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ZEITZEUGEN-Gespräch mit Prof. Dr. Michael Stürmer

Entgegen vieler Hoffnungen markierte das Ende des Kalten Krieges nicht den Anbruch einer neuen, friedlicheren Weltordnung. Stattdessen lassen heutige sicherheitspolitische Herausforderungen klare Ordnungsstrukturen vermissen. Die Hanns-Seidel-Stiftung und das DialogForum Sicherheitspolitik luden zu ZEITZEUGEN-Gesprächen.

Reinhard Meier-Walser, Eberhard Grein, Ursula Männle, Michael Stürmer; ©Tim Becker

Von einer „neuen Weltordnung“ sprach der damalige US-amerikanische Präsident George H. W. Bush nach Ende des Kalten Krieges. Konnte man sich während der Jahrzehnte dauernden Ost-West-Konfrontation noch an der bipolaren Struktur des internationalen Systems mit den USA auf der einen Seite und der Sowjetunion auf der anderen orientieren, so fällt dies heutzutage wesentlich schwerer: failing states, grenzüberschreitender Terrorismus, transnationale Akteure sowie neue Formen der Konfliktaustragung – eine Vielzahl an neuartigen sicherheitspolitischen Herausforderungen stellt das bisherige Verständnis von internationaler Politik in Frage. Gleichzeitig ruft Russlands Agieren im Zuge der Ukraine-Krise obsolet geglaubte Konfliktlinien und geostrategische Machtpolitik ins Gedächtnis, die durch den europäischen Einigungsprozess beinahe in Vergessenheit geraten waren. In einer Zeit, in der Krisen zum „Normalzustand“ geworden sind, erscheint die Welt heutzutage aus den Fugen geraten.

Michael Stürmer im ZEITZEUGEN-Gespräch mit Reinhard Meier-Walser; ©Tim Becker

Um die Implikationen einer „Welt ohne Weltordnung“ zu erörtern, diskutierten Prof. Dr. Michael Stürmer, Chefkorrespondent „Die Welt“ und ehemals Direktor des Forschungsinstituts für Internationale Politik und Sicherheit, und Prof. Dr. Reinhard Meier-Walser, Leiter der Akademie für Politik und Zeitgeschehen der Hanns-Seidel-Stiftung, im Rahmen einer neuen Veranstaltungsreihe der Hanns-Seidel-Stiftung in Kooperation mit dem DialogForum Sicherheitspolitik des Reservistenverbandes in Bayern (VdRBw), den ZEITZEUGEN-Gesprächen.

Eine "Welt ohne Weltordnung" gab Anstoß zur Diskussion; ©Tim Becker

Einerseits widmete sich die Diskussion der revisionistischen, russischen Außenpolitik unter Präsident Putin, die spätestens seit der Ukraine-Krise die „Wiederkehr der Geopolitik“ als ein wesentlicher Faktor in den internationalen Beziehungen eingeläutet habe. In diesem Zusammenhang wurden die NATO-Osterweiterungen und die europäischen verteidigungspolitischen Defizite kritisch hinterfragt. Andererseits könne kein „Ende der Geschichte“ festgestellt werden, wie vom US-amerikanischen Politikwissenschaftler Francis Fukuyama im Jahr 1992 postuliert wurde. Gerade anhand der heutigen sicherheitspolitischen Krisen – seien es die nachhaltig beeinträchtigten Beziehungen zwischen der Europäischen Union (EU) und Russland, die Bedrohung durch den internationalen Terrorismus oder der inzwischen undurchsichtige Konflikt in Syrien, könnten historische Kontinuitätslinien, die die Perzeption der staatlichen Akteure im Miteinander maßgeblich beeinflussen, nach wie vor beobachtet und bei der Analyse der schwelenden Konflikte herangezogen werden: So sei beispielsweise Russlands Verhalten durchaus als Ausdruck seines Weltmachtanspruches zu deuten, den es trotz seiner territorialen und machtpolitischen Einbußen aufrechterhält, während Großbritanniens „insulare Mentalität“ nicht unwesentlich Einfluss auf die derzeitigen Verhandlungen in Brüssel nehme, um einen Brexit zu vermeiden. Am Ende wandte sich die Diskussion auch Europa und der Flüchtlingskrise zu, die in Stürmers Augen durchaus zur Zerreißprobe für Bundeskanzlerin Angela Merkel, für Deutschland und nicht zuletzt für die europäische Idee werden könnte. 

Einen ausführlichen Bericht unseres Kooperationspartners finden Sie unter

Hier zur Berichterstattung des Bayernkuriers.

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