Vordenker und Pionier
Trauer um Alois Glück
Alois Glück und Markus Ferber, MdEP, bei der Veranstaltung "Grundsätzliches im Wandel?" im Konferenzzentrum in München, Februar 2023.
„Alois Glück hat als langjähriges Vorstandsmitglied stets wichtige Impulse für die inhaltliche Arbeit der Hanns-Seidel-Stiftung geliefert“, erinnerte der HSS-Vorsitzende Markus Ferber, MdEP. Bereits seit 1991 war Glück Mitglied der Stiftung und seit 1994 im Vorstand - von 2004 bis 2018 als stellvertretender Vorsitzender, davon zwei Jahre gemeinsam mit Ferber.
„In seiner Arbeit für die HSS lagen ihm als Vordenker Werte, Bürgergesellschaft und interkultureller Dialog besonders am Herzen. Wir verlieren mit Alois Glück einen wichtigen Ratgeber, Wegbegleiter und Impulsgeber. Er wird uns sehr fehlen“, betonte Ferber. In der Stiftung hatte Glück insbesondere die Themen „Christliche Werte“ (Siehe auch hier), „Aktive Bürgergesellschaft“ sowie Gesellschafts-, Medien-, Umwelt- und Energiepolitik vorangetrieben. Er publizierte mit der Stiftung verschiedene Bücher und Aufsätze, etwa für die „Politischen Studien“.
Alois Glück war von 1970 bis 2008 Mitglied des Bayerischen Landtags.
Winfried Rabanus; HSS
Vermittler und Versöhner
Mit großer Trauer nahm auch der Bayerische Landtag die Nachricht vom Tode seines ehemaligen Präsidenten (2003-2008) auf. Alois Glück war von 1970 bis 2008 Mitglied des Bayerischen Landtags. Die politischen Schwerpunkte seiner Arbeit lagen zunächst in der Sozialpolitik - besonders die Behindertenhilfe. Glücks ältere Schwester saß wegen Kinderlähmung viele Jahre im Rollstuhl, sein Sohn ist durch zwei Gehirnhautentzündungen schwerbehindert. Zwölf Jahre lang – von 1974 bis 1986 – leitete Glück den Ausschuss für Landesentwicklung und Umweltfragen, ehe er als Staatssekretär ins Umweltressort wechselte. Als selbstbewusster, unangepasster Fraktionsvorsitzender stand er ab 1988 insgesamt 15 Jahre an der Spitze der Landtags-CSU. Landtagspräsidentin Ilse Aigner: „Er war ein außergewöhnlicher Politiker, der sich jahrzehntelang vor allem in der Umwelt- und Sozialpolitik als Vordenker und Pionier einen Namen gemacht hat. Eine nachhaltige Entwicklung der ländlichen Räume und zugleich der Schutz der Natur“ - dafür sei Glück eingetreten, stets mit Blick auf Innovationen. „Er war ein Versöhner, dem es nie um die eigene Person ging, sondern der immer mit klugen Argumenten und Weitsicht überzeugen konnte“, betonte Aigner.
Alois Glück während einer Rede bei der konstituierenden Sitzung des Landtags am 20. Oktober 1994
Winfried Rabanus; HSS
In der CSU galt Glück ebenfalls als „Vor- und Nachdenker“, als „graue Effizienz“, aber auch als Strippenzieher hinter den Kulissen – Begriffe, die Glück selbst als „Schablonen“ abtat. „Glück sagt gerne ‚wir‘, um dann anderen an die Brust zu klopfen“, befand einmal Peter Gauweiler. „Der Schlüssel zu allem ist die Bereitschaft, dem anderen zuzuhören und sich gedanklich auf den Stuhl des anderen zu setzen“, so sagte es Glück selbst. Aber: „Ich habe sicher einen starken Gestaltungswillen. (…) Mir reicht es nicht zu sagen: Man müsste, man sollte, irgendjemand.“ Unter seiner Leitung wurde das CSU-Programm „Umweltpolitik in den 80er Jahren“ sowie das Grundsatzpapier „Fortschritt im Dienste des Lebens – Wege und Ziele der Fortentwicklung der Industriegesellschaft“ erarbeitet. Alois Glück, der gelernte Landwirt und Agrarjournalist, beeinflusste schon ab den 1970er Jahren stark die Umweltpolitik der CSU – beispielsweise mit dem Landtagsbeschluss zum Schutz der Bergwälder 1984. Früh warnte er auch vor den Risiken der Kernenergie und sorgte damit für Verdruss in der eigenen Partei. Er leitete von 1994 bis 2007 den CSU-Bezirksverband Oberbayern. Zudem war er Mitglied im Parteivorstand, im Präsidium und Vorsitzender der CSU-Grundsatzkommission von 1999 bis 2009. 2007 warnte Glück die Union: „Der wertkonservative Teil, das konservative Element muss in einer Volkspartei sicher entsprechend ausgeprägt sein. (…) Es sollte eigentlich allen klar sein, dass man in einer Welt, in der man auf der einen Seite die Veränderung pflegen muss, die Innovationen und auch den Wandel vorantreiben muss, ebenso bewusst die Wurzeln pflegen muss.“ Und 2018 schrieb er seiner Partei ins Stammbuch: „Die CSU muss verdammt aufpassen, dass sie nicht nur als Partei für Bayern erscheint. Denn dann ist sie irgendwann nur noch eine Regionalpartei.“
„Alois Glück hat als langjähriges Vorstandsmitglied stets wichtige Impulse für die inhaltliche Arbeit der Hanns-Seidel-Stiftung geliefert“, erinnert Markus Ferber, MdEP, Vorsitzender der Hanns-Seidel-Stiftung.
