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Die Heilige Woche
Von der Passion bis zur Auferstehung

Autorin/Autor: Björn Wagner

Die Karwoche führt uns durch die intensivsten Tage des Kirchenjahres – vom triumphalen Einzug Jesu in Jerusalem bis zum Höhepunkt, der Auferstehung Jesu am Ostersonntag.

Bußgänger der Bruderschaft „Los Gitanos“ nehmen an der Prozession zum Lunes Santo (Heiliger Montag) teil – ein Teil der Feierlichkeiten zur Semana Santa, der Karwoche. Tausende Gläubige versammeln sich, um die Prozessionen mit den Statuen von Christus und der Jungfrau Maria zu sehen – eine tief verwurzelte Tradition in der Heiligen Woche. In Andalusien ziehen die Osterfeiertage jedes Jahr tausende Menschen aus aller Welt an, die Feierlichkeiten gelten als eine der wichtigsten religiösen und kulturellen Ereignisse des Jahres.

Bußgänger der Bruderschaft „Los Gitanos“ nehmen an der Prozession zum Lunes Santo (Heiliger Montag) teil – ein Teil der Feierlichkeiten zur Semana Santa, der Karwoche. Tausende Gläubige versammeln sich, um die Prozessionen mit den Statuen von Christus und der Jungfrau Maria zu sehen – eine tief verwurzelte Tradition in der Heiligen Woche. In Andalusien ziehen die Osterfeiertage jedes Jahr tausende Menschen aus aller Welt an, die Feierlichkeiten gelten als eine der wichtigsten religiösen und kulturellen Ereignisse des Jahres.

©ZUMA Press Wire/Imago

Dass um Ostern in den Nachrichten Berichte über Jerusalem kommen, sind wir gewohnt. Man zeigt, wie Patriarch Pierbattista Kardinal Pizzaballa durch die Gassen der Altstadt zieht und dass eine große Zahl von Menschen ihn begleitet. Diese Bilder lassen spüren: Jerusalem steuert auf den Höhepunkt des Kirchenjahres zu.

Auch bei uns ist in diesen Tagen vieles in Bewegung. Werfen wir einen Blick auf die sogenannte Heilige Woche, wie sie im katholischen Kirchenjahr genannt wird

Am Palmsonntag ist es Brauch, Palmbüschel zu binden und zu segnen, ein fester Bestandteil der Vorbereitung vieler Kinder auf ihre Erstkommunion. Mancherorts wird ein Esel mitgeführt, lebendig oder als Holzfigur, die gezogen wird. Die Kirche denkt an diesem Tag an den Einzug Jesu in Jerusalem. Zwei Evangelientexte werden verlesen, heuer stammen sie vom Evangelisten Lukas. Einer schildert  den triumphialen Einzug Jesu in die messianische Stadt, der – wie könnte es anders sein – mit einem Konflikt mit den Pharisäern endet. Der andere erzählt bereits von der Passion, vom Leiden Jesu. Deshalb tragen die Priester an diesem Tag rote Gewänder: ein Zeichen für das Blut, das Opfer, den schweren Tod Jesu. 

Die drei Ostertage

Mit dem Triduum Sacrum, den drei österlichen Tagen, beginnt die eindrucksvollste Zeit der Liturgie. Große Zeichenhandlungen entfalten sich: Es geht um Öl, um die Fußwaschung, um die Einsetzung der Eucharistie und des Priestertums – um das Kreuz, das Grab und den Morgen, der die Welt für immer verändert hat.

  • Für die Priester ist die Chrisam-Messe von Bedeutung. Vielerorts wird sie am Mittwoch der Karwoche in den Kathedralkirchen vom Ortsbischof gefeiert. Die Priester erneuern die Versprechen, die sie bei der Weihe gegeben haben. Der Bischof sitzt auf seiner Kathedra und befragt sie nach ihrer Bereitschaft, weiterhin im priesterlichen Dienst zu wirken. Dann segnet er die Öle, die während des Jahres verwendet werden: Das Katechumenen-Öl für die, die getauft werden; das Kranken-Öl für die, die gesalbt werden, weil es ihnen an Leib oder Seele nicht gut geht; das Chrisam-Öl für die heiligen Weihen, die Taufe und die Firmung. Mancherorts findet ein gemeinsames Mahl des Bischofs mit seinen Priestern statt. 

  • Am Gründonnerstag beginnen „Die drei österlichen Tage vom Leiden und Sterben, von der Grabesruhe und von der Auferstehung des Herrn“. Es findet die „Messe vom Letzten Abendmahl“ statt. Die Orgel spielt bis zum Gloria und es läuten ein letztes Mal die Glocken, die dann bis zur Osternacht schweigen (man sagt, sie flögen nach Rom – quasi in den Urlaub). Es findet nach Möglichkeit die Fußwaschung statt; im Hochgebet, das nicht verändert werden darf, gibt es einen Einschub („und das ist heute“) und am Ende wird die Eucharistie an einen besonderen Ort gebracht. Der Altar wird abgedeckt, das Weihwasser entfernt. Mancherorts gibt es Bräuche wie Ölberg-Andachten oder Agape-Feiern, statt der Glocken kommen Karfreitagsratschen zum Einsatz. 

  • Der Karfreitag steht ganz im Zeichen des Leidens und Sterbens Christi. In der Karfreitagsliturgie stehen drei Teile im Zentrum: der Wortgottesdienst, die Kreuzverehrung und die Kommunionfeier. Die Leidensgeschichte des Johannes wird verlesen, das Kreuz wird durch eine Kniebeuge geehrt und der Kommunion-Gang macht deutlich: Wir alle sind da mitgekreuzigt worden, Christi Leib sind wir. Die Kommunion am Karfreitag lebt von der Gewissheit: Wir sind ohne Christus nicht zu denken und Christus niemals ohne die Menschheit. Deshalb vereinigen sich beide im Sakrament. 

  • Der Karsamstag ist ein stiller Tag: Jesus ist tot. Was war mit Gott am Karsamstag? Gerade an diesem Tag stellen sich viele Fragen. Und es bleibt Raum für das Nachdenken, das Schweigen.

  • Am Abend folgt schließlich das große Fest: „Die Feier der Osternacht“, die Mutter aller Liturgien: Was hier gefeiert wird, bestimmt und durchdringt das ganze Kirchenjahr. Die Liturgie besteht aus vier Teilen: Lichtfeier, Wortgottesdienst, Tauf- und Eucharistiefeier. Die Osterkerze, die bei Taufen und beim Requiem brennt, wird entzündet. Es werden Lesungen aus der Heilsgeschichte verlesen, Menschen in die Kirche aufgenommen und wir feiern das österliche Mahl. Dieser Gottesdienst entfaltet die volle Pracht liturgischer Schönheit – nicht durch musikalische oder emotionale Überwältigung und Extravaganz, sondern durch pädagogische Größe und die Kraft der Zeichenhandlungen. Am Ende der Liturgie werden Speisen gesegnet.

Am Ostersonntag werden in den Nachrichten wieder Bilder aus den Pfarreien, aus Rom und aus Jerusalem zu sehen sein. Und dann wird spürbar: Jerusalem ist überall dort, wo man sich an den Übergang Jesu vom Tod zum Leben erinnert und Ostern feiert. Es werden bunte, fröhliche Bilder sein. Bilder des Lebens, denn: Jesus ist auferstanden. Weil Jesus lebt, leben wir. Halleluja!

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Dekan Erzdiözese München und Freising Dekanat München-Nordost: Björn Wagner
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Dekan Erzdiözese München und Freising Dekanat München-Nordost