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Grundlagen, Implikationen, Instrumente
Vertrauen in KI?

Autorin/Autor: Johannes Welsch

Es ist so lange selbstverständlich, bis es nicht mehr gegeben ist. Vertrauen spielt eine fundamentale Rolle in unserer Gesellschaft. Ohne Vertrauen in die Politik, die Wissenschaft oder die Redlichkeit der Mitmenschen ist Zusammenleben nur schwer zu gestalten. Aber auch auf technische Systeme wollen wir uns vertrauensvoll stützen. Wie kann das gelingen?

Vertrauen ist uns vor allem als elementarer Bestanteil zwischenmenschlicher Beziehungen gegenwärtig. Es kann Komplexität reduzieren, Kooperationen erleichtern oder gar erst ermöglichen und ist häufig eine Voraussetzung für ihr Gelingen. Vertrauen überbrückt Leerstellen des Wissens und geht dabei immer mit dem Risiko einher, dass es enttäuscht oder gar missbraucht wird.

Vertrauen in KI schaffen

In den letzten Jahren haben Vertrauen und Vertrauenswürdigkeit auch im Kontext der Entwicklung und Nutzung von Künstlicher Intelligenz an Relevanz und Prominenz gewonnen. Die Vertrauenswürdigkeit von KI-Systemen wurde sogar als „[…] als Schlüssel zu einer ‚verantwortlichen Wettbewerbsfähigkeit‘“ (Hochrangige Expertengruppe zu Künstlicher Intelligenz der Europäischen Kommission, 2019:6) identifiziert.

Info:

Wie Vertrauen in KI geschaffen und gewährleistet werden kann, was KI vertrauenswürdig macht und wie Regulierung dazu beitragen kann, war Gegenstand einer hochkarätig besetzten Expertentagung am 05.12.2023 in den Räumen der Hanns-Seidel-Stiftung, moderiert von Prof. Dr. Diane Robers, Leiterin der Akademie für Politik und Zeitgeschehen, und Johannes Welsch, Referatsleiter Neue Technologien und gesellschaftliche Transformation.

Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf ist Inhaber des Lehrstuhls für Strafrecht, Strafprozessrecht, Rechtstheorie, Informationsrecht und Rechtsinformatik an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.

Prof. Dr. Patrick Glauner, Professor für Künstliche Intelligenzen an der Technische Hochschule Deggendorf

Prof. Dr. Peter Dabrock, Professor für systematische Theologie II und theologische Ethik an der FAU Erlangen-Nürnberg

Dr. Reinhard Brandl, MdB, ist Mitglied des Ausschusses für Digitales im Deutschen Bundestag.

Kai Zenner ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter von Axel Voss, MdEP, und war aktiv an der Ausarbeitung des europäischen AI-Acts beteiligt.

Prof. Dr. Ute Schmid ist Lehrstuhlbeauftragte für Kognitive Systeme an der Universität Bamberg.

Johannes Welsch ist Leiter des Referats für Neue Technologien und gesellschaftliche Transformation der Akademie für Politik und Zeitgeschehen der Hanns-Seidel-Stiftung.

von vorne nach hinten: Patrick Rothe, Johannes Welsch, Prof. Dr. Diane Robers, Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf, Dr. Jens Römer, Dr. Jan Remy, Dr. Robert Roschlaub

von vorne nach hinten: Patrick Rothe, Johannes Welsch, Prof. Dr. Diane Robers, Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf, Dr. Jens Römer, Dr. Jan Remy, Dr. Robert Roschlaub

©HSS

Wie lässt sich Vertrauen in KI schaffen und gewährleisten? Was macht KI-Systeme vertrauenswürdig? Entscheidend ist, dass KI-Systeme als sozio-technische Systeme begriffen werden. Die KI-basierten Technologien werden in schon bestehende soziale, wirtschaftliche, politische oder andere Praktiken eingeführt und in ihnen genutzt. Dabei birgt der Einsatz von KI sowohl positive als auch negative Potenziale, kann Vertrauen in Prozesse und Ergebnisse stärken, aber auch bestehendes Vertrauen, z.B. in die Wissenschaft oder Gesundheitsversorgung, zerstören.

Um Vertrauen in KI-basierte Technologien zu schaffen, ist es notwendig, positive Erfahrungen mit ihnen zu machen und zu erleben, dass sie einen persönlichen und gesellschaftlichen Nutzen stiften und keinen Schaden verursachen.

Vertrauenswürdigkeit von KI gewährleisten

Um die Vertrauenswürdigkeit von KI zu gewährleisten, ist Regulierung unabdingbar. Um Vertrauen auch nach durch KI verursachte Schadensereignisse wieder herstellen zu können, müssen Fragen der Erklärbarkeit von Outputs und der Haftbarkeit geklärt werden. Zur Vertrauenswürdigkeit von KI-Systemen gehört auch ein gewisses Maß an Einblick in die Trainingsdaten der Algorithmen und in die in der Anwendung verarbeiteten Daten.

v.l.n.r.  Prof. Dr. Patrick Glauner, Kai Zenner, Dr. Reinhard Brandl, MdB, Prof. Dr. Peter Dabrock, Prof. Dr. Bernhard Sabel, Andreas Sachs

v.l.n.r. Prof. Dr. Patrick Glauner, Kai Zenner, Dr. Reinhard Brandl, MdB, Prof. Dr. Peter Dabrock, Prof. Dr. Bernhard Sabel, Andreas Sachs

©HSS

Dabei darf die Regulierung nicht in Bürokratismus umschlagen. So würden zum Beispiel ausufernde Zertifizierungsprozesse vor allem kleine und mittlere Unternehmen sowie Start-ups benachteiligen und die Marktmacht großer Konzerne stärken. Damit aber würde die Regulierung von KI, die auf das Wohl der Gesellschaft und die Vertrauenswürdigkeit der KI abzielt, Innovation verhindern.

Auch die Regulierung muss KI dabei vor allem das sozio-technische System im Blick haben: Der KI wird nur Vertrauen geschenkt werden, wenn sich das ganze System, in das sie eingebettet ist, als vertrauenswürdig erweist – neben der Technologie selbst also auch die menschlichen und institutionellen Akteure.

Konkrete Empfehlungen

Vor diesem Hintergrund forderten die Teilnehmer des Round Tables die frühestmögliche Vermittlung von Technikkompetenzen und kritischem Denken schon in der Schule, unabhängig vom Bildungszweig. Nur auf diesem Fundament sei die Einschätzung der Vertrauenswürdigkeit von KI-Systemen begründet möglich.

Die Regulierung müsse das Gemeinwohl fokussieren, dabei aber die berechtigten Interessen von Unternehmen und anderen Akteuren mitbedenken und ausbalancieren.

Staatliche Institutionen seien aufgerufen, Beispiele für den gelingenden und vertrauenswürdigen Einsatz von KI-Systemen in den Verwaltungsdienstleistungen zu geben und damit zu einem Klima beizutragen, in dem Nutzer bereit sind, KI Vertrauen zu schenken.

  • Prof. Dr. Patrick Glauner, TH Deggendorf
  • Prof. Dr. Ute Schmid, Otto-Friedrich-Universität Bamberg
  • Prof. Dr. Bernhard Sabel, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
  • Prof. Dr. Alexis Fritz, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
  • Dr. Reinhard Brandl, MdB
  • Kai Zenner, Mitarbeiter von Axel Voss, MdEP
  • Prof. Dr. Peter Dabrock, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
  • Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf, Julius-Maximilians-Universität Würzburg

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