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Ukraine und Weißrussland
Jugendliche im interkulturellen Dialog

Autorin/Autor: Benjamin Bobbe

Die Staaten der Östlichen Partnerschaft verbindet weit mehr als nur die gemeinsame Vergangenheit als Teilrepubliken der Sowjetunion. Auch mit den westlichen Nachbarn der Ukraine – Polen, Rumänien, Slowakische Republik und Ungarn – bestehen jahrhundertelange kulturelle Kontakte, die im 21. Jahrhundert durch eine grenzüberschreitende Jugendkultur und die Strahlkraft Europäischer Werte noch intensiviert werden.

Kultur ist ein unverzichtbarer Bestandteil der kollektiven europäischen Identität und stützt gemeinsame Europäische Werte wie die Achtung der Menschenrechte, Vielfalt, Toleranz und Chancengleichheit. Kulturdiplomatie bietet die Gelegenheit, diese Werte sowohl im Dialog mit den europäischen Nachbarländern als auch zwischen diesen Ländern in einem Ost-Ost-Dialog zu thematisieren und ihre Relevanz im jeweiligen gesellschaftspolitischen und Entwicklungskontext zu diskutieren.

Die Hanns-Seidel-Stiftung war bisher nicht in Weißrussland tätig. Die Einbeziehung von gesellschaftspolitisch aktiven Jugendlichen dieses geopolitisch exponierten Landes in Projektmaßnahmen in der Ukraine fördert aber die nachhaltige Entwicklung der Region und der Östlichen Partnerschaft insgesamt.

Grenzüberschreitende Jugendkonferenz- Neuland in der Projektarbeit

Vom 5. bis 8. November 2019 fand die erste ukrainisch-weißrussische Jugendkonferenz zum Thema "Jugendbegegnungen zur Europäischen Werte- und Kulturdiplomatie" in Kiew statt. Diese Veranstaltung war der Auftakt einer Reihe von Maßnahmen der HSS, die in den kommenden Jahren grenzüberschreitende Kulturräume als Verbreitungsgebiete einer beschreibbaren gemeinsamen Kultur der Ukraine mit ihren Nachbarstaaten thematisieren wird.

Die Ausstellung der HSS "Kunst und Werte - 30 Jahre Mauerfall" wird eröffnet.

Die Ausstellung der HSS "Kunst und Werte - 30 Jahre Mauerfall" wird eröffnet

HSS/Ukraine

Grenzüberschreitende Kulturdiplomatie

Zehn Studenten der Fakultät für Internationale Beziehungen der weißrussischen staatlichen Universität in Minsk und ebenso viele ukrainische Studenten aus vier Universitäten setzten sich intensiv mit den wissenschaftlichen Aspekten des Konzeptes der "Kulturdiplomatie", den internationalen Beziehungen auf kulturpolitischer Ebene im formellen und informellen Austausch im kulturellen Bereich auseinander und tauschten sich über Berührungspunkte der grenzüberschreitenden U- und  E- Kultur  zwischen der Ukraine und Weißrussland aus.

Erstes und auffallendes Symbol war die Tatsache, dass die Konferenz ohne Dolmetscher geführt werden konnte - die ukrainischen und weißrussischen Teilnehmer verstanden sich problemlos gegenseitig in ihrer jeweiligen Muttersprache.

Der stellv. ukrainische Außenminister Wasiliy Bodnar und der weißrussische Botschafter in der Ukraine Igor Sokol unterstrichen in ihren Grußworten die historische und geopolitische Nähe der beiden Nationen.

Kultur in Europa

Kultur als wesentliches Element der Außenbeziehungen ist als Teil der Europäischen Kulturagenda seit 2007 eines der drei strategischen Ziele der Kommission und der Mitgliedstaaten. Weiter gehören dazu kulturelle Vielfalt und interkultureller Dialog sowie Kultur als Kreativitätskatalysator. Neben den 28 EU-Mitgliedstaaten sind folgende Partnerländer der EU an der Initiative beteiligt: Ägypten, Algerien, Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Georgien, Israel, Jordanien, Libanon, Libyen, Marokko, Moldau, das besetzte palästinensische Gebiet, Syrien, Tunesien und die Ukraine.

Das Büro der Hanns-Seidel-Stiftung in Kiew entwickelte den "Mitmachparcours zu Fragen Europäischer Werte". Hier werden die Ergebnisse dieser Aufgabe an einer Flipchart präsentiert

Das Büro der Hanns-Seidel-Stiftung in Kiew entwickelte den "Mitmachparcours zu Fragen Europäischer Werte". Hier werden die Ergebnisse dieser Aufgabe präsentiert

HSS/Ukraine

Beginn eines interkulturellen Dialogs

Im Rahmen der Konferenz wurde die HSS-Ausstellung "Kunst und Werte - 30 Jahre Mauerfall" eröffnet und durch die Auseinandersetzung mit den damaligen Ereignissen ein Zugang zur geschichtsbasierten Wertediskussion mit den Teilnehmern gefunden.

Besonders engagiert beteiligten sich die Teilnehmer an der Simulation einer UNESCO-Generalversammlung, einem Rollenspiel, das der stellvertretende Vorsitzende der Nationalen UNESCO-Kommission der Ukraine Mykola Movchan leitete.

Ausführlich diskutierten die Teilnehmer die Kategorie der "Soft-Power", der politischen Einflussnahme auf die internationalen Beziehungen durch kulturelle Attraktivität, der Weltanschauung und politischer Ideologie, insbesondere vor dem Hintergrund einer multipolaren Weltpolitik und deren Auswirkungen auf die Region.  

Mit der Internationalen Konferenz "100 Jahre Ukrainisch-weißrussische Beziehungen" wurde das intensive Programm in Kiew abgeschlossen. Ukrainische und weißrussische Experten zeigten die geschichtlichen und gesellschaftlichen Kontinuitäten und Unterschiede der beiden Länder auf. Die jungen Teilnehmer stellten zum Thema: "Ukraine und Weißrussland: Gemeinsam und Einzigartig" szenische Visitenkarten ihrer Länder vor und präsentierten ihre Ausarbeitungen zum "Mitmachparcours zu Fragen Europäischer Werte", den das HSS-Büro in Kiew entwickelt hat.

Die gemeinsam erarbeiteten Prioritäten lauteten:

I            Verteidigung und Förderung der Nationalen Identität

II           Kritische Geschichtsreflexion: Aus eigenen Fehlern lernen

III          Souveränität und Respekt: "Don`t tread on me" (tritt mich nicht mit Füßen)

Für 2020 ist eine Fortsetzung des Formates mit georgischen Jugendlichen vorgesehen, bei der die diesjährigen weißrussischen Teilnehmer als Mentoren ihre Erfahrungen aus der Konferenz und der weiteren Beschäftigung mit dem Thema in den Wintermonaten einbringen werden.

Mittel- und Osteuropa
N.N.
Leitung
Ukraine
Benjamin Bobbe
Projektleitung
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