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Neue Studie
Die Zukunft der deutschen militärischen Luft- und Raumfahrt

Autorin/Autor: Andrea Rotter, M.A.

Komplexe sicherheitspolitische Herausforderungen, technologischer Fortschritt, Digitalisierung – die Anforderungen an die deutsche Sicherheits- und Verteidigungspolitik steigen. Besonders von diesen Entwicklungen betroffen ist die militärische Luft- und Raumfahrt. Im Interview erklärt der Experte Dr. Mölling die neueste Studie der Hanns-Seidel-Stiftung, in der die wichtigsten internationalen Trends und ihre Konsequenzen für den Luft- und Raumfahrtsektor in Deutschland präsentiert werden. So können Handlungsempfehlungen für die Politik abgeleitet werden.

Ein Mann im Anzug lehnt an einer Mauer und blickt ernst aber freundlich in die Kamera.

Dr. Christian Mölling ist Forschungsdirektor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin und leitet dort das Programm Sicherheit, Verteidigung und Rüstung. Er forscht und publiziert seit über 20 Jahren zu den Themenkomplexen Sicherheit und Verteidigung, Rüstung und Technologie, Stabilisierung und Krisenmanagement.

DGAP; © Christian Mölling

HSS: Herr Dr. Mölling, Sie befassen sich in Ihrer Studie mit der Zukunft der militärischen Luft- und Raumfahrt in Deutschland – ein komplexes und nicht alltägliches Thema. Wieso sollten wir uns in Deutschland intensiver mit diesem Aspekt der deutschen Sicherheits- und Verteidigungspolitik auseinandersetzen?

Dr. Christian Mölling: Ich denke, es gibt drei gute Gründe, sich mit dem Thema zu befassen: Erstens finden in diesem Bereich hohe Ausgaben des Staates statt und zugleich stellt er militärische Fähigkeiten zur Verfügung, die für uns und unsere Partner in EU und NATO wichtig sind. Zweitens ist die militärische Luft- und Raumfahrt der Bereich, der politisch, technisch und industriell Vorreiter für die Entwicklung im gesamten Verteidigungssektor ist – was hier entsteht, hat Auswirkungen auf das Militär, die Politik und die Industrie. Zuletzt stehen gerade hier große Umwälzungen an oder laufen bereits. Wegen der politischen Bedeutung und der Ausstrahlwirkung haben wir ein großes Interesse, diese Veränderungen aktiv mitzugestalten.

HSS: Einerseits erläutern Sie in der Studie die wichtigsten internationalen Trends, die unser sicherheitspolitisches Umfeld in den nächsten Jahren prägen werden. Andererseits legen Sie die spezifischen Rahmenbedingungen für die militärische Luft- und Raumfahrt in Deutschland dar. Können Sie kurz die dringlichsten Herausforderungen für den Sektor skizzieren?

Es mag ziemlich fundamental klingen, aber die größte Herausforderung ist wohl die Formulierung und Umsetzung einer aktiven Rüstungspolitik als Teil der nationalen Sicherheitsvorsorge, die ihre Ziele kennt und diese kohärent in die Gestaltung des Sektors einbringt, gleichzeitig aber auch auf die globalen Trends reagiert. Da dieses übergeordnete Rational aber bislang fehlt, findet die Studie so viele verschiedene Herausforderungen und Zielkonflikte – etwa die richtige Balance in den Beziehungen zu Frankreich, zu Europa und zu den USA. Bei der Rüstung selbst sind Exporte und gesellschaftliche Akzeptanz von neuen Technologien Beispiele für Herausforderungen, mit denen sich die deutsche Politik grundlegend auseinandersetzen muss. 

HSS: Die von Ihnen geschilderten Herausforderungen sind zahlreich und facettenreich. Was kann und sollte die deutsche Politik in Ihren Augen tun? Welche Prioritäten sollte sie setzen?  

Ich denke, es wäre sinnvoll, sich zunächst ein klares Bild von der politischen, militärisch-technologischen Landschaft zu machen. Hier gibt die Studie erste Hinweise. Folgt man der Analyse, dann muss der unvermeidliche Wandel in dem Sektor politisch gesteuert werden, um die Ziele zu erreichen, für die Deutschland diesen Sektor hat – sonst bestimmen andere Akteure über die Zukunft, die andere Interessen haben. Politischer Gestaltungsanspruch oder dessen Abwesenheit werden über Fortbestand oder Ende des deutschen Luft- und Raumfahrtsektors bestimmen. Es gibt jedoch nicht nur Risiken, sondern auch Chancen – in den Technologiebereichen, wo Deutschland international führend und deshalb ein attraktiver Partner ist. Doch dieses Potenzial hat eine Halbwertszeit. Ähnliches gilt für Kooperationsoptionen: Hier sollte Deutschland mindestens zweigleisig fahren, weil das zentrale Zukunftsprojekt, das FCAS, derzeit politisch noch nicht in trockenen Tüchern ist. Es gibt keinen Grund, die technologischen Potenziale nur an ein Projekt zu koppeln. Drittens braucht Deutschland eine ernsthafte politische Auseinandersetzung über den verantwortlichen Einsatz von Technologie für Sicherheits- und Verteidigungszwecke.

HSS: Herr Dr. Mölling, vielen Dank für das Gespräch.

Außen- und Sicherheitspolitik
Andrea Rotter, M.A.
Leiterin