Bayerische Delegation in Omsk
HSS bringt deutsche und russische Universitäten zusammen
Bei den Gesprächen ging es um Zusammenarbeit auf den Gebieten Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur und Tourismus. Die konkretesten Ergebnisse wurden im wissenschaftlichen Bereich erzielt, in dem Partnerschaften der Universität Bayreuth mit zwei Omsker Hochschulen, nämlich der Dostojewskij-Universität Omsk und der Staatlichen Pädagogischen Universität Omsk, vereinbart wurden. Bereits für Oktober ist ein weiteres Treffen in Moskau geplant, bei dem das genaue Format der Zusammenarbeit festgezurrt werden soll. Doch auch in den Bereichen Wirtschaft, Sprache und Kultur sowie Tourismus wurden Vereinbarungen getroffen, die in den kommenden Monaten konkretisiert werden sollen.
Höchste Konzentration bei der deutschen Delegation mit Peter Rief von der CSU-Landesleitung (links), Bundesaussiedlerbeauftragtem Hartmut Koschyk (MdB) und Dr. Alexander Schumacher vom BMI (Mitte).
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Universitäten als Entwicklungsmotoren für die Regionen
Der Präsident der Universiät Bayreuth, Professor Stefan Leible, stellte seine Hochschule als moderne Universität vor, der Interdisziplinarität, Exzellenz, ihre internationale Ausrichtung sowie der Wissens- und Technologietransfer in die Region besonders wichtig seien. Außer Forschung und Lehre gehöre auch der Dialog mit der oberfränkischen Wirtschaft und Gesellschaft zum Auftrag der Universität Bayreuth, wobei Themen wie Gründungsförderung und Weiterbildung, aber auch soziales Engagement im Mittelpunkt stünden. Dem neuen Hochschulcampus in Kulmbach als Außenstelle der Universität Bayreuth für den Bereich Lebensmittel und gesunde Ernährung komme dabei besondere Bedeutung für ganz Oberfranken zu.
Professor Alexej Jakub, Rektor der Dostojewskij-Universität Omsk, stieß in dasselbe Horn und betonte die Bedeutung seiner Hochschule für das gesamte Omsker Gebiet. Auch der hohe Stellenwert ihrer internationalen Ausrichtung sei ein Bindeglied zwischen seiner Universität und der Universität Bayreuth und bilde eine hervorragende Basis für engere Zusammenarbeit. Dr. Swetlana Polujkowa, Dekanin der Fakultät für Fremdsprachen an der Staatlichen Pädagogischen Universität Omsk, sprach insbesondere von der interdisziplinären Ausrichtung als verbindendes Element zwischen allen bei der Tagung vertretenen Hochschulen. Zuvor hatte Professorin Gesine Lenore Schiewer, Inhaberin des Lehrstuhls für Interkulturelle Germanistik an der Universität Bayreuth, bereits die große Bedeutung der Interdisziplinarität für ihren Fachbereich hervorgehoben.
Hartmut Koschyk (MdB) ist seit 2014 bei der Bundesregierung zuständig für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten.
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Zeichen für den Willen zu verstärkter wirtschaftlicher Zusammenarbeit
Für die Betonung des Verbindenden sprach sich der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Hartmut Koschyk MdB, aus. Er bezeichnete die Besuche des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer in Moskau und von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Sotschi als „ein Zeichen für den Willen, die bayerisch-russische und die deutsch-russische Zusammenarbeit wieder zu verstärken“. Der richtige Ansatz bestehe darin, einander trotz bestehender Meinungsverschiedenheiten respektvoll zuzuhören und dadurch wieder zu mehr gegenseitigem Verständnis zu finden. MdB Koschyk brachte darüber hinaus den Begriff des Deutschen „als Minderheiten-Muttersprache“ in die Diskussion ein, den der Vizepräsident für Lehre und Studierende der Universität Bayreuth, Professor Martin Huber, als weiteren möglichen Ansatzpunkt für eine Zusammenarbeit mit den Omsker Universitäten aufgriff.
