Zum Tode von Dr. h.c. Alfred Bayer
Ein weitsichtiger Revolutionär
Dr. Alfred Bayer (rechts) im Gespräch mit dem ehemaligen Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Edmund Stoiber (Mitte).
HSS
Bayer hat die Hanns-Seidel-Stiftung in Bayern gestärkt sowie in Brüssel und weltweit zu einer international relevanten Institution aufgebaut. „Seine Weitsicht und die große Kraft, mit der er unsere Werte und Ziele zuhause und weltweit vorangetrieben hat, werden uns fehlen“, betonte der heutige HSS-Vorsitzende, der Europaabgeordnete Markus Ferber. „In seiner Arbeit lagen Alfred Bayer als Vorsitzendem die Fortentwicklung und Modernisierung der Stiftung besonders am Herzen. Wir verlieren mit ihm einen wichtigen Rat- und Impulsgeber.“ Ferber betonte, er habe Bayers „ruhige, bescheidene, sachliche Art sehr geschätzt, und als einen, der Bescheid wusste, der sich nie in den Mittelpunkt spielte, aber trotzdem seine Dinge auch durchzog“.
Kompetenter Vermittler
Als „idealen Vorsitzenden der Hanns-Seidel-Stiftung“ bezeichnete Dr. Theo Waigel den Verstorbenen zu seinem 90. Geburtstag im Jahr 2023, „weil er natürlich die Erfahrung aus der Politik mitbrachte, aber auch die Wissenschaft kannte, die ökonomische Situation in Bayern und es sehr gut verstand, zwischen allen Fronten gut zu vermitteln“. Dr. Edmund Stoiber, bayerischer Ministerpräsident a.D., kannte Bayer seit über 50 Jahren und lobte 2023 dessen Amtszeit bei der HSS als „zehn Jahre mit großer Entwicklung in die Zukunft“.
Am 11. Februar 2004 wird Hans Zehetmair als Nachfolger von Dr. Alfred Bayer zum Vorsitzenden gewählt
HSS
Auch der verstorbene ehemalige Landtagspräsident Alois Glück schätzte Bayers „unglaublichen Erfahrungsschatz von seinem beruflichen Werdegang“ und außerordentliche „Kompetenz in fachlichen Fragen sowohl in der Landespolitik, Bundespolitik und in der Wirtschaft“. Zudem habe Bayer eine „hohe Führungsqualität“ und „natürliche Autorität“ besessen sowie besonders gut Zusammenhänge und Wechselwirkungen erkannt. Bayers Nachfolgerin bei der HSS, Prof. Dr. Ursula Männle, würdigte 2023 ihren Vorgänger: „Alfred Bayer war ein sehr sachlich inhaltlich orientierter Mann, der viel Verständnis für die verschiedensten Bereiche der Stiftung entwickelt hat. Er war ein Vorsitzender, der ausgleichend wirkte.“
Vom Lehrer zum Staatssekretär
Am 8. März 1933 wurde Alfred Bayer in eine bewegte Zeit geboren – kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Er studierte nach dem Krieg ab 1952 Wirtschaftswissenschaften für das Lehramt an der Ludwig-Maximilians-Universität München, legte 1957 sein Staatsexamen ab und arbeitete bis 1969 im städtischen Schuldienst. Alfred Bayer, Hauptmann der Reserve und Träger des Bayerischen Verdienstordens, war seit 1960 mit Elfriede Bayer, geborene Buchberger, verheiratet.
Richtfest für das Konferenzzentrum der Hanns-Seidel-Stiftung am 12. April 2000 mit dem Hauptgeschäftsführer Manfred Baumgärtel, Dr. Edmund Stoiber, Polier Jürgen Scholz und Vorsitzendem Dr. Alfred Bayer (von links nach rechts).
FACES BY FRANK; HSS; ACSP, PH S HSS 2000-1-6
Schnell fiel Bayer mit seiner Tatkraft der Politik ins Auge: Bereits in den 1960er Jahren beriet der gebürtige Münchner den damaligen CSU-Generalsekretär Anton Jaumann in Wirtschaftsfragen und wurde von diesem nach dessen Ernennung zum Finanzstaatssekretär zunächst ab 1969 als Mitarbeiter ins Bayerische Staatsministerium der Finanzen geholt. Als Jaumann 1970 Wirtschaftsminister wurde, arbeitete Bayer als engster Ratgeber des Ministers und Grundsatzreferent bis 1982. 1976 zum Ministerialdirektor ernannt, wurde er schließlich auch Amtschef im Ministerium. Bayer sei „der erste Nationalökonom im bayerischen Finanzministerium“ gewesen, sagte 2023 der ehemalige Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel.
