Influencer-Preis 2026 verliehen
Drei politische Influencer für ihre Arbeit ausgezeichnet
Die Preisträgerinnen und Preisträger 2026 sind Katharina Kunert in der Kategorie Außenpolitik, Andreas Grassl für International Storytelling und Marisa Lattemann als Newcomer.
Die Auszeichnung wurde zum fünften Mal im Rahmen der Münchner Medientage vergeben und ist mit insgesamt 6.000 Euro dotiert. Die Preisverleihung war am 21. Oktober 2026.
Die Preisträger „Influencer 2026“ der Hanns-Seidel-Stiftung: Marisa Lattemann (2. v. l.), Katharina Kunert und Andreas Grassl (per Video zugeschaltet, im Hintergrund) zusammen mit den Jurymitgliedern Prof. Dr. Jonas Schützeneder (li.) und Dr. Annette Schumacher (2. v. r.) sowie Christian Schmidt (2. v. l.), stellvertretender Vorsitzender der Hanns-Seidel-Stiftung, und Moderator Florian Schwegler.
© Matthias Buchfelder
Neuer Preis für außenpolitische Influencer
2026 hat die Hanns-Seidel-Stiftung erstmals den von Prittwitz und Gaffron-Preis für außenpolitische Influencer vergeben. Initiiert und gestiftet wurde der Sonderpreis von Christian Schmidt, ehemaliger Bundesminister und stellvertretender Vorsitzender der Hanns-Seidel-Stiftung. Er soll Medienschaffende auszeichnen, die komplexe außenpolitische Themen verständlich und fundiert für ein Social-Media-Publikum aufbereiten und damit insbesondere junge Menschen erreichen.
Christian Schmidt sieht darin einen wichtigen Beitrag zur politischen Information im digitalen Raum.
„Wir brauchen ganz dringend Übersetzungen von diesen komplexen, schwierigen außenpolitischen Themen für jemanden, der sich in Social Media informiert“, erklärte er im Interview bei der Preisverleihung.
Es gehe darum, Information statt Propaganda zu fördern und die Bedeutung verantwortungsvoller außenpolitischer Berichterstattung in die heutige Zeit zu übertragen.
Der Preis erinnert an den Diplomaten Dr. Friedrich von Prittwitz und Gaffron (1884–1955), der 1933 aus Protest gegen das nationalsozialistische Regime von seinem Amt als deutscher Botschafter in den USA zurücktrat. Er steht für demokratische Haltung, internationale Verständigung und verantwortungsvolle Außenpolitik, wie Christian Schmidt erklärte.
Welche Anforderungen Schmidt an politische Influencer stellt, machte er ebenfalls deutlich:
Sie müssten prüfen, ob ihre Berichte einer kritischen Überprüfung standhalten, statt sich von der Geschwindigkeit sozialer Medien zu spontanen Reaktionen verleiten zu lassen. Zugleich müssten sie ihr Publikum interessieren und begeistern können.
Mit Blick auf junge Menschen sieht er sowohl Anlass zur Hoffnung als auch zur Sorge: Zwar beschäftigten sich viele mit politischen Themen, doch fehle es mitunter an einem ausreichenden kritischen Bewusstsein gegenüber den Inhalten, die ihnen in sozialen Medien begegnen.
Diskussion über Außenpolitik und Medien: vli.: Christian Schmidt, stellvertretender Vorsitzender der Hanns-Seidel-Stiftung, Katharina Kunert, Florian Schwegler, Dr. Annette Schumacher, Prof. Dr. Jonas Schützeneder
© Matthias Buchfelder
Begründungen der Jury
Katharina Kunert nach der Auszeichnung mit dem „von Prittwitz und Gaffron-Preis für außenpolitische Influencer“. Initiiert und gestiftet wurde der Sonderpreis vom stellvertretenden Vorsitzenden der Hanns-Seidel-Stiftung, Christian Schmidt.
