Interview mit Gerda Hasselfeldt
Freiwillige vor fürs Ehrenamt!
Millionen Menschen in Deutschland engagieren sich in ihrer Freizeit für unsere Gesellschaft. Das freiwillige Engagement der Bürgerinnen und Bürger hat eine große Bedeutung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Es ist unerlässlich für Teilhabe, Integration, Wohlstand, das kulturelle Leben, stabile demokratische Strukturen und soziale Bindungen. Ehrenamtliche sind das Rückgrat unserer Gesellschaft – und über die Hälfte von ihnen sind Frauen.
Ergebnisse der Fachtagung
Fachtagung „FREIWILLIGE VOR! Die Bedeutung von Ehrenamt und bürgerschaftlichem Engagement für unsere Gesellschaft“ am 05. April 2022 in Kooperation mit AWO Bayern
Podiumsgäste
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Gerda Hasselfeldt, Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes und Bundesministerin a.D.
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Prof. Dr. Sonja Haug, Fakultät für Angewandte Sozial- und Gesundheitswissenschaften der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat zum Deutschen Freiwilligensurvey
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Emilia Müller, Bayerische Landesvorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes und Staatsministerin a.D.
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Dr. Thomas Röbke, Vorsitzender des Sprecherinnen- und Sprecherrates des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement (BBE) und Geschäftsführender Vorstand des Landesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement (LBE) Bayern e.V.
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Nicole Schley, Landesvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Bayern
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Barbara Stamm, Landtagspräsidentin a.D.
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Birgit Frank, Bayerischer Rundfunk (Moderation)
Zahlen und Fakten zum Ehrenamt basierend auf dem Deutschen Freiwilligensurvey 2019
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Der Deutsche Freiwilligensurvey ist die größte bundesweite Erhebung zum ehrenamtlichen Engagement. Erhoben wird nicht die Mitgliedschaft, sondern das Engagement. Alle Befragungsergebnisse von 2019 finden Sie unter: https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-35317-9
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Der Anteil freiwillig Engagierter liegt in Deutschland bei 40% und ist seit 1999 um 9% gestiegen. Aktuell sind über 30 Millionen Menschen in Deutschland ehrenamtlich aktiv.
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Die meistgenannten Motive für ehrenamtliche Tätigkeiten sind „Spaß/Freude“ (94%) und „Helfen wollen“ (89%).
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Die häufigsten Bereiche des freiwilligen Engagements sind Sport und Bewegung (13.5%), Kultur und Musik (8,6%), Soziales (8,3%) sowie Schule und Kindergarten (8,2%).
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Der Umfang ehrenamtlichen Engagements ist abhängig von Alter, Bildungsgrad, Erwerbsstatus, Wohnort, Religionszugehörigkeit und Migrationshintergrund: Im Alter von 30-49 Jahren besteht das größte freiwillige Engagement, ab dem Alter 65 nimmt die Engagementsquote stark ab. Höheres Bildungsniveau, Wohlstand und Erwerbstätigkeit gehen mit stärkerer ehrenamtlicher Aktivität einher. In ländlichen Regionen gibt es mehr freiwilliges Engagement (42%) als im städtischen Raum (39%). Bei Angehörigen christlicher Kirchen finden sich die höchsten Engagementsquoten. Personen mit Migrationshintergrund sind weniger engagiert (27%) als Personen ohne Migrationshintergrund (44%).
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Frauen und Männer sind in Deutschland gleichermaßen ehrenamtlich aktiv (Frauen 39%, Männer 40%), jedoch haben Frauen weniger häufig Leitungsfunktionen inne (Frauen: 22%, Männer: 31%). Frauen engagieren sich meist für Kinder und Menschen mit Migrationshintergrund/Geflüchtete sowie im kirchlichen Bereich. In den Sektoren Sport, Politik, Rettungswesen und Feuerwehr sind sie seltener anzutreffen.
