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Politische Bildung in Südafrika
Handbuch für Lehrer an Berufsschulen

In Südafrika verlieren Jugendliche immer mehr das Vertrauen in die Politik und gehen oft nicht mehr wählen. Das Erbe Nelson Mandelas ist in Gefahr. Zusammen mit dem Bildungsministerium hat die Hanns-Seidel-Stiftung ein Handbuch für politische Bildung an Berufsschulen entwickelt.

Für Südafrika ist das Thema politische Bildung von großer Bedeutung. In kaum einem Land der Welt ist die soziale und wirtschaftliche Ungleichheit größer. Hat ein Kind das Glück, in eine der wenigen reichen Familien geboren zu werden, stehen ihm alle Türen offen, in den industrialisierten Städten Kapstadt, Johannesburg oder Durban Arbeit zu finden. Die Mehrheit der Jugendlichen in Südafrika wächst aber in armen Verhältnissen auf. Sie leben in den Townships, wo Gewalt und Kriminalität an der Tagesordnung ist und besuchen schlechte Schulen. Obwohl sich in den letzten Jahren auch eine schwarze Mittelschicht in Südafrika gebildet hat, verläuft die Trennlinie leider weiterhin zwischen den Bevölkerungsgruppen. Es ist vor allem die schwarze Bevölkerung, die unter der Chancenungleichheit leidet.

Junge Frau vor den offenen Türen einer Schule

Wer in Südafrika eine gute Schulbildung erhält, hat gute Chancen. Leider sind das meist Kinder aus reichen Familien. In kaum einem anderen Land ist die Ungleichheit so groß.

jacoblund; ©HSS; IStock

Die derzeitige schlechte wirtschaftliche Situation in Südafrika trägt dazu bei, dass Jugendliche zunehmend das Vertrauen in Politik und Staat verlieren. Sie fühlen sich nicht in der Lage, die Zukunft Südafrikas aktiv und konstruktiv mitzugestalten. Die Unzufriedenheit ist in den vergangenen Jahren gewachsen. Die Zunahme gewalttätiger Proteste etwa wegen schlechter kommunaler Serviceleistungen ist besorgniserregend. Gleichzeitig ist der politische Diskurs konfrontativer und oft feindseliger geworden. Viele junge Erwachsene sehen Wahlen nicht mehr als geeignetes Mittel an, um ihren Wünschen und Bedürfnissen Ausdruck zu verleihen. In keiner anderen Bevölkerungsschicht sind mehr Nicht-Wähler zu finden. Doch gerade jungen Menschen komme die schwierige Aufgabe zu, die politischen Errungenschaften von Nelson Mandela zu verteidigen und weiterzuentwickeln, sagte der Bildungsminister der Provinz Gauteng Panyaza Lesufi.

Deshalb hat die Hanns-Seidel-Stiftung in Südafrika seit über einem Jahr zusammen mit dem Bildungsministerium der Provinz Gauteng an einem Lehrerhandbuch für politischen Bildung in Berufsschulen. Nach zahlreichen Expertengesprächen und Arbeit in Fokusgruppen wurde das Handbuch „Facilitating Active Citizenship“ (Förderung aktiver staatsbürgerlicher Teilhabe) bei der Nelson Mandela Stiftung den Direktoren der Berufsschulen des Landes und über 100 Lehrern und Entscheidungsträgern aus Politik und Zivilgesellschaft vorgestellt.

Die Inhalte basieren vor allem auf Kurzvideos der Hanns-Seidel-Stiftung zur politischen Bildung, die in unserer “Civics Academy entwickelt wurden. Lehrkräfte sollen damit unterstützt werden, Schülern und Studierenden ausgewählte, im Lehrplan bereits verankerte Themen der politischen Bildung abwechslungsreich, interaktiv, digital und modern näherzubringen.

Dass das Handbuch sehr positiv aufgenommen wurde, zeigt den großen Bedarf an neuen pädagogischen Methoden und moderner Medien bei der Vermittlung demokratischer Bildung. Hanns Bühler, Repräsentant der HSS im südlichen Afrika: „Politisch gebildete Jugendliche sind der Grundpfeiler einer jeden Demokratie. Gerade in jungen Demokratien wie Südafrika sind auf die nationalen Bedürfnisse angepasste Bildungsmaterialien von besonderer Bedeutung. Damit gehen unsere Projektpartner mit gutem Beispiel voran. Ein schöner Erfolg für deutsche Stiftungsarbeit im Ausland!“

Video zur Anwendung des Handbuches

Autorin: Uta Lehmann

Südafrika
Hanns Bühler
Projektleiter