Arbeit in Bonn und München
Dann holte sich die Bundespolitik seine wirtschaftspolitische Kompetenz. Von 1982 bis 1987 arbeitete Alfred Bayer als beamteter Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium unter dem Minister Werner Dollinger (CSU). Als Staatssekretär war er auch Mitglied im Aufsichtsrat der Lufthansa.
Nach dem Abschied Dollingers aus der Bundesregierung 1987 wechselte auch Bayer und wurde Vorstandsvorsitzender der Isar-Amperwerke in München, eine Position, die er bis 1997 innehatte. In dieser Funktion trieb er das Engagement der Werke in den neuen Bundesländern voran. Er war zudem Aufsichtsratsvorsitzender der Erdgas Südbayern GmbH, Mitglied des Aufsichtsrates der Bayerischen Zugspitzbahn AG, Kuratoriumsvorsitzender der Erich-und-Erna-Kronauer-Stiftung in Schweinfurt und Kuratoriumsmitglied der Hochschule für Politik München (HfP).
Wichtige Weichen gestellt
Im Jahr 1994 wählte die Mitgliederversammlung der Hanns-Seidel-Stiftung Alfred Bayer, seit 1991 auch Träger des Bundesverdienstkreuzes, zu ihrem neuen Vorsitzenden. In der Stiftung konnte Bayer seinen großen Erfahrungsschatz aus der langjährigen Arbeit in Politik und Wirtschaft einbringen. Ein Jahrzehnt lang, bis 2004, prägte er die Arbeit der HSS mit innovativen Umgestaltungen wie der jährlichen Verleihung des „Förderpreises für junge Journalisten“ ab 1995 und dem Ausbau der Aktivitäten im Ausland – wie in Indien 1996.
Christian Seidel, Sohn von Hanns Seidel, Dr. Edmund Stoiber und Dr. Alfred Bayer bei der Gedenkfeier zum 100. Geburtstag von Hanns Seidel
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Dr. Alfred Bayer mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten Dr. Edmund Stoiber und dem früheren Bundespräsidenten Roman Herzog mit der damaligen Präsidentin des Oberlandesgerichts München und des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs Hildegund Holzheid (von rechts nach links) während der Eröffnungsfeier des Konferenzzentrums der Hanns-Seidel-Stiftung am 23. Februar 2001 in München.
Faces by Frank
Alfred Bayer selbst erinnerte sich an seinem 90. Geburtstag an seine Zeit als Vorsitzender: „Wir hatten die wunderbaren Veranstaltungen in Wildbad Kreuth. Wir haben im Ausland, damals in China, viele Erfolge gehabt mit der dualen Berufsausbildung. Wir haben in München mit dem Konferenzzentrum erstmals eine große Aktivität entfalten können. Sonst waren wir ständig in Wildbad Kreuth oder in Banz. Und so hatten wir hier in München dann doch ein echtes Zentrum und konnten hier viel hineinwirken in die politische Entwicklung.“
Die Hanns-Seidel-Stiftung sei immer bedeutender geworden, weil die Politik immer komplizierter geworden sei. „Die Leute verstehen die Politik immer schlechter, weil die Entwicklungen sich so auseinander bewegen. Und da ist eine Stiftung, die erklärt, die Hintergründe dargelegt, die den Menschen die Gegenwart besser erläutert, immer wichtiger.“
Auch diese großen Umbrüche machte er in der Stiftung mit, einige führte er selbst herbei: „Der Bau unseres Konferenzzentrums, unsere Auslandsvertretung in Israel und die Ausweitung der Stiftungsaktivitäten in Osteuropa nach dem Zerfall der Sowjetunion wären nicht ohne seine Mitwirkung entstanden“, würdigte der Vorsitzende Markus Ferber das Wirken seines Vorgängers. „Er hat für die damaligen Verhältnisse auch etwas Revolutionäres gemacht: Die ersten Schritte der HSS im Internet haben wir ihm zu verdanken.“ Alfred Bayer sorgte bereits 1997 dafür, dass die HSS online ging.
Ehrenmitglied und Publizist
In seinen zehn Jahren als Vorsitzender hat Bayer maßgeblichen Einfluss auf die inneren und äußeren Entwicklungen der Stiftung genommen. 2001 wurde auch dank ihm in direkter Nachbarschaft zum Sitz der Hanns-Seidel-Stiftung in der Lazarettstraße 33 in München ein neues Konferenzzentrum eröffnet. Seine Kompetenz in fachlichen Fragen und seine Führungsqualität wurden von den Mitarbeitern immer sehr geschätzt. Im Jahr 2018 wurde er zum Ehrenmitglied der HSS ernannt.
Er publizierte verschiedene Bücher und Aufsätze, darunter 1985 zur Verkehrspolitik der Bundesregierung und mit der HSS unter anderem zu den Hochschulen der Zukunft, zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität, zur Ökologie als Motor der Ökonomie sowie zum Wertekonsens in der Demokratie.
Interview mit Alfred Bayer
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