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Eine Analyse des ehrenamtlichen Engagements für Geflüchtete ergab, dass 2019 rund 8% der Bevölkerung in diesem Bereich tätig war. In den letzten 5 Jahren engagierten sich 12% der Bevölkerung für Geflüchtete. Frauen engagieren sich hierbei mehr als Männer, alle Altersgruppen gleichermaßen, jedoch deutlich mehr Menschen mit höherem Bildungsniveau. 12% der Personen mit eigener Fluchterfahrung engagieren sich freiwillig für andere Geflüchtete, darunter 19% der vor 2014 Zugewanderten und 10% der seit 2014 Zugewanderten.
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Beim Ehrenamt beobachtet man aktuell folgende Entwicklungen: Trend zu weniger zeitaufwändigen Aktivitäten, seltenere Übernahme einer Leitungstätigkeit, häufig Geldspenden. Individuell organisiertes, projektbezogenes Engagement gewinnt an Bedeutung gegenüber Vereins- oder Verbandstätigkeiten. Etwa die Hälfte der Ehrenamtlichen nutzen das Internet für ihr Engagement.
Erkenntnisse aus der Podiumsdiskussion
Welchen gesellschaftlichen und persönlichen Stellenwert hat das Ehrenamt?
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Das freiwillige Engagement hat eine große Bedeutung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Es ist unerlässlich für gesellschaftliche Integration, individuelle Teilhabe, soziale Bindungen, stabile demokratische Strukturen, Wohlstand und das kulturelle Leben. Ehrenamtliche sind das Rückgrat der Gesellschaft.
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Freiwillig Engagierte verspüren mehr Zufriedenheit, höhere Selbstwirksamkeit und persönliche Bereicherung. Ehrenamtliche weisen ein höheres Vertrauen in gesellschaftliche Institutionen auf und sind zufriedener mit der Demokratie in Deutschland.
Was braucht das Ehrenamt? Was wünschen sich freiwillig Engagierte?
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Das Ehrenamt benötigt ein gebundenes, langfristiges Engagement sowie miteinander eingeübtes Agieren. Engagierte, die auch zeitintensive Leitungsfunktionen übernehmen sind ebenso wichtig wie Strukturen, denn 50% der Vereine haben keine Verbandsbindungen.
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Ehrenamtliche wünschen sich permanente Wertschätzung und Anerkennung, d.h. nicht nur in Krisenzeiten. Sie wollen gesehen und gehört werden, daher schätzen sie Auszeichnungen und Vergünstigungen (z.B. Ehrenamtskarten) sowie die Gesprächsbereitschaft von Politikern und Behördenvertretern.
Welche Folgen hat die Corona-Pandemie für das Ehrenamt?
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Einzig positive Auswirkung der Pandemie ist die beschleunigte Digitalisierung von Vereinen und Verbänden.
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Die negativen Folgen wiegen schwer: Ehrenamt ist auf echte Begegnungen angewiesen. Die Corona-bedingten Hygienevorschiften haben es sehr schwierig gemacht, das freiwillige Engagement fortzuführen. Rund ein Viertel der Vereine sind in eine existentielle Krise geraten, vormals Engagierte ist nicht mehr für das Ehrenamt zu gewinnen. Ein besonderer Fokus muss daher auf der Nachwuchsgewinnung liegen.
Wie gelingt Nachwuchsgewinnung im Ehrenamt?
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Das Ehrenamt wird nicht durch die Corona-Pandemie sondern auch aufgrund des demografischen Wandels geschwächt. Deutschland altert, schrumpft und wird vielfältiger. Daher ist es besonders wichtig, Kinder und Jugendliche, Menschen über 65 Jahren sowie Personen mit Migrationshintergrund verstärkt ins Ehrenamt einzubinden. Vereine und Verbände sind gefordert, diesen Menschen die Attraktivität der ehrenamtlichen Arbeit näher zu bringen. Für die erfolgreiche Nachwuchsgewinnung braucht es die persönliche Ansprache und Interessensgruppen vor Ort.