HSS
Rückkehr ins Private
2008 stellte sich der unter anderem mit dem Bayerischen Verdienstorden und dem Großen Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnete Alois Glück in seinem Stimmkreis Traunstein nicht mehr zur Wahl. Zum Zeitpunkt des Ausscheidens aus dem Landtag war er mit 38 Mandatsjahren der dienstälteste Parlamentarier in Deutschland. Immer schon hatte sich Glück auch ehrenamtlich engagiert, das tat er auch nach seiner aktiven politischen Zeit. Ob als Vorsitzender der Bergwacht Bayern oder im Netzwerk Hospiz Südostbayern, für Glück war der Einsatz für die Menschen Fundament seines Wirkens - zugleich förderte er moderne Strukturen, etwa mit dem Trainingszentrum für Hubschrauberrettung der Bergwacht in Bad Tölz. Über den Aufbau des Hospiznetzwerkes in Bayern sagte er später: „Das gehört mit zum Wichtigsten, wofür ich mich in meinem Leben engagiert habe.“ 2009 wählte ihn das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken zum Präsidenten, was er bis 2015 blieb. Hier forderte er unter anderem eine ehrliche Debatte über den sexuellen Missbrauch in der Kirche, Reformen beim Zölibat und im Umgang mit Homosexuellen und sprach sich gegen Sterbehilfe aus. Seine Maxime war: Probleme ehrlich anzusprechen, um sie einer Lösung zuzuführen.
Im März 2011 berief Bundeskanzlerin Angela Merkel Glück in die Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung, ab 2019 leitete er in Bayern den Runden Tisch zum Volksbegehren „Artenvielfalt“. Glück selbst hatte sich mal als „wandelnden Vermittlungsausschuss“ bezeichnet, der er schon bei der Nachfolge für Franz Josef Strauß 1988 und Edmund Stoiber 2007 sein musste. Ein Lautsprecher ist Alois Glück nie gewesen, platte Bierzeltreden waren ihm fremd. Auch deshalb befand die „Augsburger Allgemeine“ 2020: „Der CSU-Politiker Alois Glück hat im Ruhestand noch mehr zu sagen als manch ein aktiver Kollege – auch zu den Sorgen junger Menschen. Sich mit Alois Glück kurz auf einen Kaffee zu treffen, bringt mehr Erkenntnisgewinn über die politische Lage im Land, als eine komplette Plenarsitzung im Landtag zu verfolgen.“
Veröffentlichungen von Alois Glück (Auswahl)
- Abstieg oder Aufbruch: Plädoyer für eine liberal-konservative Erneuerung (1996)
- Neue Wege in der Kommunalpolitik: Durch eine neue Bürger- und Sozialkultur zur aktiven Bürgergesellschaft (2000)
- Solidarische Leistungsgesellschaft. Eine Alternative zu Wohlfahrtsstaat und Ellbogengesellschaft (2006)
- Warum wir uns ändern müssen. Wege zu einer zukunftsfähigen Kultur (2010)
- Anpacken statt Aussteigen. Der Auftrag der Christen in unserer Welt (2015)
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