MU Bayern
  • Andreas Kolb, Vorstand des Bereichs Finanzen beim Konzern Versicherungskammer
  • Julian Wonka, Bayerisches Staatsministerium der Finanzen und für Heimat

Moderiert wurde die Expertenrunde von:

  • Prof. Dr. Diane Robers, Leiterin der Akademie für Politik und Zeitgeschehen der HSS

Die Fachleute waren sich einig, dass es zur Bewältigung der genannten Herausforderungen einer nachhaltigen Steigerung der sozialversicherungspflichtigen Erwerbstätigkeit bedarf. Erzielen ließe sich dies vornehmlich durch:

  • Bekämpfung der (Langzeit-)Arbeitslosigkeit,
  • Erhöhung der Erwerbsbeteiligung verschiedener Gruppierungen (Frauen, Ältere etc.),
  • Zuwanderung in den Arbeitsmarkt bei gleichzeitiger Vermeidung von Arbeitskräfte-Abwanderung sowie
  • (Weiter)Bildung.

Weitere Erkenntnisse der Expertenrunde lassen sich in folgenden Kernaussagen zusammenfassen:

  • Ein guter und sicherer sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplatz ist die beste Sozialversicherung. Er ist entscheidend für eine auskömmliche Rente und ist die wirkungsvollste Armutsprävention. Wer arbeitet, muss mehr haben, als jemand, der nicht arbeitet. Arbeit muss sich lohnen.
  • Die Rente muss auskömmlich sein. Wer sein Leben lang gearbeitet hat, muss sein Leben im Alter selbstbestimmt ohne staatliche Unterstützung führen können. Wer mehr eingezahlt hat, muss im Alter auch mehr erhalten.
  • Ein Teil der Arbeitnehmer muss früher in Rente gehen können, aber ein anderer Teil muss auch länger arbeiten dürfen. Es sollen jene unterstützt werden, die freiwillig länger arbeiten wollen. Ziel sollte eine Anpassung der Hinzuverdienstgrenzen sein, um eine Beschäftigung auch nach Erreichen der Regelaltersgrenze attraktiver zu machen.
  • Ein entscheidender Gesichtspunkt bei der Ausgestaltung der Altersvorsorge ist die Generationengerechtigkeit. Die Interessen der jüngeren und älteren Generation müssen gleichermaßen berücksichtigt werden: Erwerbstätige dürfen nicht durch unangemessen hohe Beiträge belastet werden, Rentenbezieher müssen eine adäquate Altersvorsorge erhalten. Beide Bevölkerungsgruppen erwarten Planbarkeit bei ihrer Alterssicherung.
  • Eine Rückbesinnung auf die Grundwerte der Sozialen Marktwirtschaft: Subsidiarität – also Eigenverantwortung – und Solidarität ist nötig. Wichtige Rahmenbedingung für mehr Eigenverantwortung wäre ein leistungsfreundlicher ausgestaltetes Steuersystem.

Bezugnehmend auf die deutsche Wachstumsschwäche stellte Dr. Volker Ullrich, MdB, eine Schlüsselfrage: „Wie wirtschaften wir künftig, um damit die Produktivität zu generieren, die zum Erhalt unserer Volkswirtschaft und damit auch zur Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme nötig ist?“ – Bezogen auf den Arbeitsmarkt lassen sich Wachstum und Produktivität u.a. steigern durch eine bessere Ausschöpfung des Erwerbspersonenpotenzials, geringere Steuer- und Abgabenbelastungen, kontinuierliche Bildungsanstrengungen, durch mehr Flexibilität im Arbeitsrecht sowie durch eine verstärkte Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte durch attraktive Standortbedingungen.

Die demographische Alterung schreitet kontinuierlich voran. Jetzt ist die Zeit, die richtigen Weichen zu stellen. Der zweite Runde Tisch widmet sich dem Thema „Generationengerechtigkeit schaffen“, die dritte Expertenrunde legt den Schwerpunkt auf „Eigenverantwortung stärken“.

Kontakt

Leiterin: Dr. Susanne Schmid
Gesellschaftliche Entwicklung, Migration, Integration
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