- Digitalisierung hat die Finanz- und Wirtschaftswelt dauerhaft verändert.
- Wir sind heute mit vielen Herausforderungen konfrontiert: Innovative Lösungen sind gefragt.
- Technische Umbrüche führen zu neuen Ideen und Märkte.
- Im Bereich Nachhaltigkeit stellt sich die Frage nach dem konkreten Wie auf der mehreren Ebenen.
HSS-Thementag: Digitale Finanz- und Wirtschaftswelt
Wie wir zukünftig leben und arbeiten
HSS; HSS
"Die Arbeitswelt von morgen ist schon in der Gegenwart angekommen." (Konrad Teichert leitet das Referat für Wirtschaft, Finanzen, Arbeit, Soziales im Institut für Politische Bildung der Hanns-Seidel-Stiftung)
HSS: Herr Teichert, "Digitale Finanz- und Wirtschaftswelt" - was erwartet die Gäste an Ihrem Thementag Ende des Monats?
Konrad Teichert: Digitalisierung hat die Finanz- und Wirtschaftswelt dauerhaft verändert, in vielerlei Hinsicht. Junge oder innovative Unternehmen setzen auf neue Geschäftskonzepte, die mehr und mehr beim Kunden Fuß fassen bzw. zum Alltag werden, wie Streamingdienste, Online Einkaufen, Onlinebanking, Direktbanken oder Fintechs, die boomen. Sie setzt Banken, Versicherer, Unternehmen und andere Wirtschaftsakteure gleichermaßen unter Druck hier mitzuhalten. Unserer Kooperationspartner Wirtschaftsjunioren München zum Thema „LETS START UP“ kann hier sicherlich aus Erfahrung sprechen. Die heutige Finanzwelt ist dank der voranschreitenden Technologisierung von einer steigenden Vielfalt an Produkten und Anbietern geprägt. Eine positive Entwicklung wird hier oft nicht klar genug hervorgehoben: Erst durch Digitalisierung und die Folgen erhält der normale Bürger und Kleinanleger die Souveränität selbstbestimmt zu wählen, da der Markt viele digitale Finanzakteure und Angebote entstehen hat lassen. Natürlich steigt gleichzeitig die Unsicherheit im Umgang mit neuen Möglichkeiten, denn es bedeutet konkret, dass man sich mit den neuen Möglichkeiten aktiv beschäftigen muss, um diese zu nutzen. Mit RCDS Regensburg bieten wir der Next Generation zum Beispiel die Möglichkeit, sich mit der Versicherungswelt genauer zu beschäftigen. Deshalb finde ich Bildungs- und Informationsangebote, wie unseren Thementag, so wichtig. Wir möchten hier unter anderem einfach einen praxisorientierten Überblick über die neuen Möglichkeiten vermitteln und mit den Teilnehmern über die Folgen sprechen. Mich freut es, dass zum Beispiel Sebastian Brehm, MdB, finanz- und haushaltspolitischer Sprecher der CSU im Deutschen Bundestag sich Zeit nimmt, um mit der Next Generation darüber zu diskutieren.
HSS: Vormittags gibt es eine Diskussion zum Thema: Wirtschaft, Digitalisierung und Klimaschutz. Können Sie uns vorab kurz erklären, wo hier die Herausforderung liegt?
Teichert: Wir sind heute mit vielen Herausforderungen konfrontiert: Digitalisierung wohin man schaut, technologischer Fortschritt, laufende Transformation hin zu einer Wissensgesellschaft, das Spannungsfeld Wirtschaftswachstum und Nachhaltigkeit, die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt oder Digitalisierung des Bildungssystems - die Liste lässt sich um viele Punkte ergänzen. Hier sind innovative Lösungen gefragt und es gibt viele Menschen mit guten Ideen und Vorschlägen. Im Barcamp möchten wir hierfür ein Forum schaffen. Wir geben unseren Teilnehmern die Gelegenheit, sich mit ihren Themen, Fragestellung und Vorschlägen einzubringen und mit anderen zu diskutieren. Auch unser Generalsekretär Oliver Jörg nimmt sich die Zeit, die Herausforderungen und Ergebnisse mit den Teilnehmern zu diskutieren, und bietet an, die Inhalte an die Politik weiterzuleiten. Die Rückmeldungen werden wir dann auf unsere Webseite veröffentlichen, um einen Beitrag zur politischen Diskussion zu leisten und um zu zeigen, dass sich eine Beteiligung gleich welcher Art lohnt. Wir nehmen die Meinungen unserer Teilnehmer ernst und möchten darauf eingehen, ganz im Sinne unseres Auftrags als politische Stiftung.
