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Archivale des Monats
Familienurlaub in Bayern

Autorin/Autor: Dr. Christian Petrzik

Der Bayerische Staatsminister für Arbeit und Sozialordnung, Fritz Pirkl, eröffnet die Feriensaison 1974 in Siegsdorf (Lkr. Traunstein). Seine Rede präsentiert das Archiv für Christlich-Soziale Politik als Archivale des Monats August.

Eröffnungsrede von Fritz Pirkl für die Saison des Familiensporturlaubs in Siegsdorf (Auszug)

Eröffnungsrede von Fritz Pirkl für die Saison des Familiensporturlaubs in Siegsdorf (Auszug)

ACSP; HSS, ACSP, NL Pirkl Fritz : 291

Als Bayerischer Staatsminister für Arbeit und Sozialordnung hielt Fritz Pirkl (1970-1984) am 3. August 1974 die Eröffnungsrede für die Saison des Familiensporturlaubs in Siegsdorf. Dieses Ferienprojekt, das die Gemeinde Siegsdorf mit dem Bayerischen Sportärzteverband realisierte, und dabei von Pirkls Ministerium finanziell unterstützt wurde, stellte einen Modellversuch dar. In Zusammenarbeit mit dem Bundesgesundheitsamt in Berlin sollten nach Siegsdorf weitere Feriengemeinden in Bayern als  Familiensportorte ausgewiesen werden. Pirkl stellte zu Beginn seiner Rede die Frage, was nun eigentlich Urlaub wäre und gab darauf die Antwort (ACSP, NL Pirkl Fritz : 291):

„Das Wort kommt aus dem Althochdeutschen „Erlaubnis“, also Erlaubnis: zu sein oder zu werden, wer man ist; aber wie machen viele Gebrauch davon? Ob dazu Einkehr und Ruhe, Einsamkeit oder Gesellschaft, ob dazu Sturm oder Drang, Offensivgeist oder Defensivhaltung gehörten, das ist nicht allgemeinverbindlich zu sagen und wohl auch beim gleichen Individuum zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich. Das heute allgemein verbreitete Fliehen in die Weite erscheint als ein arterhaltender Akt des intelligenten Nestflüchters, wobei man aber auch Urlaub zu Hause genußreich gestalten kann, wenn man sich genügend abschirmen kann. Bücher und Steckenpferde stehen dabei ohne Einschränkung zur Verfügung. Bergsteigen, Reiten und Segeln, Skilaufen und Wasserski locken auch heute noch unverweichlichte Naturen.“

Ferienplakat der CSU (undatiert)

Ferienplakat der CSU (undatiert)

CSU; ACSP; HSS, ACSP, Pl S 3502

Aus Sicht eines Arztes, so Pirkl, sei der Urlaub eine sinnvolle und zweckmäßige Pause zur Entspannung und Erholung. Dabei sollte er aber nicht durch „leere Passivität“ gekennzeichnet sein, sondern durch „kreative Besinnung und herzhafte, wie scherzhafte Betätigung.“ Vor diesem Hintergrund versuchte die damalige Bayerische Staatsregierung

„durch Sicherung alter Naturschutzgebiete und Schaffung neuer Urlaubsräume mit allen Möglichkeiten zur Erholung das Angebot für den Urlaub in Bayern zu vergrößern. Die Bayerische Staatsregierung ist aber auch bemüht, vor Schablone, Schema, Eintönigkeit und Einfallslosigkeit diese Orte zu bewahren. Urlaub sollte erhalten bleiben als die Möglichkeit, die Welt und die Natur unvoreingenommen zu erschauen, erfahren und erleben zu können.“

Eine besondere Bedeutung wurde dabei dem Sport als „spielerischem Tun“ beigemessen, „das sich in Breiten-, Gesundheits- und Ausgleichssport, in Gymnastik und Tanz, in Ferien- und Familiensport einstellt.“

Das Siegsdorfer Ferienprojekt wurde medizinisch-wissenschaftlich begleitet und über mehrere Jahre als Modellversuch durchgeführt. „Die Mischung von Urlaub, Freizeit, Sport und Erholung“, so Pirkl, „dürfte sicherlich großen Anklang finden und den Gästen aus Nah und Fern unsere bayerische Heimat mit seinen traditions- und heimatbewußten Menschen näherbringen.“

Mehr zu Fritz Pirkl im Webportal zur Geschichte der CSU.

Kontakt

Leiter: Dr. Christian Petrzik
Archiv für Christlich-Soziale Politik (ACSP), Politisch-historische Fachbibliothek
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