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Jungen Menschen fehlt es oft an Informationen, wo sie sich engagieren können. Ehrenamtliches Engagement wird oft vom Elternhaus übernommen und ist milieugeprägt. Um junge Unterstützerkreise zu gewinnen, sollte man Kinder frühzeitig für das Ehrenamt begeistern. In den Städten haben die Hälfte der Kinder Migrationshintergrund, hier bedarf es der schulischen Heranführung an ehrenamtliches Engagement. Eltern mit Migrationshintergrund benötigen mehr Informationen über den Nutzen und die Vielfalt des Ehrenamts.
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Gerade bei jungen Frauen gilt es die Vereinbarkeit von Familie und Ehrenamt zu verbessern. Viele Frauen wollen mit Blick auf ihr Engagement und die Übernahme von ehrenamtlichen Leitungsfunktionen gefragt werden.
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Bei den über 65-Jährigen gilt es ehrenamtliches Engagement interessenspezifisch zu fördern und Berührungsängste abzubauen.
Was haben wir aus der Flüchtlingssituation 2015 und der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 für das Ehrenamt gelernt?
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2015 wurde der Grundstock für die Bewältigung weiterer großer Flüchtlingsaufnahmen gelegt. Es wurden u.a. Integrationslotsen geschaffen. Auch hinsichtlich der Ausstattung hat sich die Situation verbessert, so wurde frühzeitig ein Vorrat z.B. an Feldbetten und Matratzen angelegt. Aus bisherigen Krisen wurde gelernt, dass Hilfsorganisationen, Kommunen und Ministerien frühzeitig unter- und miteinander kooperieren müssen. Die Einberufung von Krisenstäben fördert und beschleunigt ein abgestimmtes Handeln.
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Weitere Lehren aus bisherigen Krisen: Die Helfer-Koordination ist wichtig, sonst gibt es das „Problem spontaner Helfer“, die wie im Ahrtal die Zufahrtsstraßen blockieren. Es bedarf besserer Rahmenbedingungen für Ehrenamtliche. Die Vereinbarkeit von Familie und Ehrenamt sowie Beruf und Ehrenamt muss optimiert werden. Die Bürokratie im Ehrenamt sollte abgebaut werden.
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Ehrenamt wird in Krisenzeiten politischer. Freiwillig Engagierte sollten daher besser vor Anfeindungen und Angriffen geschützt werden, insbesondere Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit.
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Ohne Ehrenamtliche wäre die Flüchtlingssituation 2015 und 2022 nicht zu bewältigen (gewesen). 2022 ist die Bevölkerung besser vorbereitet als 2015 – jedoch ist die Situation nicht wirklich vergleichbar. 2015 kamen vor allem junge, alleinreisende Männer aus Syrien, Afghanistan und dem Irak nach Deutschland. Aus der Ukraine fliehen zumeist Frauen, Kinder und ältere Menschen. Auch besteht eine veränderte rechtliche Situation: die Geflüchteten müssen keinen Asylantrag stellen, kommen häufig bei Verwandten unter und dürfen sofort arbeiten Die Helferkreise unterscheiden sich ebenfalls: 2015 waren vorwiegend über 50-Jährige mit höherem Bildungsniveau ehrenamtlich aktiv, aktuell sind es größtenteils junge Mütter, die sich besonders gut in die Situation der geflüchteten Frauen mit Kindern hineinversetzen können.
Demokratie lebt von Solidarität und freiwilligem Engagement. Bayern wäre ohne den nachhaltigen und herausragenden Einsatz der über fünf Millionen Ehrenamtlichen nicht denkbar.
Vielen Dank allen bürgerschaftlich Engagierten!
Freiwillige vor! – Wenn Sie sich gerne ehrenamtlich engagieren würden, klicken Sie auf die Website des Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement Bayern: https://www.lbe.bayern.de/
"Bürgerliches Engagement ist das menschliche Gesicht unserer Gesellschaft." (Gerda Hasselfeldt)
Welchen Stellenwert hat das Ehrenamt in unserer Gesellschaft? Wie können wir freiwilliges Engagement fördern, wo die Rahmenbedingungen verbessern? – Hierzu haben wir die Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes und Bundesministerin a.D., Gerda Hasselfeldt, für Sie interviewt:
HSS: Frau Hasselfeldt, Sie wurden 2017 als erste Frau an die Spitze des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) gewählt. 2021 wurden Sie einstimmig für vier weitere Jahre als ehrenamtliche Präsidentin bestätigt. Welche Bedeutung hat Ehrenamt für Sie ganz persönlich?