HSS: Homeoffice, "digitale nomades", das neue Prekariat der "Clickworker", flexibleres, entgrenztes Arbeiten: haben Sie eine Vorstellung wie die Arbeitswelt in Zukunft aussehen könnte?
Teichert: Meiner Meinung nach ist die oft diskutierte Arbeitswelt von morgen bzw. der Zukunft in der Gegenwart in der Breite angekommen. Es unterscheidet sich jedoch durch den Grad: Zum Beispiel gibt es nur Homeoffice oder bereits mobiles Arbeiten? Welche technischen Möglichkeiten hat das Unternehmen oder die Organisation dies anzubieten? Wie ausgeprägt ist das digitale Mindset der Leitung oder die Schnelligkeit von Unternehmen und Organisationen sich darauf einzustellen? Die Arbeit und ihre Anforderungen wandeln sich aktuell zusehends und die Zusammenarbeit und Führungskultur ändern sich entsprechend, sprich Wertschätzung, Teamfähigkeit und soziale Kompetenzen werden immer wichtiger. Darauf muss man sich einlassen, denn andere sind hier bereits viel weiter. Eine ebenso wichtige Entwicklung ist die alternde Bevölkerung, auch dies thematisieren wir in unserer Veranstaltung. Wie geht man mit altersgemischten Teams mit unterschiedlichen Einstellungen und Wertvorstellung um, wo ist die Führung gefordert, wie sieht es für die Generation 50plus aus? Mit dem Kooperationspartner Interessensvertretung 50Plus haben wir für den Thementag einen kompetenten Ansprechpartner für diese Fragen gefunden.
HSS: Welche Hoffnungen und welche Sorgen haben Sie, wenn Sie die Digitalisierung der Wirtschaft beobachten?
Teichert: Technische Umbrüche führen zu neuen Ideen und Märkte. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass es Unternehmen gibt, die den Anschluss verlieren, weil deren Geschäftskonzept weniger rentabel ist. Sei es, weil sie die Kunden nicht mehr erreichen, deren Angebote nicht mehr passen, oder, oder, oder. Bedenkt man, dass die durchschnittliche Lebensdauer von Unternehmen auf 15 Jahre gesunken ist, so ist es wichtig, dass man von Beginn an einen guten Rahmen für Unternehmen schafft. Dies ist Chance und Herausforderung zugleich. Das Thema Daten- aber auch Netzsicherheit wird immer wichtiger. Mit dem Kooperationspartner Zentrum Digitalisierung.Bayern erörtern wir speziell die Cyberkriminalität und Handlungsmöglichkeiten, um sich vor dieser zu schützen. Und natürlich haben wir die Arbeitnehmer im Blick. Denn der Wandel der Arbeit stellt die bisherigen Regelungen zwangsläufig in Frage, sie sind nicht mehr umfassend genug. Gemeinsam mit dem KAB Bildungswerk diskutieren wir diese Herausforderung.
Neben der Digitalisierung spielt auch Nachhaltigkeit und Klimaschutz eine große Rolle, da beides Hand in Hand gehen kann und wird aus meiner Sicht. Digitalisierung bietet neue Möglichkeiten, die von der Wirtschaft genutzt werden können. Dies ist auch der Grund, weshalb wir dies ebenso am Thementag ansprechen. Zum Beispiel bietet die Kreislaufwirtschaft viele Chancen an. Hier kann vor allem die Digitalisierung hinsichtlich Effizienz und als Ermöglicher neue Möglichkeiten eröffnen. Dies diskutieren wir u.a. mit Ralf Edelhäußer, Bürgermeister von Roth und Bundestagskandidat. Ein weiterer Punkt ist, dass nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutzgesetz die Bunderegierung mit ihrem überarbeiteten Klimaschutzgesetz neue Vorgaben gesetzt hat. Diese zielen vor allem auf einen stärkeren Rückgang der Emissionen in der Wirtschaft, eine Herausforderung, die es für die Unternehmen zu schultern gilt. Hier stellt sich die Frage nach dem konkreten Wie auf der mehreren Ebenen. Mich freut es, dass wir mit Eric Beißwenger MdL einen Vertreter der Politik gewonnen haben, um hierüber zu diskutieren. Ein besonderes Dankeschön geht zum Schluss an meine Kollegen Silke Franke und Maximilian Rückert, die sich mit ihrer Expertise bei den Veranstaltungen einbringen.
HSS: Vielen Dank, Herr Teichert, für dieses Interview. Wir freuen uns auf den Thementag!
Das Interview führte Maximilian Witte, HSS.
Konrad Teichert
Leiter