Archivale des Monats
Georg Stücklen – Ein Mann der ersten Stunde
Ausschnitt aus einem Presseartikel mit Foto von Georg Stücklen kurz vor seinem 80. Geburtstag (24.07.1955)
ACSP; ACSP, NL Stücklen Richard : 170
Georg Stücklen
Geboren wurde Georg Stücklen am 24. Juli 1875 in Nürnberg. Nach dem frühen Tod seiner Eltern wuchs er ab 1879 bei seinem Onkel in Heideck – der Stadt, welcher er von 1922 bis 1933 sowie von 1945 bis 1948 als Bürgermeister vorstand – auf. Georg Stücklen erlernte bei seinem Onkel das Schlosserhandwerk und übernahm 1898 als Meister dessen Betrieb. Nach der Teilnahme am Ersten Weltkrieg engagierte sich Stücklen in der Bayerischen Volkspartei (BVP), zunächst als Stadtrat, anschließend als Bürgermeister. 1933 unterbrachen das Verbot der BVP und seine Inhaftierung durch das NS-Regime sein politisches Wirken, welches er erst nach dem Zweiten Weltkrieg fortsetzen konnte. Neben seinem Bürgermeisteramt war er als Mitglied der Verfassungsgebenden Landesversammlung in Bayern an der Ausarbeitung der im Dezember 1946 in Kraft getretenen Bayerischen Verfassung beteiligt. Von 1946 bis 1950 setzte er sich als Abgeordneter für die Belange seines Wahlkreises Hilpoltstein im Bayerischen Landtag ein, den er als Alterspräsident eröffnete. Gleichzeitig leistete der Vater des späteren Bundestagsabgeordneten, Richard Stücklen, in seiner Heimat wertvolle Aufbauarbeit für die CSU, indem er mit Gleichgesinnten am 21. November 1945 den CSU-Kreisverband Hilpoltstein gründete. (Presseartikel über Georg Stücklen, in: ACSP, NL Stücklen Richard : 170)
Gründungsprotokoll des CSU-Kreisverbandes Hilpoltstein vom 21. November 1945, Seite 1
ACSP; ACSP, KV Hilpoltstein : 1
Die Gründung des CSU-KV Hilpoltstein
Der Kreisverband Hilpoltstein entstand damit vor der Gründung der CSU auf Landesebene bzw. der Lizensierung der Partei durch die amerikanische Militärregierung am 8. Januar 1946 in München. Im Sommer 1945 existierten allerdings bereits mehrere Zirkel in Bayern, die auf die Gründung einer christlich-interkonfessionellen Partei abzielten. Im Zuge dessen kam es 1945 zu einzelnen regionalen Gründungen, z.B. in München (11.10.1945) oder Würzburg (13.10.1945), zumal Parteigründungen zunächst nur auf kommunaler Ebene von der amerikanischen Militärregierung genehmigt wurden. Im November 1945 wurde in München die Initiative ergriffen, zum einen die bestehenden regionalen Gründungen unter dem Dach der CSU zu vereinen, zum anderen die bayernweite Organisation der Partei in Bezirks-, Kreis- und Ortsverbänden anzustoßen. Vor diesem Hintergrund sind auch die Ereignisse in Hilpoltstein im November 1945 einzuordnen, als „in der Gastwirtschaft des Herrn Gregor Loy […] 90 Männer und einige Frauen“ für eine „Vertrauensmännerversammlung […] zur Gründung der Christlich Sozialen Union im Landratsbezirk Hilpoltstein“ zusammenkamen. Eröffnet wurde die Sitzung laut Protokoll vom Heidecker Stadtpfarrer Josef Gloß, der den „Zweck […] der Versammlung“ und „das Parteiprogramm bekannt[gab]“. Zum weiteren Ablauf der Versammlung wird im Protokoll angemerkt:
„Herr Bürgermeister Georg Stücklen von Heideck [wird] zum Vorsitzenden der Versammlung bestellt, der zum Zusammenschluss in der Christlich Sozialen Union auffordert. […] Eine Diskussion fand nicht statt, dem Parteiprogramm stimmten alle bei.“
Georg Stücklen ergänzte dabei die Ausführungen von Josef Gloß zum Parteiprogramm. Der Hilpoltsteiner Landrat Engelhard wies zudem auf „die vorläufigen Statuen“ sowie „die Wichtigkeit der Parteibildung zur kommenden Wahl“ hin, bevor Georg Stücklen zum Vorsitzenden „bestellt“ wurde. Außer der Auflistung der weiteren Vorstandsmitglieder gehen hierzu aber keine näheren Informationen aus dem Protokoll hervor.
Zu den Anwesenden dieser Gründungsversammlung zählten neben einfachen Bürgern auch „die Bürgermeister aus den verschiedensten Orten des Landkreises“. Insgesamt unterschrieben 86 Personen dieses Gründungsprotokoll.
Gründungsprotokoll des CSU-Kreisverbandes Hilpoltstein vom 21. November 1945, Seite 2
ACSP; ACSP, KV Hilpoltstein : 1
Wie ging es nach der Gründung weiter?
Der Gründung des Kreisverbands folgten im Laufe der nachfolgenden Jahre zahlreiche CSU-Ortsverbände, die sich im Landkreis Hilpoltstein bildeten. Der CSU-KV Hilpoltstein hatte bis zur Auflösung des gleichnamigen Landkreises im Rahmen der Gebietsreform 1972 Bestand. Infolgedessen wurden die Ortsverbände in neustrukturierte und teils neugegründete Kreisverbände wie den CSU-KV Eichstätt oder den CSU-KV Roth integriert.
Georg Stücklen, anlässlich seines 75. Geburtstags 1950 zum Heidecker Ehrenbürger erhoben und zu Beginn der 1950er Jahre als erste Person im Kreis Hilpoltstein mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet, übte das Amt des Kreisvorsitzenden bis zum Jahr 1951 aus. Am 5. März 1956 verstarb er. Bis heute blieb Georg Stücklen als CSU-Mitbegründer und Alterspräsident des ersten Bayerischen Landtags nach dem Zweiten Weltkrieg weit über die Region Hilpoltstein bekannt. Am 24. Juli 2025 jährt sich sein Geburtstag zum 150. Mal.
Mehr zur Gründung der CSU erfahren Sie unter:
https://www.csu-geschichte.de/partei/detail/viele-geburtstunden-der-csu
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