Eine Wahl von historischer Tragweite
Vorderseite des Wahlprospekts "Eine Wahl von historischer Tragweite" zur Bundestagswahl 1990
ACSP; ACSP, Fl Wahlprospekte 1990 Historische Tragweite : 1/4
Keine Zeit für riskante Experimente
Die Idee des Flyers bestand darin, sowohl die einzelnen Kandidatinnen und Kandidaten näher vorzustellen als auch die historische Bedeutung dieser Wahl hervorzuheben. Schließlich lege der neue
„Bundestag […] das Fundament, auf dem Deutschland zukünftig steht. Er stellt die Weichen, wohin die Reise der Deutschen geht. Keine Zeit für riskante Experimente, sondern für verantwortungsvolles Handeln.“,
so der Appell auf der Vorderseite dieses Wahlprospekts. Im Zuge dessen stellte die CSU – seit 1983 zusammen mit CDU und FDP Teil der Bundesregierung – ihre Erfolge in den Vordergrund und warb dafür, weiterhin auf diese bewährte Politik der Bundesregierung zu setzen:
„Unsere Politik kann sich sehen lassen. Der Friede ist sicherer, die Marktwirtschaft blüht, die sozialen Sicherungssysteme sind auf hohem Niveau solide finanziert, der Umweltschutz wurde vorangebracht. Wann war die Situation jemals besser als heute?“
Auffällig ist, dass die CSU hierbei auf ihr sonst omnipräsentes Markenzeichen, den Löwen und die Raute, verzichtete. Stattdessen ist in diesem Flyer der damals übliche blaue CSU-Schriftzug in gewohnt selbstbewusster Formatierung und dynamischer Kursivschrift ausschließlich mit einer Deutschlandfahne kombiniert. Auch auf gestalterischer Ebene betonte die CSU damit ihre Bereitschaft, bei der Bewältigung der anstehenden Herausforderungen im wiedervereinigten Deutschland federführend mitzuwirken.
Der Passus „Eine Wahl von historischer Tragweite“ war ebenso wie die daneben angebrachte Wahlanleitung auf jedem dieses zweimal gefalzten Wahlprospekts gleich. Auch die über der Wahlanleitung zu findende Auswahl der biographischen Angaben war standardisiert. Rechterhand befand sich immer ein Bild des jeweiligen Kandidaten bzw. der jeweiligen Kandidatin. Das Layout der Rückseite folgte ebenfalls einem einheitlichen Muster. Inhaltlich wurde sie aber mit Bild- und Textmaterial individuell gestaltet.
Rückseite des Wahlprospekts "Eine Wahl von historischer Tragweite" zur Bundestagswahl 1990
ACSP; ACSP, Fl Wahlprospekte 1990 Historische Tragweite : 1/4
Theo Waigel – Ein Schwabe aus Bayern für Bayern und Deutschland
Kaum ein anderer CSU-Politiker hatte einen derartigen Einfluss auf das Gelingen der Wiedervereinigung wie der damalige Bundesfinanzminister (1989-1998) und CSU-Parteivorsitzende (1988-1999) Theo Waigel, weshalb an dieser Stelle exemplarisch dessen Wahlprospekt gezeigt wird. Der bereits auf der Vorderseite zur Sprache gekommene gesamtdeutsche Gedanke wurde auch in Waigels persönlicher Wahlwerbung aufgegriffen. „Als […] Architekt der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion“ stehe er für eine „ausgewogene Finanz- und Steuerpolitik“. Zudem steuere Waigel so „Deutschlands Kurs der Einheit“ und entwickele „die Soziale Marktwirtschaft zum Exportschlager der Bundesrepublik“. Fotos mit für die Wiedervereinigung zentralen Persönlichkeiten wie Helmut Kohl, Michail Gorbatschow und George Bush unterstrichen Waigels Stellung als einflussreichen Bundespolitiker. Nichtsdestotrotz fand sich – wenn auch in geringerem Umfang – seine Verbundenheit mit Bayern und seinem schwäbischen Wahlkreis Neu-Ulm/Günzburg in diesem Flyer wieder. Dies geschah z.B. durch die Überschrift „Dr. Theo Waigel stärkt Bayern in Bonn“, ein Foto mit Schützen in bayerischer Tracht oder seine Positionierung als Verfechter eines „freien Europa[s] der Regionen“.
Ganz im Zeitgeist um 1990 war der CSU und ihren Spitzenpolitikern also daran gelegen, sich den Belangen des wiedervereinigten Deutschlands anzunehmen, dabei aber stets auch die bayerischen Interessen zu berücksichtigen.
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