Gedanken zum Advent
Erster Advent: Licht in die Dunkelheit bringen
Es ist schön, die Weihnachtsbotschaft mit leuchtenden Ketten und Kerzen zu illustrieren.
© Maren Winter, Adobe Stock
Früher habe ich viele Ketten mit kleinen Lampen in unseren Pflanzen und Bäumchen angebracht. Viele lange Ketten. Sie brauchen viel Strom. Zu viel. Inzwischen habe ich sie durch Solarleuchten ersetzt. Sie schaffen vorweihnachtliche Stimmung nur, wenn tagsüber ordentlich Sonne scheint. Das ist in unseren Breitengraden nicht garantiert.
An manchen Abenden ist es also eher finster, wenn wir dick eingemummelt in Jacken und Decken auf unseren Balkonmöbeln sitzen. An anderen strahlen die kleinen kugeligen Firefly- oder Glühwürmchen-Lampen, die wir in die Erde gesteckt haben, um die Wette. Anfangs habe ich mich noch darüber geärgert, dass die Beleuchtung nicht perfekt, weil wetterabhängig war. Inzwischen sehe ich das anders. Es gibt eben Tage, an denen es nicht licht um und in einem ist, an denen die Dunkelheit zu triumphieren scheint.
Es ist wichtig, sich einzugestehen und anzunehmen, dass man selbst nicht gut drauf und die eigene Welt vielleicht in Unordnung ist. Dann darf es ein kleines Kerzlein sein, das Licht spendet, oder ein Teelicht aus Bienenwachs mit winzigem Docht, aber wunderbarem Duft. Hauptsache, ein Lichtblick …. Das entspricht weitaus mehr den biblischen Erzählungen von Jesu Geburt als Prachtbeleuchtungen, die an die Paläste der damals Herrschenden erinnern. Sie haben nicht begriffen, wer da zur Welt kommt und Licht ins Dunkel bringt.
Adventsbeleuchtung ist Symbol dafür, dass Gott Mensch wird – wie der Prophet Jesaja in der Bibel geweissagt hat: „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.“ (Jesaja 9,1) Mein Mann und ich freuen uns über kleinen Glanz genauso wie über den größeren. Es wird auf jeden Fall Advent, auch wenn es keine Lichterorgie gibt. Und Weihnachten ereignet sich genau da, wo es dunkel ist wie im Stall.
Gott begibt sich mitten hinein in materielle Finsternis und in die der Seele. Er kommt zur Welt, wo Menschen ihre eigene Dunkelheit erkennen und die der anderen einfühlsam miterleben. Es ist schön, die Weihnachtsbotschaft mit leuchtenden Ketten und Kerzen zu illustrieren. Am schönsten ist es, die Welt mit dem Licht des Verstandes und vor allem dem des Herzens heller zu machen. Damit muss man nie sparen - da kann man voller Leidenschaft mit Liebe und Wärme prassen.
Kontakt
Stellvertretende Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung