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Die Christlich-Soziale Union in Bayern und die Christliche Volkspartei des Saarlandes

Autorin/Autor: Dr. Christian Petrzik

„Die Christlich-Soziale Union in Bayern und die Christliche Volkspartei des Saarlandes bilden die Christlich-Soziale Union“ – als Archivale des Monats Juli präsentiert das Archiv für Christlich-Soziale Politik die Satzung der CSU vom 6. Juli 1957

Die Christliche Volkspartei des Saarlandes billigt mit nur 8 Gegenstimmen auf ihrem Parteitag ein Zusammengehen mit der CSU in Hinblick auf die Bundestagswahl 1957. Karikatur von Herbert Kolfhaus vom 2. Juli 1957 im Münchner Merkur

Karikatur von Herbert Kolfhaus zum Zusammengehen von CVP und CSU im Jahr 1957.

ACSP, NL Kolfhaus Herbert 1957 : 7/1

Freunde der CVP an der Saar!

Am 6. Juli 1957 eröffnete Hans Ehard den Parteitag der CSU in Nürnberg und begrüßte dabei die „Freunde der CVP an der Saar, an der Spitze den Herrn Landesvorsitzenden Kurtz“. Die am 10. Januar 1946 gegründete Christlich-Demokratische Volkspartei des Saarlandes (CVP) war zur Wahl am 5. Oktober 1947 zugelassen worden und hatte danach eine Koalition mit der Sozialdemokratischen Partei des Saarlandes (SPS) unter Ministerpräsident Johannes Hoffmann gebildet. Unter dem ehemaligen Zentrumspolitiker Hoffmann knüpfte die Partei an die Tradition des politischen Katholizismus an. Als ehemaliger Verfolgter des NS-Regimes lehnte Hoffmann sämtliche Pläne zur Wiedereingliederung der Saarregion in einen deutschen Nationalstaat ab. Er gehörte zu den pro-französischen Politikern der CVP, deren Politik auf die Verfestigung des autonomen Status des Saarlands abzielte. Seit 1947 stand das Saarland unter französischem Protektorat, was die deutsch-französischen Beziehungen belastete. Durch das Europäische Saarstatut sollte das Saarland zu einer von den Nationalstaaten losgelösten Europaregion werden. Die offiziell am 7. August 1955 gegründete CDU Saar als prodeutsche Partei forderte bereits in ihrem ersten Programm „alle Versuche, die deutschen Menschen an der Saar ihrem angestammten Kulturkreis zu entfernen und jede regierungsamtliche, einseitige Propaganda“ zu unterlassen. Bei einer Volksbefragung am 23. Oktober 1955 sprachen sich allerdings 67,7 Prozent der Bevölkerung gegen jenes Statut aus. Hoffmann trat zurück und bei der Landtagswahl im Dezember 1955 erreichte die CVP nur noch 22 Prozent. Der CDU-Politiker Hubert Ney wurde Ministerpräsident, die CVP musste in die Opposition. 

Am 1. Januar 1957 wurde das Saarland in die Bundesrepublik Deutschland aufgenommen.

Satzung der "Christlich-Sozialen Union, Landesverband Bayern" vom 6. Juli 1957, Seite 1

ACSP, PT19570706

„…der CVP die Möglichkeit einer politischen Wirksamkeit in ihrem Sinn zu geben“

Die ursprüngliche CVP schloss sich am 22. Juli 1956 mit der Deutschen Zentrumspartei zu einer Partei unter dem Namen Christliche Volkspartei zusammen. Allerdings trennten sich beide Parteien am 3. April 1957, da das Zentrum sich nicht an einer Zusammenarbeit mit der CSU im Vorfeld der Bundestagswahl 1957 beteiligen wollte. Was aber hatte die bayerische CSU dazu bewogen auf ihrem Parteitag am 6. Juli 1957 die Zusammenarbeit mit der CVP zu beschließen? Der damalige Parteivorsitzende, Hanns Seidel, erklärte dazu: 

Meine Freunde, es musste und es muss für die Menschen in der CVP und für ihre Anhänger eine echte und ehrenhafte Alternative geschaffen werden. Es musste und es muss Vorsorge dafür getroffen werden, dass sie am 15. September ohne Bedenken einer Partei ihre Stimme geben können, die das gleiche weltanschauliche Fundament besitzt und die bereit ist […] den Mitgliedern und Anhängern der CVP zunächst eine politische Heimat zu geben. Die Christlich-Soziale Union ist dazu bereit.

