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Fußball und Politik – Ein WM-Spielplan der CSU

Autorin/Autor: Stefan Obermeier

Am 11. Juni 2026 um 21:00 Uhr europäischer Zeit ist es so weit – die 23. Weltmeisterschaft in der Geschichte des Weltfußballs beginnt. Millionen Fußballfans rund um den Globus verfolgen nun gebannt, wer sich am 19. Juli zum Weltmeister küren wird. Um den Überblick über die jeweiligen Begegnungen nicht zu verlieren, gehört dabei ein Spielplan zur Grundausstattung eines jeden Fans. Ähnliche Gedanken verfolgte auch die CSU im Jahre 1998 und erstellte zu der damaligen WM in Frankreich einen Spielplan inklusive CSU-Wahlwerbung. Diesen Spielplan präsentiert das Archiv für Christlich-Soziale Politik nun passend zu der aktuell fußballverrückten Zeit als Archivale des Monats Juni.

Titelseite des Spielplans der CSU für die Fußball-Weltmeisterschaft in Frankreich 1998

ACSP; ACSP, KWM 1998 : 13

Warum ließ die CSU einen WM-Spielplan drucken?

1998 stellte für die Menschen in Bayern ein „Superwahljahr“ dar. Neben der Wahl des Bayerischen Land- und Bezirkstags am 13. September wurden die Wählerinnen und Wähler kurze Zeit später auch für die Bundestagswahl (27. September) zur Urne gebeten. Entsprechend intensiv feilte man in der Parteizentrale an effektiven Werbemethoden. Mit einem WM-Spielplan versuchte man, die Breitenwirkung des Fußballs zu nutzen und so die CSU-Kandidatinnen und Kandidaten einer möglichst großen Bevölkerungsschicht ins Gedächtnis zu rufen. In einem Musterdruck dieses WM-Spielplans, den die CSU zusammen mit der Werbeagentur „Forest Foto-Litho-Desktop“ aus Karlstadt kreierte, hieß es hierzu:

„Vom 10. Juni bis 12. Juli 1998 findet die Fußballweltmeisterschaft in Frankreich statt. Ein Ereignis, das viele Fans und Zuschauer in Bayern fesseln wird. Wir bieten allen Kandidaten/-innen für die Bundestags-, Landtags- und Bezirkstagswahl sowie den CSU-Verbänden einen exklusiv gestalteten WM-Planer. […] Er eignet sich hervorragend zur Verteilung bei Sportereignissen, Veranstaltungen, am Infostand usw.“ (ACSP, Fl 1998 : 13)

Dabei handelte es sich aber keineswegs um eine neue, sondern um eine lange bewährte Idee. Bereits mehrfach in ihrer Geschichte warb die CSU mit Spielplänen von Sportereignissen, v.a. im Fußball. Erstmals lässt sich dies bei der Landtagswahl 1966 nachweisen, als sich die CSU mit einem Spielplan für die Hinrunde der Fußball-Bundesliga und der Regionalliga-Süd um die Gunst der Wähler bemühte.

Innenseite des WM-Spielplans mit dem CSU-Team für Mittelschwaben bei der Bundes-, Land- und Bezirkstagswahl 1998

ACSP; ACSP, KWM 1998 : 13

Der Spielplan zur WM 1998 – Aufbau und Layout

Ganz im Stile der damaligen CSU-Werbekampagne befand sich auf der Titelseite des Spielplans – ebenso wie auf Wahlplakaten und Flyern aus diesem Jahr – eine Deutschland- und eine Bayernfahne. Die CSU betonte damit ihre Identität als bayerische Partei, die aber speziell acht Jahre nach der Wiedervereinigung auch das Wohl Gesamtdeutschlands im Blick hatte. Ergänzt wurde dies dem Anlass entsprechend mit einem Fußball, einem Fußballtor und dem Titel „Fußball-Weltmeisterschaft Frankreich 10. Juni – 12. Juli 1998“. Rechts oben befand sich das seit Beginn der 1970er Jahre gängige CSU-Symbol des Bayerischen Löwen und der Raute in Kombination mit dem Schriftzug CSU, was von einem dynamischen, grünen Pinselbogen untermalt wurde. 

Das CSU-Team für Mittelschwaben bei der Bundes-, Land- und Bezirkstagswahl 1998

ACSP; ACSP, KWM 1998 : 13

Klappte man den insgesamt vierzehnseitigen Spielplan (Format: 58 x 14,8 cm) auf, fand man zunächst eine Auflistung der bisherigen Weltmeister, ein Feld für einen persönlichen Tipp für den Turniersieger, eine Übersicht über die in insgesamt acht Gruppen aufgeteilten Teilnehmer sowie eine Frankreichkarte mit den Spielorten. Die bei Turnierbeginn bereits feststehenden Spielorte der deutschen Nationalmannschaft waren mit einer Deutschlandfahne markiert. Es folgten Informationen über die Spielpaarungen, Spielorte und Spielzeiten der Gruppenphase. Die letzte Seite war für die Vorstellung der CSU-Kandidatinnen und -Kandidaten reserviert. Exemplarisch sind hier die Vertreter aus Mittelschwaben um den damaligen, ohnehin fußballbegeisterten Bundesfinanzminister Theo Waigel zu sehen, der den Bundeswahlkreis Neu-Ulm erfolgreich vertrat. Für den Bayerischen Landtag kandidierten Alfred Sauter und Berta Schmid, für den Bezirkstag in Schwaben Georg Simnacher und Willi Kielmann. Auf der Rückseite konnten auf weiß-blauem Rautenhintergrund die Begegnungen der K. o.-Runde bis hin zum Finale eingetragen werden. Die letzten beiden Seiten vor der Titelseite boten schließlich Platz für einen individuell gestaltbaren Text sowie einem bis maximal drei Kandidatenfoto(s). In diesem Fall entschied sich Theo Waigel, der neben dem Amt des Bundesfinanzministers auch den CSU-Parteivorsitz innehatte, für einen gemeinsamen Text mit dem damaligen Bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, verbunden mit den besten Wünschen für ein erfolgreiches Turnier der deutschen Nationalelf. Der Text musste in diesen digitalen Anfangszeiten von den Auftraggebern „auf Diskette in Microsoft Word, maschinengeschrieben oder in Blockschrift“, die Bilder als „Dias, Negative oder […] Fotos mit glatter Oberfläche“ bei der Werbeagentur abgegeben werden (ACSP, Fl 1998 : 13). Die Mindestbestellmenge, die in 5.000er Schritten erhöht werden konnte, lag bei 5.000 Exemplaren.

Außenseite des WM-Spielplans

ACSP; ACSP, KWM 1998 : 13

Brachte der WM-Spielplan Glück?

Der von Waigel und Stoiber formulierte Wunsch nach „viele[n] siegreiche[n] Spiele[n]“ der deutschen Nationalelf und einem Abschneiden „unter den Besten“ erfüllte sich leider nur teilweise. Zwar beendete die DFB-Elf die Gruppenphase als Gruppenerster, musste sich dann aber bereits im Viertelfinale nach einer 0:3 Niederlage gegen das kroatische Nationalteam aus dem Turnier verabschieden. Den Weltmeistertitel konnte das Gastgeberland Frankreich bejubeln. Ähnlich enttäuschend verlief für die CSU auch die Bundestagswahl, bei der die von der Union geführte Regierung um Kanzler Helmut Kohl von einer rot-grünen Mehrheit abgelöst wurde. Bei der Landtagswahl konnte die CSU hingegen ihre absolute Mehrheit verteidigen.
Ihren WM-Spielplan sah die CSU aber nicht als schlechtes Omen. Bereits bei der Europameisterschaft im Jahr 2000 erstellte sie – wie bei den meisten nachfolgenden Turnieren der Nationalelf – erneut einen CSU-Spielplan.

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Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Stefan Obermeier
Archiv für Christlich-Soziale Politik (ACSP), Politisch-historische Fachbibliothek
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