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Interview mit Dr. Georg Metzger zur Krankenhausreform
Kliniken in der Krise

Autorin/Autor: Katja Zirkel

Zwischen Kostendruck und Versorgungslücke - die Krankenhäuser in Deutschland befinden sich am Scheideweg.: Dr. Georg Metzger, Geschäftsführer der Maximilians-Augenklinik in Nürnberg, gibt einen Einblick in die aktuelle Lage der Gesundheitsversorgung in Deutschland.

Dr. Georg Metzger ist Geschäftsführer der Maximilians-Augenklinik GmbH in Nürnberg. Sie wurde im Jahr 1813 gegründet und ist die älteste noch bestehende Augenklinik in Deutschland.

Dr. Georg Metzger ist Geschäftsführer der Maximilians-Augenklinik GmbH in Nürnberg. Sie wurde im Jahr 1813 gegründet und ist die älteste noch bestehende Augenklinik in Deutschland.

Privat

HSS: Was sind die größten Herausforderungen, mit denen die Krankenhäuser in Deutschland derzeit konfrontiert sind, und wie beeinflussen diese die Patientenversorgung, vor allem auf dem Land?

Dr. Metzger: Die Schere zwischen Einnahmen und Kosten geht seit einigen Jahren immer weiter auseinander, was die Verluste der Kliniken steigen lässt. Die steigenden Personal- und Sachkosten werden bei den Erlösen nicht ausreichend berücksichtigt.
Gleichzeitig werden immer mehr ärztliche Leistungen ambulant durchgeführt, was bedeutet, dass bisher stationäre Behandlungen jetzt ambulant erbracht werden müssen. Doch die Einnahmen aus diesen ambulanten Leistungen sinken. Es sind zusätzliche Investitionen nötig, um das gestiegene ambulante Leistungsvolumen bewältigen zu können.
Ambulant behandelte Patienten brauchen oft mehr Pflege in der Nachsorge, vor allem, wenn Angehörige das nicht auffangen können. Dieser erhöhte Pflegebedarf wird durch den Fachkräftemangel noch verschärft, was das Personal zusätzlich belastet.
Für die Kliniken auf dem Land bedeutet die Krankenhausreform, dass, grob geschätzt, ca. 20 Prozent geschlossen werden müssen. Das hat zur Folge, dass die Patienten weite Anfahrtswege bis zum nächsten Krankenhaus in Kauf nehmen müssen.

HSS: Inwiefern könnte die geplante Krankenhausreform zu einer verbesserten finanziellen Situation der Kliniken führen, und welche Bedenken haben Sie hinsichtlich ihrer Umsetzung?

Dr. Metzger: Die Höhe der staatlich festgelegten Pauschale und die Qualitätsvorgaben werden bestimmen, wie viel stationäre Versorgung möglich ist und welche Krankenhäuser wirtschaftlich überleben können. Solange die finanziellen Rahmenbedingungen schlecht bleiben, sollte die Bedarfsnotwendigkeit an Krankenhäusern wichtiger sein als ihre finanzielle Stärke. Wie sich das neue Finanzierungssystem auswirkt, ist noch völlig unklar, und das pauschale Abrechnungssystem (DRG) bleibt bestehen. Wenn die Zahl der Behandlungen gleichbleibt, ändert sich an der schlechten finanziellen Lage nichts. Allerdings ist damit zu rechnen, dass die Fallzahlen wegen der Zunahme ambulanter Behandlungen sinken werden.

HSS: Wie beurteilen Sie die Spezialisierung der Krankenhäuser als Reaktion auf die Reform? Welche Vor- und Nachteile sehen Sie für kleinere und/oder gemeinnützige Einrichtungen?

Dr. Metzger: Die gesundheitspolitischen Entscheidungen legen den Rahmen fest, in dem Krankenhäuser arbeiten und ihr Angebot gestalten. Deshalb kann es für Krankenhäuser sinnvoll sein, sich zu spezialisieren, bestimmte Leistungen nicht mehr anzubieten oder sogar ganz aus der Versorgung auszusteigen.
Die Politik muss sicherstellen, dass genügend Ressourcen und Fachkräfte vorhanden sind, um die Patientenversorgung zu gewährleisten, und dass die Kliniken für ihre Behandlungen angemessen bezahlt werden.
Es ist schwierig, allgemeine Aussagen über die Auswirkungen der Reformen auf kleine oder gemeinnützige Krankenhäuser zu machen, da diese sehr unterschiedliche Angebote haben. Zum Beispiel gilt eine Augenklinik mit 25 Betten bereits als "spezialisiert" und bietet 80 Prozent  ihrer Leistungen ambulant an. Ein kleines Krankenhaus mit 100 Betten, das die Grundversorgung übernimmt, ist dagegen weniger spezialisiert und führt deutlich weniger ambulante Behandlungen durch.

HSS: Welche Strategien sollten Kliniken Ihrer Meinung nach umsetzen, damit sich diese an die sich verändernden Rahmenbedingungen anpassen?

Dr. Metzger: Die Kliniken müssen prüfen, welche Leistungen nach dem Krankenhaus-Versorgungs-Verbesserungsgesetz (KHVVG) weiterhin stationär angeboten werden können und welche ambulant erbracht werden müssen. Auf dieser Basis wird das Leistungsangebot des Krankenhauses überprüft und unter Umständen angepasst. Es sollten dabei auch Absprachen oder Kooperationen mit benachbarten Krankenhäusern in Betracht gezogen werden.

Das Krankenhaus legt - basierend auf dem Versorgungsauftrag - fest, welche Behandlungen ambulant und welche stationär durchgeführt werden, Daraus wird abgeschätzt, wie viel Einnahmen erwartet werden können. Gleichzeitig werden die notwendigen Ressourcen und deren Kosten analysiert und mit den aktuellen Kosten verglichen. Auf dieser Grundlage plant der Träger, wie das Krankenhaus für die Zukunft aufgestellt wird.

HSS: Welche Maßnahmen erachten Sie als notwendig, um eine mögliche Insolvenzwelle unter kleineren Krankenhäusern zu verhindern und die Gesundheitsversorgung für alle Bevölkerungsschichten aufrechtzuerhalten?

Dr. Metzger: Klarheit über die Inhalte und den Zeitrahmen der neuen Gesetze hilft den Trägern, bessere Entscheidungen für ihre Krankenhäuser zu treffen. Die Versorgung der Patienten sollte dabei jedoch wichtiger sein als die finanzielle Leistungsfähigkeit des Trägers.

Eine Insolvenzwelle kann verhindert werden, wenn:

  • die Finanzierung der einzelnen Behandlungsfälle gesichert ist,
  • Patienten besser gelenkt werden,
  • die Bürokratie verringert wird,
  • Lohnerhöhungen vollständig refinanziert werden, auch für vergangene Jahre,
  • und die gestiegenen Sachkosten finanziell abgedeckt werden.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Dr. Metzger!

Nähere Infos zum Thema Krankenhausreform finden Sie auch in dem Beitrag „Krankes Gesundheitswesen“ von Dr. Oliver Erens im Magazin politicus/3, das Ende November erscheinen wird.

Weitere aktuelle Informationen über die Inhalte der Krankenhausreform finden Sie hier: https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/krankenhausreform-beschlossen-2282702

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Redakteurin: Katja Zirkel
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