Gedanken zum Pfingstfest
Komm, Heiliger Geist!
Am 50. Tag nach Ostern wird das Pfingstfest gefeiert. Der Heilige Geist erfüllte die Jünger Jesu und sie verkündeten daraufhin das Evangelium. Ein Symbol für den Heiligen Geist ist die Taube.
Pio Si; HSS; Adobe Stock
Christen glauben, dass sie einen Auftrag haben: Veränderung misslicher Verhältnisse zum Guten hin. Und dass sie da anpacken dürfen, dass sie dafür die Ärmel hochkrempeln und aktiv werden – in der Politik, in den Gewerkschaften, im gesellschaftlichen Engagement, in der Familie, im Freundeskreis, am Arbeitsplatz.
Dieser Auftrag zur Veränderung kommt aus dem Leben Jesu, das die Bibel sehr konkret schildert, und das wie eine Schablone über die bestehenden Verhältnisse gelegt werden soll. Jesus hat dort, wo er sprach, handelte, zuhörte, schwieg, provozierte, Menschen berührte und Wunder wirkte, die Welt verändert. Wo der Geist Jesu wirkt, wird es immer besser, als es vorher war: Liebevoller, herzlicher, ehrlicher, freier, mutiger, entschlossener…
Komm, Heiliger Gott, komm und verändere mit mir diese Welt!
Der Heilige Geist ist Gott selbst. Wo der Geist des Herrn wirkt, da ist auf kurze oder lange Sicht die Steigerung von Lebensqualität die Folge. Unweigerlich. Aber auch mehr Gegenwind.
Und Jesus, Gottes Sohn, empfangen vom Heiligen Geist, hat die Welt verändert, weil er Menschen bewegt und unruhig macht. Einen Jesus, der Menschen zur Passivität und beschaulichen Dauerruhe auffordert, gibt es nicht. Wo Jesus in Spiel kommt, wo sich sein Spirit ausbreitet, da bewegt sich etwas, da kommt vieles neu ins Rollen. Jesus drängte es, die Verhältnisse zu überdenken und wenn nötig, sie massiv zu verändern, wenn sie dadurch besser würden. Besser für Leib und Seele der einzelnen Person, besser für das Miteinander, das unausweichlich ist. Der Name Jesus ist eine ständige Erinnerung, sich zu aktivieren, sich einbinden zu lassen in die Dinge dieser Welt. Der Jesus des Rückzugs ist der Jesus, der Kraft tankte und sich Mut erbat, um schließlich kraftvoll wirken zu können. Das christliche Gebet ist ebenfalls ein Innehalten, um dann klar und entschlossen zu handeln.
Bjørn Wagner ist Dekan des Erzbischöflichen Dekanats München-Nordost und ist Leiter der Pfarreien St. Augustinus, Christi Himmelfahrt und St. Franz Xaver.
Privates Foto
In der katholischen Liturgie gibt es zwei Besonderheiten, die zu Pfingsten gehören und die ausdrücken, dass Pfingsten den Charakter eines Dauerauftrags hat:
- Da ist einmal, dass man aufgefordert wird, beim Ruf zum Evangelium in die Knie zu gehen. Werdas tut, hat ein Anliegen: Einen Hochzeitsantrag, einen Grund, um Verzeihung zu bitten oder eben ein Gebetsanliegen. An Pfingsten betet die Gemeinde vor der Verkündigung des Evangeliums deshalb, wenn möglich auf Knien, diese Worte: „Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe!“ Bei dieser Liebe geht es darum, dass ich mich um die Dinge und Menschen sorge, die mich umgeben, dass ich nicht gleichgültig bleibe, sondern herzlich und couragiert.
- Zum anderen wird das Friedensgebet vor dem Brechen des Brotes mit diesen pfingstlichen Worten eingeleitet: „Unser Herr Jesus Christus hat den Heiligen Geist gesandt, damit er die Kirche aus allen Völkern in Einheit und Liebe zusammenfüge.“ Hier wird deutlich, dass die christliche Kirche völkerverbindend wirkt, dass sie nationale und kontinentale Denkmuster auf den Prüfstand stellt, dass sie dafür da ist, die Einheit der Menschheitsfamilie zu verkünden. Internationale Friedensarbeit ist m. E. im Taufbefehl Jesu grundgelegt: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich Euch befohlen habe“ (Mt 28,18-20). Die Spendung der Taufe ist effektive Friedensarbeit.
Über den Heiligen Geist zu schreiben bedeutet, über das Geheimnis Gottes schriftlich nachzudenken. Dafür gibt es keine umfassendeDefinition. Aber ein Kriterium für Pfingsten ist, dass sich die Menschen auf dieser Erde immer mehr als Einheit verstehen, die umeinander bemüht ist und aneinander arbeitet. Pfingsten ruft jedem zu:
Komm! Komm heraus und packt mit an! Denk und gestalte mit!
Ein Gebet bringt dies gut zum Ausdruck:
Gott, der du im Geheimnis des heutigen Festtags deine Kirche auf der ganzen Erde heiligst, in jedem Volk, in jeder Nation, gieße in die weite Welt die Gaben des Heiligen Geistes aus, und was deine göttliche Gnade gewirkt hat, als es mit dem Evangelium begann, das durchströme auch jetzt die Herzen der Gläubigen.
Frohe, gesegnete und aktive Pfingsten!
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