Wir lassen aber keinen Zweifel: Das Ziel ist und bleibt, dass eines Tages an der Saar eine geeinigte und kameradschaftlich verbundene christliche Partei entsteht. 

Die CSU hat nicht den Ehrgeiz, auf die Dauer über die Grenzen unseres Landes hinaus zu wirken. Sie will also im letzten Ende eine unabhängige Landespartei bleiben, die ihre Wurzel in der bayerischen Tradition besitzt. 

Wir glaubten aber, verpflichtet zu sein, den Menschen in der CVP die Möglichkeit einer politischen Wirksamkeit in ihrem Sinn zu geben, bis das Ziel der Einigung erreicht ist.

Satzung der "Christlich-Sozialen Union, Landesverband Bayern" vom 6. Juli 1957, Seite 2

ACSP, PT19570706

Dementsprechend wurde eine Satzungsänderung notwendig, die von Seiten der CVP bereits auf deren Landesversammlung am 30. Juni 1957 beschlossen worden war.  Die „Satzung der Christlich-Sozialen Union in Bayern e.V.“ sollte fortan „Satzung der Christlich-Sozialen Union, Landesverband Bayern“ heißen und in §1 festlegen: „Die Christlich-Soziale Union ist eine politische Partei. Sie besteht aus dem Landesverband Bayern und dem Landesverband Saar und hat ihren Sitz in München.“ Für über die Länder hinausgehende Aufgaben und Angelegenheiten der CSU wurde ein Vorstand aus acht Mitgliedern eingerichtet. Diese Mitglieder sollten auf die Dauer von zwei Jahren gewählt werden, nämlich fünf aus dem Landesverband Bayern und drei von dem Landesverband Saar. Dieser Vorstand sollte seinen Vorsitzenden wählen und sich eine Geschäftsordnung geben. 

Die Satzungsänderung wurde einstimmig angenommen und der CVP-Vorsitzende Kurtz dankte der CSU mit den Worten: „Sie haben damit den christlichen Wählern der Christlichen Volkspartei an der Saar die Alternativlösung ermöglicht, die für die Zukunft dem Ziele, das uns kürzlich der Herr Bundeskanzler Dr. Adenauer aufgezeigt hat, entspricht, nämlich dem Ziele, dass wir nunmehr an der Saar die letzte Stimme unserer christlichen Wähler für die europäische Politik unseres Bundeskanzlers aktivieren können. Ohne in die Vergangenheit noch irgendwie zurückzufallen, möchte ich eines klar herausstellen, und das haben wir kürzlich bei dem Gespräch in Bonn mit dem Bundeskanzler gesagt: Wir von der Christlichen Volkspartei haben immer hinter der Politik eines Konrad Adenauer gestanden und werden auch in Zukunft für diese Politik eintreten.“

Satzung der "Christlich-Sozialen Union, Landesverband Bayern" vom 6. Juli 1957, Seite 3

ACSP, PT19570706

Vereinigung mit der CDU Saar

Die CSU/CVP erreichte bei der Bundestagswahl 1957 rund 21 Prozent und gewann durch die Listenverbindung mit der CSU zwei Bundestagsmandate. Es sollte sich allerdings nur um eine kurze Verbindung beider Parteien handeln. Im April 1959 beschloss der CSU/CVP-Parteitag in Saarbrücken die Vereinigung mit der CDU, nachdem die Streitigkeiten zwischen den pro-deutschen und pro-französischen Lagern der Parteien beigelegt worden waren.

 Der Bayernkurier berichtete darüber in seiner Ausgabe vom 25. April 1959:

„Die CDU und die CSU begrüßen diese Entwicklung mit Freude. Sie hegen die begründete Hoffnung, dass die einer zurückliegenden Zeitspanne entstammenden Ressentiments jetzt endgültig ausgeräumt sind und dass die Einheit der christlichen Kräfte an der Saar, frei von allen Belastungen der Vergangenheit, sich mit ungeteilter Entschiedenheit erfolgreicher Arbeit für Land und Volk widmen kann.“ (Bayernkurier Nr. 17/10. Jahrgang, S. 1).

 

Mehr zur Geschichte der CSU/CVP unter:

https://www.kas.de/de/web/geschichte-der-cdu/kalender/kalender-detail/-/content/gruendung-der-cdu-saar 

https://www.sr-mediathek.de/index.php?seite=7&id=154525 

Kontakt

Leiter: Dr. Christian Petrzik
Archiv für Christlich-Soziale Politik (ACSP), Politisch-historische Fachbibliothek
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