Gedanken zum Zweiten Advent
Geduldsprobe
Die Adventszeit ist die Zeit des Wartens auf Weihnachten, die Geburt Jesu.
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Ich brauche eine Auskunft, rufe an und hänge in der Warteschleife. Mir wird versprochen, dass ich gleich verbunden werde und der nächste freie Mitarbeiter für mich da ist. Das dauert - währenddessen werde ich mit Musik beschallt und darauf hingewiesen, dass es nicht mehr lange dauert, bis ich mein Anliegen vortragen kann. Manchmal wird mir sogar meine Platzziffer verraten. Wenn, wie neulich, es die Nummer 180 ist, dann lege ich auf.
Warten ist anstrengend. Es verlangt Geduld. Und manchmal Kraft - dann, wenn es um das Ergebnis einer medizinischen Untersuchung geht oder um die Antwort auf eine Bewerbung. Gelegentlich macht es glücklich. Ein geliebter Mensch kommt zurück und man platzt schier vor Vorfreude. Gleich, gleich wird man wieder glücklich sein! Eigentlich ist man es schon beim Warten. Der Advent mit seiner Erwartung auf die Ankunft des göttlichen Kindes schließt all dieses Warten ein.
Wie Gott das Ungewöhnliche möglich macht
Der Adventskalender, bei dem man jeden Tag nur ein Türchen öffnen darf, der Adventskranz, an dem im Wochenabstand sich die Zahl der erleuchteten Kerzen erhöht, die Geschenke, die man bastelt, kauft und versteckt, das, worauf man an Weihnachten hofft - all das ist Warten. Voller Ungeduld, Hoffnung und Sehnsucht. Danach, dass alles gut werden möge. Die Bibel ist voll von diesen Wartesaal-Geschichten, die wir nur zu gut kennen.
Zacharias zum Beispiel, der Priester, und seine Frau Elisabeth haben sich ein Leben lang ein Kind gewünscht. Irgendwann gaben sie die Warterei auf. Und dann erscheint dem Zacharias der Engel Gabriel und verkündet: Elisabeth bekommt ein Kind, das wird ein Prophet und der Wegbereiter des Messias. Dem ungläubigen Zacharias verschlägt es die Sprache. Aber tatsächlich: Seine Elisabeth wird schwanger und gebiert Johannes, den späteren Täufer.
Er wird ein halbes Jahr vor Jesus geboren, dem Heiland, auf den schon ganze Generationen gewartet haben. Elisabeth, eine eigentlich zu alte Frau wird überraschend Mutter eines Propheten und eine, Maria, die viel zu jung ist, die bringt ziemlich unerlaubt, weil unehelich den Gottessohn zur Welt. Alles sehr unkonventionell, nichts Gewöhnliches dabei. Der Herrgott liebt das Außerordentliche.
Advent als Schule der Hoffnung
Deshalb kann man sich im Advent ruhig mal eigene Erwartungen bewusst machen. Was erhoffe ich für mich, erwarte ich für die Menschen, die zu mir gehören? Was möchte ich für mein näheres und weiteres Umfeld? Was wünsche ich mir ganz sehr für unsere Gesellschaft und Welt? Manchmal denke ich mir: Wir erwarten zu wenig von Gott. Wir bedrängen ihn nicht kräftig und aufrichtig genug, setzen ihm nicht ausreichend zu.
Bittet, so wird euch gegeben, sagt Jesus. Also: Keine Betulichkeits-Gebete, die runtergeleiert eh mit nix rechnen. Umgekehrt keine Angst vor großen Erwartungen. Bei Gott ist alles möglich. Er gibt Grund für die größten Hoffnungen, da, wo Menschen alle Träume aufgegeben haben und nicht mehr mit Gott in ihrem Leben rechnen. Aber der rennt im Zweifelsfall alles über den Haufen. Deshalb übe ich mich jetzt mal in Ungeduld.
Kontakt
Stellvertretende Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung