Amerikanische Faulbrut und Asiatische Hornisse
Gefahren für unsere Bienen
Nicht nur in Schutzzonen gilt: Honiggläser sorgfältig auswaschen, um ein weiteres Ausbreiten der Faulbrut zu verhindern.
Silke Franke
Silke Franke, Referentin der HSS für Umwelt und Energie, Städte, Ländlicher Raum, führte ein Interview mit Thomas Klotz, Referent der HSS für Bildung, Hochschulen, Kultur, über neue Herausforderungen für Imker. Er ist passionierter Hobby-Imker und Vorsitzender des Bezirksimkervereins Gmund – Tegernseer Tal und Umgebung.
Silke Franke: Die Bienen summen fleißig und doch sind die Imker besorgt - warum?
Thomas Klotz: Wir machen uns tatsächlich Sorgen: Die Wildbienen sind in Deutschland zu rund zwei Drittel in unterschiedlichen Abstufungen vom Aussterben bedroht. Auch unsere Honigbienen sind großen Gefahren ausgesetzt: Die Asiatische Hornisse breitet sich weiter aus und an einigen Orten ist die Amerikanische Faulbrut ausgebrochen - auch in der Münchner Innenstadt, weshalb ein Schutzkreis eingerichtet wurde. Das bedeutet, dass hier keine Bienenvölker eingebracht oder heraustransportiert werden dürfen.
Silke Franke: Amerikanische Faulbrut – was muss man sich darunter vorstellen?
Thomas Klotz: Dabei handelt es sich um eine hochansteckende Krankheit, ausgelöst durch das Bakterium „Paenibacillus larvae“, das Sporen bildet. Für Menschen sind die nicht gefährlich, aber für den Nachwuchs der Bienen. Die Bienenbrut wird von dem Erreger vollständig zu einer zähen Masse zersetzt. Damit ist das Bienenvolk nicht überlebensfähig.
Silke Franke: Woher kommt diese Krankheit?
Thomas Klotz: Sie wurde zwar in Amerika entdeckt, daher der Name, kommt aber auf der ganzen Welt vor. Das Problem ist, dass sie sich schnell ausbreiten kann. Sobald eine Wabe oder Honig kontaminiert ist, verbreiten sich die aufgenommenen Sporen des Erregers über den Kontakt zwischen den Bienen sehr leicht.
Silke Franke: Was ist nun zu beachten?
Thomas Klotz: Imker müssen unbedingt den eingerichteten Schutzkreis beachten und ihre Bienenvölker häufiger kontrollieren. Um die Ausbreitung zu verhindern, sind aber auch die Bürger gefragt: Honiggläser müssen sorgfältig ausgewaschen werden, bevor sie in Glascontainern entsorgt werden. Auch über Honigreste kann die Faulbrut übertragen werden.
Silke Franke: Kann man den Honig essen?
Thomas Klotz: Wie gesagt: Das ist nicht für den Menschen gefährlich und auch nicht für die erwachsenen Bienen, sondern für die Bienenbrut. Der Honig ist also essbar.
Die Asiatische Hornisse ist etwas kleiner als unsere heimische Hornisse und wirkt trotz der dünnen, gelben Streifen auf dem Körper deutlich dunkler. Jede Sichtung der invasiven Asiatischen Hornisse soll so schnell wie möglich an die Umweltbehörde gemeldet werden.
Henk; HSS; Adobe Stock
Silke Franke: Was ist mit der Asiatischen Hornisse – woher kommt diese?
Thomas Klotz: Die asiatische Hornisse wurde tatsächlich aus Südostasien eingeschleppt, vermutlich im Schlepptau von Importwaren. Sie kommt mit dem Klima hier inzwischen gut zurecht – was auch mit dem Klimawandel zu tun hat – und breitet sich von Frankreich aus weiter über Europa aus, zumal sie hier keine natürliche Konkurrenz hat.
Silke Franke: Warum stellt sie eine Gefahr dar?
Thomas Klotz: Die Abwehrmechanismen unserer Honigbienen, die gegen unsere heimischen Hornissen ganz gut funktionieren, sind bei der Vespa velutina, also der Asiatischen Hornisse, wirkungslos. Durch den dickeren Chitinpanzer können die Bienenstacheln nicht eindringen.
Silke Franke: Wie erkenne ich die Asiatische Hornisse?
Thomas Klotz: Sie ist etwa drei Zentimeter lang und hat einen schwarzen Körper mit wenigen dünnen, gelben Streifen. Außerdem hat sie gelbe Beine.
Silke Franke: Lässt sich die weitere Ausbreitung aufhalten?
Thomas Klotz: In Frankreich ist sie inzwischen weit verbreitet, auch in Deutschland gibt es immer mehr Funde, etwa entlang des Rheins. Aufhalten wird sich die Verbreitung der Asiatischen Hornisse wohl nicht lassen, aber eindämmen. Als „unerwünschte Spezies“ in der Europäischen Union müssen Funde bei der Unteren Naturschutzbehörde oder über Imkervereine gemeldet werden. Im Sommer sind ihre Nester, die zumeist in hohen Baumkronen hängen, sehr groß. Jedes Hornissenvolk vertilgt rund 60 Kilogramm Insektenmasse pro Jahr – vorzugsweise Honigbienen. Wir sollten alle versuchen, die Ausbreitung so gut wie möglich einzudämmen und jede Sichtung sofort an die Umweltbehörde melden.
Silke Franke: Kann ein Imker seine Bienen schützen?
Thomas Klotz: In Frankreich haben inzwischen viele Imker die Bienenzucht aufgegeben. Aktuell tüfteln jedoch viele Bienenzüchter, Wissenschaftler und Hersteller von Imkereibedarf daran, Abwehrvorrichtungen gegen die Asiatische Hornisse zu entwickeln, etwa spezielle Käfige, die vor dem Einflugloch zum Bienenkasten installiert werden. Angeblich sollen auch Flatterbänder um die Bienenstöcke helfen. Als gesichert gilt, dass die Asiatische Hornisse dort weniger auftritt, wo unsere heimische Hornisse stärker verbreitet ist.
Vielen Dank für das Interview!
Thomas Klotz betreut 15 Bienenvölker, zwei von ihnen sind hier zu sehen.
Thomas Klotz
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