Social Media in der Kommunalpolitik
„Ich entscheide, was ich poste“
Mit seinem Amtskollegen Sebastian Koch (SPD) von der Gemeinde Wenzenbach (Landkreis Regensburg) betreibt er den Podcast „Lerche und Bär“. Beer ist der Meinung, dass manche Themen eben mehr Tiefe und Zeit brauchen, um sie richtig und ausgeruhter erklären zu können. Er und Koch haben im Februar 2025 den ersten Preis des „Staatsanzeigers“ für ihren gemeinsamen Podcast in Stuttgart verliehen bekommen.
© Berli_Berlinski
Aus dem aktuellen „politicus“ 3/2025:
Social Media ist längst kein Beiwerk mehr, sondern unverzichtbar in der politischen Kommunikation. Als Bürgermeister von Beratzhausen (Landkreis Regensburg) betreue ich meine Kanäle persönlich, weil ich frei entscheide, was ich poste, und der Nutzer entscheidet, ob er mir folgt und den Beitrag liest. Dazwischen liegt „nur“ der Algorithmus, der bestimmt, wie stark ein Beitrag ausgespielt wird. Damit liegt die Öffentlichkeitsarbeit stärker in meiner Hand. Wir Kommunalpolitiker müssen begreifen, welche Chancen Social Media eröffnet und welche Verantwortung es mit sich bringt.
Dass Social Media unverzichtbar geworden ist, zeigen die Zahlen: In Deutschland nutzen rund 65,5 Millionen Menschen soziale Medien aktiv (78 Prozent der Bevölkerung). Im Durchschnitt verbringen wir täglich eine Stunde und 39 Minuten auf diesen Plattformen. WhatsApp erreicht rund 85 Prozent der aktiven Social Media-Nutzer, Instagram über 60, Facebook etwa 54 und TikTok knapp 40 Prozent. (Meltwater, Digital 2024 Germany Report).
Zwei Bürgermeister, ein Podcast
Manche Themen brauchen mehr Tiefe, weshalb mein Bürgermeister-Kollege Sebastian Koch (SPD) von der Gemeinde Wenzenbach und ich den Podcast „Lerche und Bär“ gestartet haben und in zwanzig Minuten komplexe Sachverhalte verständlich darstellen.
Ministerpräsident Markus Söder (rechts) und Beer beim Dämmerschoppen im Juli 2025 in Beratzhausen. Bürgermeister Beer will für eine zweite Amtszeit kandidieren.
© Tobias Zirngibl
Meinen TikTok-Account, den ich 2020 gestartet habe und auf dem mir rund 16.500 Menschen folgen, nutze ich nicht, um lokale Politik zu erklären, sondern um das Berufsbild des Bürgermeisters authentisch, mit Humor, persönlichen Stärken und Schwächen zu zeigen. In vielen Kinderbüchern oder Serien ist der Bürgermeister der Bösewicht – bei „Benjamin Blümchen“ will er den Zoo schließen. Bürgermeister sind keine Gegenspieler, sondern Menschen, die abwägen, Verantwortung tragen und sich mit Zwängen herumschlagen.
Für Beer sind „Bürgermeister keine Gegenspieler, sondern Menschen“, die Verantwortung übernehmen und tragen.
© Berli Berlinski
Für mich sind das die wichtigsten Kanäle für Kommunalpolitiker:
WhatsApp: der direkte Draht. Öffnungsraten von bis zu 98 Prozent machen es zum wirksamsten Kommunikationsinstrument. Wer in den Status postet, erreicht fast alle Empfänger. Gleichzeitig gilt: Datenschutz und Dosierung sind entscheidend, weil Whats-App persönlich wirkt.
Facebook: klassische Plattform für lokale Communitys – für Nutzer ab 50 plus. Visuelle Inhalte funktionieren besser als lange Texte, externe Links mag der Algorithmus nicht. Geschichten müssen in Bilder verpackt werden.
Instagram: Ästhetik und Kreativität. Reels sind der Wachstumstreiber, schöne Bilder und kurze Videos generieren Aufmerksamkeit. Zitatbilder oder Texttafeln funktionieren schlechter. Stories sind ideal für Alltagsmomente, Beiträge dagegen für nachhaltige Botschaften.
TikTok: ein eigenes Universum. Kurze, dynamische Videos mit starkem Einstieg („Hook“). Der Algorithmus belohnt regelmäßiges Posten, schnelle Interaktion. Reichweite ist überregional, der Streuverlust groß – nicht für kommunale Themen.
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Bürgermeister von Beratzhausen