© Matthias Buchfelder
„von Prittwitz und Gaffron Preis für außenpolitische Influencer": Katharina Kunert
Diese neu geschaffene Kategorie würdigt journalistische Arbeit im Kontext von Außenpolitik, internationalen Beziehungen und geopolitischen Entwicklungen. Die journalistische Tätigkeit von Katharina Kunert deckt all diese Bereiche seit längerer Zeit ab. „
Die Journalistin berichtet aus dem Iran – begleitet und bisweilen bedrängt von einem Aufpasser des Regimes. Das ist mutig, das ist riskant und das ist überaus wichtig: Die Accounts von Katharina Kunert liefern Hintergründe aus Regionen, die für die meisten Menschen aus guten Gründen kaum zugänglich sind. Sie bietet authentischen und fundiert recherchierten Content, spricht eine junge Zielgruppe an und stellt immer wieder wichtige Querverbindungen her. Sie gibt ungeschönte Einblicke in das Leben von Frauen unter politischem Druck und thematisiert kritisch die Bildungs- und Gesundheitslage vor Ort.
Ihr Angebot rüttelt auf, informiert und fordert zum Handeln auf. Damit leistet sie nicht nur einen wichtigen Beitrag zu unserer Demokratie – sie gibt insbesondere denjenigen eine Stimme und Raum, die in anderen Staatsformen wortwörtlich um ihr Überleben kämpfen. Das verdient großen Respekt und Dank – und ist hoffentlich zugleich ein Mutmacher für ihre weitere Arbeit als Journalistin und außenpolitische Influencerin.
Preisträger Andreas Grassl war zur Preisverleihung der Hanns-Seidel-Stiftung digital zugeschaltet.
© Matthias Buchfelder
International Storytelling: Andreas Grassl
Für diesen Sonderpreis hat Andreas Grassl eine weitere Reise auf sich genommen. Die Grenzregion zwischen Iran, Armenien und Aserbaidschan ist ein greifbares und zugleich wenig präsentes Beispiel für die Bedeutung von Raum, Macht und Menschen. Der Politikexperte nimmt uns hier und in anderen Formaten regelmäßig mit in die weite Welt – politisch wohlgemerkt, nicht touristisch.
Grassl zeigt seinem Publikum multimedial die Konfliktlinien der Welt – im wahrsten Sinne des Wortes. Er recherchiert vor Ort, zeigt Probleme und Hintergründe auf und wird so zu einem modernen Vermittler internationaler Zusammenhänge.
Hinzu kommt eine hervorragende technische und dramaturgische Umsetzung: Andreas Grassl überzeugt mit Bildsprache und Schnitt, setzt multimediale Effekte gezielt ein und verbindet sie mit tiefgründiger Recherche. Sein Storytelling aus internationalen Krisen- und Konfliktregionen ist außergewöhnlich und für uns als Jury ein Vorbild – und hoffentlich Inspiration für viele talentierte Nachahmerinnen und Nachahmer.
Influencer-Newcomerin Marisa Lattemann (li.) nimmt ihren Preis entgegen.
© Matthias Buchfelder
Newcomer: Marisa Lattemann
Junge Journalistin „trying to get along with Politik“, so beschreibt Marisa Lattemann selbst ihre aktuelle Position. Das trifft es ziemlich gut. Der Account und seine Macherin sind jung und sprechen genau diese Altersgruppe an.
Aktuelle Einblicke in die Debatten der bundesdeutschen Politik, eigene Positionen und der Aufruf zum Mitmachen und Gestalten: Marisa Lattemann hat einen vielversprechenden Start hingelegt – in eine hoffentlich lange und erfolgreiche Karriere mit politischem Content vor sich. Die Jury betont dabei insbesondere ihren Fokus auf die Perspektive junger Frauen in Politik und Gesellschaft. Hier agiert sie meinungsstark und trotzdem jederzeit umsichtig. Gleichzeitig lässt sie in verschiedenen Community-Formaten auch Widerspruch und Diskussionen zu. Mit Erfolg: Die noch kleine Community wächst schrittweise und bestätigt die wichtige Orientierungsfunktion, die Marisa Lattemann mit ihrem Angebot einnimmt. Sie ist präsent, kombiniert klare Aussagen mit starker Ausstrahlung und ist damit ein Vorbild für junge Menschen, die selbst politischen Content produzieren und sich eine Community aufbauen wollen.
Über die Preisträgerinnen und Preisträger hat eine Jury unter Vorsitz von Prof. Dr. Jonas Schützeneder von der Universität der Bundeswehr München entschieden. Zu den früheren Preisträgerinnen und Preisträgern zählen Nina Poppel, Maja Mogwitz, Leon Eberhardt und David Matei.