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Unsere starken Frauen im Ausland
Von Bayern nach Tunis

Seit 2021 engagiert sich Uta Staschewski im Maghreb. Von Tunis aus leitet sie unsere Projekte in Tunesien, Algerien und Libyen. Die HSS sprach mit ihr über Chancen und Herausforderungen in einer männerdominierten Welt.

© Hamdi Jouini

HSS: Warum haben Sie sich für Tunesien als HSS-Projektland entschieden?

Tunesien war für mich eine bewusste Entscheidung, da es sich um ein Land inmitten eines politischen und gesellschaftlichen Umbruchprozesses handelt. Als ich die Möglichkeit bekam, die Region Nordafrika zu betreuen, war klar, dass Tunesien durch seine demokratischen Fortschritte nach dem Arabischen Frühling enormes Potenzial hat. Es bietet die Chance, mit einem motivierten Team mit mutigen Projekten zu experimentieren und langfristige Reformen zu unterstützen, die zu Stabilität und Wohlstand führen. Außerdem ist es inspirierend, wie die tunesische Zivilgesellschaft – auch in aktuell schwierigen Zeiten – immer wieder innovative Wege sucht, ihre Zukunft aktiv mitzugestalten.

Das Team HSS-Tunesien mit Gästen während des Tunisia Digital Summit im Juni 2022.

© HSS Tunesien

Ist es schwierig, sich in einer männerdominierten Welt durchzusetzen?

Herausforderungen sind zweifellos vorhanden, doch ich sehe sie nicht als Hindernisse, sondern als Chancen, zu wachsen. Es ging mir nie darum, mich „durchzukämpfen“. Vielmehr habe ich gezielt daran gearbeitet, durch Klarheit, Empathie und Vertrauen zu führen. Ein wichtiger Schritt war für mich, das Zusammenspiel der Rolle als Managerin und der Führungspersönlichkeit zu verinnerlichen – ein bewusster Prozess, der intensive Reflexion und regelmäßiges Leadership-Coaching erforderte.
Im Management, insbesondere im Verwaltungsbereich, sind klare Zielvorgaben und strikte Anweisungen oft notwendig, um Effizienz und Compliance zu gewährleisten. In diesem Kontext kann eine gewisse Striktheit durchaus sinnvoll sein. In der projektbezogenen Arbeit, die Raum für kreative Lösungen und Eigenverantwortung erfordert, reicht dieser Ansatz jedoch nicht aus. 

Deshalb kombiniere ich beide Ansätze: Im Verwaltungsbereich setze ich auf klare Strukturen und Prozesse, wo dies nötig ist. Gleichzeitig schaffe ich in der inhaltlichen Projektarbeit die Bedingungen, unter denen Sinnfindung, Entscheidungsprozesse und Handeln eng miteinander verknüpft sind und sich dynamisch entwickeln können. Dieser Ansatz erfordert strategische Klarheit, aber auch die Fähigkeit, Vertrauen zu fördern und Veränderung zu ermöglichen. Meine Erfahrung zeigt, dass dieser eher ausgewogene Führungsstil, unabhängig vom Geschlecht, nicht nur akzeptiert, sondern geschätzt wird.

Das Team HSS-Tunesien mit Gästen während eines Workshops, der zusammen mit CD² centers im März 2022 durchgeführt wurde.

Das Team HSS-Tunesien mit Gästen während eines Workshops, der zusammen mit CD² centers im März 2022 durchgeführt wurde.

© HSS Tunesien

Was konnten Sie schon erreichen?

Ein besonderes Highlight meiner Arbeit in Tunesien ist die erfolgreiche Weiterentwicklung des während meiner Zeit als Projektleiterin in Kenia gestarteten Netzwerks für Klimawandel und Resilienz. Durch die enge Zusammenarbeit mit Regierungsstellen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und regionalen Partnern ist es gelungen, nachhaltige Partnerschaften aufzubauen und innovative Projekte zu initiieren. So fördern wir beispielsweise partizipative Finanzierungsmethoden wie Crowdfunding, die speziell auf die lokalen Gegebenheiten zugeschnitten sind und langfristig dazu beitragen, Eigenverantwortung vor Ort zu stärken.

Neben diesen Projekten konnte ich zusätzliche Fördermittel der Bayerischen Staatskanzlei für ein Migrationsprojekt sichern, um in der Region die notwendigen Strukturen zu schaffen, die auf diese komplexe Herausforderung reagieren. Diese Erfolge wären ohne eine flexible und kontextsensible Herangehensweise nicht möglich gewesen. In jedem Land, in dem ich tätig war, habe ich meine Teams gefördert und Strategien entwickelt, die den jeweiligen Bedingungen gerecht wurden. Ein systemischer Ansatz war dabei entscheidend: Er sichert die strategische Ausrichtung der Arbeit und gewährleistet, dass Projekte trotz schwieriger Umstände fortgeführt werden können. Mein Fokus liegt dabei stets darauf, nachhaltige Strukturen zu etablieren, die auch über die Dauer einzelner Projekte hinaus Bestand haben.

Persönlicher Tipp für Frauen in der Arbeitswelt

Führung ist ein kontinuierlicher Prozess. Authentisch zu bleiben und gleichzeitig die Fähigkeit zu entwickeln, mit Unsicherheiten umzugehen, ist unerlässlich. Ich habe gelernt, dass Führung bedeutet, komplexe Herausforderungen auf den Punkt zu bringen und gleichzeitig die Flexibilität zu bewahren, um situationsgerecht zu handeln. Dabei ist es wichtig, Dynamiken zu schaffen, die auf Zusammenarbeit und Vertrauen beruhen, nicht auf Dominanz. Frauen, die Verantwortung übernehmen, sollten die Möglichkeiten ihrer Position verstehen und diese gezielt einsetzen, um Wandel zu gestalten – immer mit dem Bewusstsein, dass Vertrauen die Grundlage jeder erfolgreichen Führung ist.