Neben Partnerschaften im wissenschaftlichen Bereich stand die wirtschaftliche Zusammenarbeit im Mittelpunkt der Gespräche. Für den Vorsitzenden des Internationalen Verbandes der Deutschen Kultur, Heinrich Martens, müssen Kultur und Wirtschaft „Hand in Hand gehen“. Gouverneur Nasarow bezeichnete wirtschaftliche Investitionen als sehr wichtig für das Gebiet Omsk. Der Bayreuther Wirtschaftsjurist Dr. Michael Hohl bot konkrete Hilfe dabei an, Unternehmen aus den Regionen Omsk und Oberfranken zusammenzubringen und brachte dabei auch die Industrie- und Handelskammer für Oberfranken als mögliche Vermittlerin ins Spiel, die in Bayreuth ihren Sitz hat. Gleichzeitig betonte er die große Bedeutung von Rechts- und Investitionssicherheit für ausländische Unternehmen, die sich über eine Niederlassung in Russland Gedanken machen.
Jubiläumsveranstaltung zu 25 Jahre "Deutscher Nationalrayon Asowo".
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Das Deutsch-Russische Haus in Omsk – Enorme Nachfrage nach Deutschkursen
Als Paradebeispiel für die Förderung der deutschen Sprache und Kultur in Russland gilt das Deutsch-Russische Haus in Omsk, das erst 2016 eingeweiht wurde und bereits im zweiten Jahr seines Bestehens elf Gruppen von Jugendlichen, Erwachsenen und Senioren das Erlernen der deutschen Sprache ermöglicht. Lediglich Lehrer- und Raummangel würden die Leitung des Hauses daran hindern, die enorme Nachfrage nach Deutschkursen vollständig abdecken zu können, wie der ehemalige Landrat des Deutschen Nationalrayons Asowo Bruno Reiter ausführte. Angesichts dessen sagte MdB Koschyk spontan Zuschüsse von deutscher Seite für den weiteren Ausbau der Einrichtung zu, falls die russische Seite sicherstellen könne, dass die entsprechenden Räumlichkeiten auch tatsächlich zur Verfügung gestellt würden.
Pawel Baginskij, Landrat des Deutschen Nationalrayons Asowo
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Im Kindergarten „Solnischko“: Hier wird deutsch-russisches Brauchtum von klein an gepflegt.
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Deutsches Theater im russischen Kindergarten
Im Deutschen Nationalrayon Asowo vermittelte der Besuch zweier landwirtschaftlicher Betriebe den Delegationsmitgliedern einen Eindruck von den Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen bei der Produktion von Lebensmitteln. Anschließend begleitete Pawel Baginskij, Landrat des Rayons Asowo, die Delegation zu einer Schule mit erweitertem Deutschunterricht und zum Kindergarten „Solnischko“, in dem die Kinder ihre Deutschkenntnisse bei einer Theateraufführung unter Beweis stellten. Den feierlichen Abschluss des Besuchs in Asowo bildete die Teilnahme an einem Festakt zum 25-jährigen Bestehen des Deutschen Nationalrayons Asowo, bei dem musikalische Darbietungen und beeindruckende Tanzeinlagen von der Verbundenheit der Bevölkerung mit dem deutschen Brauchtum zeugten.
Jan Dresel (HSS, Mitte) mit Heinrich Martens (links, Vorsitzender des Int. Verbandes der Deutschen Kultur) und dem Vizegouverneur des Omsker Gebiets, Wladimir Kompanejschikow (rechts).
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Sowohl beim öffentlichen Teil des Dialogprogramms als auch bei den Gesprächen im Hintergrund zeigten sich Gouverneur Nasarow und Landrat Baginskij sehr interessiert an einem Austausch zwischen dem Omsker Gebiet und dem Bezirk Oberfranken, aber auch zwischen dem deutschen Nationalrayon Asowo und einem oberfränkischen Landkreis. Der Bundesaussiedlerbeauftragte Hartmut Koschyk hat zugesagt, dieses Interesse gegenüber den entsprechenden Stellen in Oberfranken sowie gegenüber der bayerischen Staatsregierung zu übermitteln. Im Anschluss an das Dialogprogramm in Omsk zeigten sich sowohl die deutschen Delegationsmitglieder als auch die russischen Teilnehmer sehr zufrieden mit den Ergebnissen der Gespräche und gaben ihrer Hoffnung Ausdruck, dass auch in Zukunft ähnliche Veranstaltungen durchgeführt werden.
Projektleiter