Gerda Hasselfeldt: Bürgerschaftliches Engagement ist das, was unsere Gesellschaft zusammenhält, ihr menschliches Gesicht. Ohne das Engagement der Bürgerinnen und Bürger wäre vieles, was unseren Sozialstaat ausmacht, überhaupt nicht leistbar. Bereits in meiner politischen Arbeit habe ich mich für eine Stärkung des Ehrenamts eingesetzt. Als ich dann selbst gefragt wurde, ob ich dieses Ehrenamt im Deutschen Roten Kreuz übernehmen würde, war für mich klar, dass auch ich meine Erfahrungen und Kompetenzen einbringen will, um anderen Menschen zu helfen.
HSS: Was bedeutet es für Sie, die erste Frau an der Spitze des DRK zu sein? Welche Rolle spielen Frauen im Ehrenamt?
Frauen sind eine tragende Säule im Ehrenamt. Trotzdem erlebe ich es, dass Frauen noch immer viel zu häufig im Hintergrund bleiben und auch in den ehrenamtlichen Führungspositionen nicht so oft vertreten sind wie die Männer. Ich möchte andere Frauen dazu ermutigen, Spitzenpositionen anzustreben, und zwar nicht nur als Stellvertreterinnen in der zweiten Reihe. Wenn ich dafür als Beispiel dienen und anderen Frauen Mut machen kann, dann freut mich das.
HSS: Was sind die Motivatoren für bürgerschaftliches Engagement? Wie kann Ehrenamt gezielt gefördert und gestärkt werden?
Die wichtigste Motivation für bürgerschaftliches Engagement ist es, daran Freude zu haben und anderen zu helfen. Um dieses zu erhalten, braucht es Anerkennung und Wertschätzung von Seiten der Politik und Gesellschaft.
HSS: Frau Präsidentin, bitte erzählen Sie uns etwas über die Arbeit des Deutschen Roten Kreuzes. Sind Ehrenamtliche in allen Bereichen des DRK aktiv? Welchen Anteil haben Ehrenamtliche an der täglichen Arbeit? Wie ist das Zusammenspiel zwischen Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen?
Die Arbeit des Deutschen Roten Kreuzes stützt sich maßgeblich auf freiwilliges Engagement. Es liegt quasi in unserer DNA, denn das Rote Kreuz wurde vor über 150 Jahren aus freiwilligem Engagement heraus gegründet und bis heute ist Freiwilligkeit einer unserer Grundsätze. Rund 430.000 Menschen sind ehrenamtlich bei uns aktiv. Zum Vergleich: Im Hauptamt haben wir rund 190.000 Mitarbeitende. Das zieht sich durch alle Bereiche hindurch, sei es in der sozialen Arbeit, beim Sanitätsdienst, bei der Blutspende oder in der Berg- und Wasserwacht. Was allgemein nicht so bekannt ist: Der Bevölkerungsschutz in Deutschland ist zu 90 Prozent ehrenamtlich getragen.
HSS: Der russische Einmarsch in die Ukraine hat nicht nur den Krieg wieder nach Europa gebracht, sondern mehrere Millionen Menschen zu Binnenvertriebenen und Flüchtlingen gemacht. Die Welle der Hilfsbereitschaft in Deutschland und in den Nachbarländern ist überwältigend. Ohne ehrenamtliches Engagement wäre diese Krise kaum menschlich zu bewältigen. Wie engagiert sich das DRK in der Ukraine? Wie werden ukrainische Geflüchtete in Deutschland unterstützt?
Wir sind als DRK Teil des weltweiten Netzwerks der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung und helfen unserer Schwestergesellschaft in der Ukraine, aber auch in den Nachbarländern, wohin unzählige Menschen geflüchtet sind. Es geht darum, essenzielle Hilfsgüter dorthin zu bringen, wo sie gebraucht werden. Auch in Deutschland sind wir stark in der Betreuung der Menschen, die hier ankommen, involviert. Wir übernehmen vor allem die Erstversorgung: Unterbringung, Verpflegung, medizinische und psychosoziale Versorgung sowie persönliche Beratung und Betreuung.
HSS: Was sind die aktuellen Herausforderungen im Bereich Ehrenamt? Welchen Einfluss hat die Corona-Pandemie? Wie können die Rahmenbedingungen für das freiwillige Engagement verbessert werden?
Die COVID-19-Pandemie, aber ebenso die Flutkatastrophe im vergangenen Sommer, haben deutlich gemacht, wie unverzichtbar das Engagement der Bürgerinnen und Bürger ist. Wir müssen alles tun, um das Ehrenamt zu stärken. Das beginnt bei der Gleichstellung von Helferinnen und Helfern der anerkannten Hilfsorganisationen mit den Einsatzkräften des Technischen Hilfswerks und der Feuerwehren. Hier brauchen wir bundeseinheitliche Regelungen bei der Freistellung vom Arbeitsplatz und in Versicherungsfragen. Die Pandemie hat auch einen Schub in der Digitalisierung gebracht. Das war auch notwendig, denn gerade bei den Jüngeren finden viele den Einstieg in das gesellschaftliche Engagement über das Internet.
HSS: Wie könnte ehrenamtliches Engagement vom Staat besser honoriert werden? Anhand von Geldleistungen oder einem Punktesystem, das Einfluss auf die Rente hat?
Wir erleben einen Strukturwandel im Engagement. Es ist nicht mehr so einfach, Menschen auch für eine längere, feste Mitwirkung zu gewinnen. Viele, insbesondere Jüngere, wünschen sich mehr Anerkennung, und das nicht nur in Form von Lob und Zuspruch, sondern auch durch konkrete Erleichterungen. Bei den Freiwilligendiensten etwa müssen wir sicherstellen, dass alle jungen Menschen sich die Teilnahme auch leisten können: durch angemessenes Taschengeld, kostengünstige oder freie Unterbringung und Verpflegung. Auch eine Anrechnung bei der Rentenanwartschaft wäre ein möglicher Schritt. Generell sollten Zeiten freiwilligen Engagements beim Zugang zum Studium oder Einstieg in den Beruf mehr Berücksichtigung finden.
HSS: Was wünschen Sie sich, wenn wir in drei Jahren erneut eine Fachtagung zum Thema „Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement“ veranstalten. Was müsste sich bis dahin verbessert haben?
Es ist wichtig, dass auf die Worte des Lobes auch Taten folgen. Die Anerkennung, die Ehrenamtliche wie auch Hauptamtliche in sozialen Berufen, in der Pflege, im Rettungsdienst und im Katastrophenschutz in Krisenzeiten erfahren haben, darf keine Alltagsfliege sein. Sie muss sich niederschlagen in einer angemessenen Bezahlung und guten Arbeitsbedingungen für die Hauptamtlichen und in einer besseren Vereinbarkeit von Ehrenamt und Beruf für die freiwillig Engagierten. Nur so werden wir auch dauerhaft genügend Menschen mobilisieren, in diesen für die Gesellschaft so wertvollen und auch für die Einzelnen selbst so gewinnbringenden Arbeitsfeldern tätig zu sein. Dazu bedarf es einer breit angelegten Fachkräftekampagne für das Hauptamt und eines Abbaus bestehender Hürden, um zum Beispiel die Freiwilligendienste noch attraktiver zu machen. Denn diese sind oft das Eintrittstor in ein dauerhaftes Engagement oder einen sozialen Beruf.
HSS: Frau Hasselfeldt, wir danken Ihnen für das Gespräch.
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